Amazonen-Werke

deutsches Unternehmen, Hersteller von Land- und Kommunalmaschinen From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Amazonen-Werke H. Dreyer SE & Co. KG (Eigenschreibweise AMAZONEN-WERKE H. DREYER SE & Co. KG) ist ein Hersteller von Land- und Kommunalmaschinen. Das Stammwerk des 1883 von Heinrich Dreyer gegründeten Unternehmens befindet sich in Hasbergen-Gaste, Niedersachsen. Über 125 Jahre Innovationen des Werkes finden sich in Patentanmeldungen für Landwirtschaftstechnik bis in die jüngste Zeit des 21. Jahrhunderts.

Schnelle Fakten
Amazonen-Werke H. Dreyer SE & Co. KG
Logo
Rechtsform SE & Co. KG
Gründung 1883
Sitz Hasbergen, Deutschland
Leitung Verwaltungsrat:
  • Christian Dreyer
  • Justus Dreyer
Mitarbeiterzahl ca. 2.700 (2025)[1]
Umsatz 850 Mio. Euro (2025)[1]
Branche Landtechnik
Website www.amazone.de
Stand: 31. Dezember 2025
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Herkunft des Namens

Da sich das Geschäft von Heinrich Dreyer nach der Gründung gut entwickelte, suchte er 1891, im Rahmen der landwirtschaftlichen Ausstellung DLG in Bremen, nach einem vorteilhaften Namen für seine Maschinen.[2.1] Ein in Gaste ortsansässiger Lehrer schlug ihm den Namen „AMAZONE“ vor, den er ihm auf Deutsch mit „Heldin“ übersetzte. Dreyer ging darauf ein und ließ ihn sich als Warenzeichen eintragen.[2.2] 1912 erfolgte die Umbenennung der Firma von „Maschinenfabrik H. Dreyer“ zu „Amazonenwerk“. Ein Hauptgrund dafür waren Verwechslungen mit seinem Bruder Wilhelm, der sich Heinrich Wilhelm Dreyer nannte und mit ihm im Wettbewerb stand,[2.3] sowie weitere Angebote zu Produkten wie Maschinenteile oder Möbel, die ohne nähere Verbindung unter dem gleichen Namen an verschiedenen Orten vertrieben wurden.

Geschichte

Bereits im 18. Jahrhundert beschäftigte sich die Familie Dreyer, die in der Landwirtschaft, Tischlerei und Stellmacherei tätig war, mit dem Bau von landwirtschaftlichen Maschinen und Geräten und stellte jährlich einige Wannenmühlen zur Reinigung von Getreide her; so lieferte der Urgroßvater von Heinrich Dreyer, Johann Caspar Dreyer, bereits 1778 eine Wannenmühle an die Stadt Osnabrück. 1883 gründete Heinrich Dreyer den Vorläufer des späteren Unternehmens und begann mit der Produktion von Getreidereinigungsmaschinen.[3][4] Später kamen Pflüge, Kultivatoren, Kartoffelsortierer und 1915 die ersten Düngerstreuer hinzu. Eines der frühesten bekannten Patente von Heinrich Dreyer wurde 1911 für eine Kartoffelsortiermaschine mit Patent-Nr. 24560 (GB-1911) registriert.[5] Beginnend in den 1910er-Jahren wurden die Innovationen bis in das 21. Jahrhundert fortlaufend mit Patentregistrierungen belegt.[6] Schon früh begann Dreyer auch mit dem Export, so wurden 1906 die ersten Getreidereinigungsmaschinen nach Valparaíso in Chile verkauft.

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges brachen die Geschäfte schlagartig zusammen. Alle jungen Männer wurden sofort in den Krieg eingezogen, sodass sich die Anzahl der Belegschaft auf ca. 40 Mitarbeiter reduzierte, nachdem zwischenzeitlich der Betrieb zeitweilig ganz stillgelegt worden war.[2.4] In den Jahren nach 1934 erlebten der Amazone Walzenstreuer und die Kartoffelsortiermaschine einen gewaltigen Aufschwung, so dass die Belegschaft in Gaste bis 1939 auf über 500 Mitarbeiter aufgestockt wurde.[2.5] Der Aufschwung war auch Folge einer starken Förderung der Landwirtschaft nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland, um von Lieferungen aus dem Ausland unabhängig zu werden. Später erkannte man, dass diese Autarkiebestrebungen Teil der Vorbereitungen für den nächsten Krieg waren.[2.6] 1934 übernahmen die Söhne des Firmengründers Erich und Heinrich die Geschäfte. Heinrich Dreyer sen. starb am 11. Juni 1939, wenige Monate vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges.[2.5] Heinrich Dreyer jr. war von 1934 bis 1938 in der SA und anschließend Mitglied der NSDAP.[7] Während des Zweiten Weltkriegs war zwischenzeitlich das Panzerregiment 6 „Neuruppin“ und drei weitere Firmen im Amazonenwerk einquartiert. Wehrfähige Männer unter den Mitarbeitern, darunter auch Erich Dreyer, der kaufmännische Leiter der Firma, wurden zum Kriegsdienst eingezogen. Dadurch wurde die Zahl der Mitarbeiter nach und nach erheblich reduziert. Die fehlenden Mitarbeiter wurden durch zugeteilte Kriegsgefangene ersetzt.[2.7] Am 18. April 1945 fiel Erich Dreyer in der damaligen Tschechoslowakei.[2.8]

Am 28. November 1957 verstarb, plötzlich und unerwartet, Heinrich Dreyer im Alter von 57 Jahren.[2.9] Darauf übernahmen am 2. Januar 1958 Heinz Dreyer und Klaus Dreyer die Geschäftsführung der Amazonen-Werke in der dritten Familiengeneration.[2.10]

Nach den ersten Drillmaschinen 1949 kamen 1959 die ersten Stalldungstreuer auf den Markt. Sehr erfolgreich waren in den 1960er-Jahren die Zweischeibendüngerstreuer ZA und die Drillmaschine D4, mit denen Amazone die Marktführerschaft in diesem Segment erreichte. 1967 erfolgte der Einstieg in die Bodenbearbeitung. Amazone entwickelte als erster Hersteller zapfwellengetriebene Bodenbearbeitungsgeräte, die mit einer Drillmaschine kombiniert werden konnten. Zunächst wurden die Rüttelegge, dann der Kreiselgrubber und schließlich die Kreiselegge in die Produktpalette aufgenommen. Später, nach der deutschen Wiedervereinigung, wurden weitere passiv arbeitende Bodenbearbeitungsmaschinen auf den Markt gebracht, nachdem im Jahre 1998 die BBG Bodenbearbeitungsgeräte in Leipzig gekauft wurden. Diese Firma hat eine besondere Tradition, denn ihre Ursprünge führen auf die Gründung der Firma RUD. SACK durch Rudolph Sack im Jahr 1863 zurück. Dieses Unternehmen war vor dem Zweiten Weltkrieg der größte Pflug- und Drillmaschinenhersteller der Welt. 1987 erschien die erste Einzelkornsämaschine von Amazone.[8]

1999 erfolgte ein weiterer Wandel. Christian Dreyer übernahm die Geschäftsführung von seinem Vater Klaus Dreyer.[2.11] Ende 2005 trat dann auch Justus Dreyer, Sohn von Heinz Dreyer, in die Geschäftsleitung ein und schloss den Wechsel in die 4. Generation der Familien Dreyer ab.[2.12]

Amazone BoniRob Feldroboter-Entwicklungsprojekt

2008 wurde die Amazone-Stiftung gegründet, die im folgenden Jahr erstmals junge Nachwuchskräfte für ihre studentischen Abschlussarbeiten im Bereich der Landtechnik auszeichnete. 2009 nahm Amazone die Montage von Großsämaschinen am neuen Standort Hude-Altmoorhausen auf und begann im Tecklenburger Ortsteil Leeden im Tecklenburger Land mit der Eigenproduktion von Selbstfahrerfeldspritzen namens Pantera. Zudem wurde ein als BoniRob bezeichneter autonomer Feldroboter für das Einzelpflanzen-basierte Versuchswesen vorgestellt, der in Kooperation mit der Hochschule Osnabrück, der Robert Bosch GmbH und anderen Partnern entwickelt wurde.

Im Januar 2010 wurde eine neue Düngerstreuer-Testhalle in Hasbergen-Gaste in Betrieb genommen.[9] Mit dieser ist es dem Unternehmen möglich, Düngerstreuer bis zu einer Arbeitsbreite von 72 Metern zu testen sowie neue Düngersorten auf ihre Stoff- und Streueigenschaften zu untersuchen.

Im Februar 2011 verkaufte Amazone die Sparte Lagertechnik.[10] Im September 2016 erwarb Amazone die Pflugproduktion vom insolventen Hersteller Vogel & Noot.[11]

Zum 1. Januar 2019 übernahm Amazone die Hacktechniksparte der Maschinenfabrik Schmotzer.[12] 2019 wurde eine strategische Partnerschaft in dem SmartSprayer-Gemeinschaftsprojekt von Bosch, BASF/xarvio und Amazone beschlossen, welche eine bedeutende Entwicklung im Bereich der Landwirtschaft 4.0 darstellte und durch erhebliche Einsparungen von Herbiziden eine Grundlage für die nachhaltige Landwirtschaft ist.[13]

Seit Juni 2020 führt Amazone ein langfristig angelegtes Ackerbau-Versuchsprojekt auf dem neuen Versuchsgut Wambergen durch. Unter dem Titel „Controlled Row Farming“ (CRF) wird ein neues Ackerbauverfahren für die Landwirtschaft vorgestellt, bei dem jede pflanzenbauliche Maßnahme im Bezug zu einer festen Reihe erfolgt.[14] Zugleich ist das Versuchsgut Wambergen, ehemals der 1810 gebaute Hof Meyer zu Wambergen, auch ein Werksmuseum zur historischen Landwirtschaft.[15][16]

Im Juni 2022 investierte Amazone in die Zusammenarbeit mit dem Startup AgXeed B.V, das autonome Feldroboter entwickelt. Ziel der Partnerschaft ist die Weiterentwicklung der Amazone Anbaugeräte im Hinblick auf den autonomen Einsatz im Feld.[17]

Im April 2024 übernahm Amazone einen brasilianischen Hersteller von Düngerstreuern, MP AGRO. Mit diesem Schritt vergrößerte das Unternehmen seine Präsenz auf dem südamerikanischen Markt.[18]

Unternehmensstruktur

Amazone-Stammwerk in Hasbergen-Gaste bei Osnabrück

Die Anteile des Unternehmens mit Firmensitz in Hasbergen nahe Osnabrück liegen vollständig bei den beiden Familien Dreyer. Als Verwaltungsrat in vierter Generation[19] stehen Justus Dreyer und Christian Dreyer an der Spitze der Amazone-Gruppe. Hinzu kommen vier geschäftsführende Direktoren.[20]

Die Mitarbeiterzahl beträgt insgesamt rund 2700 Personen, der Umsatz lag 2025 bei rund 850 Millionen Euro.[1] Das entspricht einer Umsatzsteigerung von 11,4 % gegenüber dem Vorjahr. Der Exportanteil liegt bei rund 80 % (Stand 2024). Die Kunden von Amazone sind Landwirte, landwirtschaftliche Lohnunternehmer, Kommunen und verwandte Bereiche.

Standorte der AMAZONE-Gruppe

Produktionsstandorte befinden sich an folgenden Orten:[21]

  • Hasbergen-Gaste (Stammwerk): Fertigung von angebauten Düngerstreuern
  • Bramsche: Fertigung von angebauten, angehängten und selbstfahrenden Pflanzenschutzspritzen und angehängten Düngerstreuer
  • Hude-Altmoorhausen: Fertigung von Sämaschinen
  • Hude bei Oldenburg: Fertigung von Maschinen zur aktiven Bodenbearbeitung wie Kreiseleggen oder Kreiselgrubber
  • Leipzig: Fertigung von Maschinen zur passiven Bodenbearbeitung wie Scheibeneggen oder Grubber und von Hackmaschinen zur mechanischen Unkrautbekämpfung (ehemals Rudolph Sack GmbH bzw. BBG-Bodenbearbeitungsgeräte Leipzig)
  • Mosonmagyaróvár (Ungarn): Fertigung von Pflügen (ehemals Vogel & Noot Mezögépgyar Kft.)
  • Forbach (Frankreich): Fertigung von Maschinen des Kommunalbereichs wie Winterdiensttechnik und der Grünflächen-Pflegetechnik
  • São Carlos (Brasilien): MP Agro, 2024 übernommene Tochtergesellschaft

In Leeden (Stadt Tecklenburg) befindet sich ein Ersatzteillager und ein Gebrauchtmaschinenzentrum.

In Deutschland unterhält Amazone vier Werksniederlassungen: in Rendsburg, Gottin, Kottenheim und Gablingen.[22] Überdies bestehen außerhalb Deutschlands Vertriebsgesellschaften in den Ländern China, Großbritannien, Frankreich, Ukraine, Ungarn, Russland, Kanada und Kasachstan.[21]

Produktpalette

Amazone produziert Bodenbearbeitungsmaschinen, Sämaschinen, Einzelkornsämaschinen, Düngerstreuer, Pflanzenschutzspritzen und Hackgeräte in verschiedenen Ausführungen, weiterhin Maschinen für die Park- und Grünflächenpflege sowie den Winterdienst. Parallel zur Produktion von Landmaschinen führt Amazone Ackerbauprojekte und -versuche durch. Ein weiteres Standbein war bis 2011 die Projektierung und der Bau von Mehrzwecklagerhallen.

Patente und Schutzrechte

Laut einem Bericht der Neue Osnabrücker Zeitung aus dem Jahr 2018 melden die Amazonen-Werke jährlich circa 70 Patente als Erst- oder Neuanmeldungen an. In dem Bereich Forschung und Entwicklung beschäftigte das Unternehmen zu diesem Zeitpunkt rund 120 Mitarbeiter.[23] Viele der Mitarbeiter des Unternehmens sind im Nebenerwerb Landwirte und werden in die Testung der neuen Produkte einbezogen.[24] Das Unternehmen hat mehrere Hundert aktive Patente, darunter mehrere Dutzend in den USA.[25] Zu den Patenten zählen beispielsweise Schutzrechte für:

  • die LED-Sprühfächerbeleuchtung von Pflanzenschutzspritzen, indem den Düsen eine entsprechende Lichtquelle zugeordnet ist[26]
  • das System EasyCheck als ein Verfahren, Matten auf dem Feld auszulegen, diese in einer Überfahrt mit einem Düngerstreuer mit Dünger zu bestreuen und den Dünger anschließend mit einem Digitalbild zu lokalisieren[27]
  • ein Verfahren zum Planen eines Sävorgangs durch Ermitteln eines Fahrgassenverlaufs mit Unterbrechen der Saatgutausbringung zum Anlegen von fahrtroutenfremden, kreuzenden Fahrgassenabschnitten[28]

Literatur

Commons: Amazonen-Werke – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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