Aminopyridine

Stoffgruppe From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Aminopyridine bilden in der Chemie eine Stoffgruppe von organischen Verbindungen, die zu den Heterocyclen (genauer: Heteroaromaten) zählt. Sie bestehen aus einem Pyridinring, der mit einer Aminogruppe (–NH2) substituiert ist. Aufgrund der unterschiedlichen Anordnung ergeben sich drei Konstitutionsisomere mit der Summenformel C5H6N2. Im weiteren Sinne werden auch andere Verbindungen mit Aminogruppe am Pyridinring als Aminopyridine bezeichnet.

Vertreter

Aminopyridine
Name 2-Aminopyridin3-Aminopyridin4-Aminopyridin
Andere Namen α-Aminopyridin
o-Aminopyridin
2-Pyridylamin
 
 
β-Aminopyridin
m-Aminopyridin
3-Pyridylamin
 
 
γ-Aminopyridin
p-Aminopyridin
4-Pyridylamin
Fampridin (INN)
Dalfampridine (USAN)
Strukturformel Struktur von 2-Aminopyridin Struktur von 3-Aminopyridin Struktur von 4-Aminopyridin
CAS-Nummer 504-29-0462-08-8504-24-5
PubChem 10439100091727
Summenformel C5H6N2
Molare Masse 94,12 g·mol−1
Aggregatzustand fest
Kurzbeschreibung farblose bis gelbliche, brennbare Kristalle mit unangenehmem Geruch
Schmelzpunkt 55–58 °C[1] 60–63 °C[2] 158 °C[3]
Siedepunkt 209–211 °C[1] 250–252 °C[2] 274 °C[3]
pKs-Wert
(der konjugierten
Säure BH+)
6,71[4]6,03[4]9,114[4]
Dichte 1,26 g·cm−3[3]
Löslichkeit löslich in Wasser und Alkohol
GHS-
Kennzeichnung

Gefahrensymbol Gefahrensymbol
Gefahr[1]
Gefahrensymbol Gefahrensymbol
Gefahr[2]
Gefahrensymbol Gefahrensymbol Gefahrensymbol
Gefahr[3]
H- und P-Sätze 301+311314412 301311315319410 300311331314411
keine EUH-Sätze keine EUH-Sätze keine EUH-Sätze
260273280303+361+353
304+340+310305+351+338
264273280301+310+330
302+352+312391
?

Eigenschaften

Die Aminopyridine sind farblose bis gelbliche Feststoffe mit einem pyridinartigen Geruch. Sie sind löslich in Wasser und Alkoholen. Das 4-Aminopyridin, das die höchste Symmetrie aufweist, besitzt den höchsten Schmelzpunkt.

Verwendung

4-Aminopyridin wird zur Herstellung von 4-Halogenpyridinen und Arzneimitteln verwendet. Es selbst dient als Vogelgift[5] und in der Medizin als reversibler Kaliumkanalblocker (z. B. bei Multipler Sklerose).[6]

4-Aminopyridin wurde 2010 von der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde unter dem US-amerikanischen Freinamen (USAN) Dalfampridine zur unterstützenden Behandlung der Multiplen Sklerose zugelassen.[7] Ein entsprechender Antrag für die Europäische Union wurde jedoch aufgrund eines ungenügenden Nutzen-Risiko-Verhältnisses vorläufig abgewiesen.[8] Eine Entscheidung der Schweizer Behörde steht noch aus.

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI