Andenibis
Art der Gattung Theristicus
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Der Andenibis (Theristicus branickii) ist eine Vogelart aus der Familie der Ibisse und Löffler, die im südlichen, Peru, Bolivien und Ecuador in den Anden vorkommt. Die IUCN stuft die Art als potenziell gefährdet ein.
| Andenibis | ||||||||||
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Andenibis (Theristicus branickii) | ||||||||||
| Systematik | ||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||
| Theristicus branickii | ||||||||||
| von Berlepsch & Stolzmann, 1894 |
Merkmale

Mit seinen langen Beinen, dem relativ langen Hals und dem langen, nach unten gebogener Schnabel hat der Andenibis eine typische Ibis-Gestalt und ein schwarzes und gelbbraunes Gefieder. Verglichen mit dem ähnlichen Schwarzzügelibis (Theristicus melanopis), ist der Andenibis blasser, Vorderhals und Brust sind weniger ockerfarbener und der unbefiederte Bereich an der Kehle ist kleiner. Maße liegen nur für Teile des Körpers vor. Die Flügel sind 37 bis 41 Zentimeter lang, der Schwanz hat eine Länge von 20 bis 24 Zentimeter und der Schnabel ist 10,5 bis 13 Zentimeter lang. Der Schnabel ist kürzer und weniger gebogen als bei anderen Ibisarten. Seine Farbe ist bei ausgewachsenen Vögeln schwärzlich, manchmal mit einer hornfarbenen Basis und einer mattgrünen Spitze, und bei Jungvögeln schieferfarben. Bei Nestlingen und Jungvögeln ist die Iris matt bräunlich. Sie verändert im Laufe des ersten Lebensjahres zu einem wärmeren Braun. Bei adulten Vögeln ist die Iris dunkelrot. Die dreieckige Zone unbefiederter Haut rund um die Augen ist schieferfarben.[1]
Lebensraum und Lebensweise
Während der Brutzeit bewohnt der Andenibis die Puna und den Paramo in den Anden und hält sich dadurch in Höhen von 3700 bis 4500 Metern auf. Diese Lebensräume sind sanft hügelig oder mehr oder weniger eben und haben eine Durchschnittstemperatur von 6 bis 10 °C und eine Niederschlagsmenge von 3000 mm im Jahr. Sie sind mit Tussockgräsern, Schwingeln, Straußgräsern, Federgräsern, anderen Büschelgrasarten, verschiedenen Polsterpflanzen (z. B. Azorella und Distichia), krautigen Pflanzenarten (z. B. Enziane, Ferkelkräuter, Storchschnäbel oder Wegeriche) bewachsen und teilweise stark abgeweidet. An einigen tiefer gelegenen Paramo-Standorten wachsen auch Gehölze, die aber niedrig und in der Regel unterhalb einer Höhe von zwei Meter bleiben. Außerhalb der Brutzeit wandern Andenibisse auch in Tälern in der Atacama-Wüste. Dies könnte jedoch ein erst in jüngerer Zeit angenommenes Verhalten sein, verbunden mit landwirtschaftlichen Aktivitäten des Menschen in diesen Tälern. Genauere Informationen über die Ernährung des Andenibis liegen nur für Küken in Ecuador vor, die mit kleinen Säugetieren (Baumwollschwanzkaninchen) und Wirbellosen, darunter Motten, Laufkäfer, Tausendfüßer, Schnecken und Regenwürmer, gefüttert wurden. Die Nahrung wird auf dem Erdboden gesucht. Fortpflanzungsaktivitäten der Vögel wurden von Mitte November bis Anfang Mai beobachtet. Andenibisse bauen ihre Nester an Felswänden 8 bis 33 Meter über dem Erdboden. Die Nester sind flache, aus Zweigen, Stroh und anderen trockenen Pflanzenbestandteilen gebaute Plattformen. Alle bisher untersuchten Gelege enthielten zwei Eier. Sie werden ca. 27 Tage lang bebrütet. Die Dauer bis zum Flüggewerden der Jungvögel ist unbekannt.[1]
Systematik
Der Andenibis wurde 1894 durch die Ornithologen Hans Hermann Carl Ludwig von Berlepsch und Jan Sztolcman erstmals wissenschaftlich beschrieben.[2] Zeitweise galt er als konspezifisch zum Schwarzzügelibis (T. melanopis) oder als dessen Unterart, teilweise wurden auch beide Arten dem Weißhalsibis (T. caudatus) zugeordnet. Heute wird der Andenibis aufgrund eines abweichenden Gefieders und morphometrischer Unterschiede als eigenständige Art anerkannt. Dem Andenibis fehlt der schwarze Kehllappen des Schwarzzügelibis, er hat einen kürzeren Schnabel, einen längeren Schwanz und im Süden von Peru und Norden von Chile, wo beide Arten vorkommen, bleiben die Schwärme der Vögel voneinander getrennt.[1]
Gefährdung
Die IUCN schätzt den Bestand des Andenibis als potenziell gefährdet (Near Threatened) ein. Es soll 2500 bis 10.000 ausgewachsene Exemplare geben.[3]