Andrei Iwanowitsch Moissejenko
sowjetischer Zwangsarbeiter und Häftling im KZ Buchenwald
From Wikipedia, the free encyclopedia
Andrei Iwanowitsch Moissejenko (russisch Андрей Иванович Моисеенко; * 1. Mai 1926 in Budjonowka (heute Bylka), Oblast Tschernihiw) ist ein ehemaliger Zwangsarbeiter im nationalsozialistischen Deutschland aus der Sowjetunion und war Häftling im Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar. 2026 ist er einer der letzten noch Lebenden mit diesem Schicksal. Seine Geschichte wurde durch einen Dokumentarfilm aus dem Jahr 2018 bekannt, als er 92 Jahre alt war.
Leben
Andrei Moissejenko wuchs in einem Dorf in der nördlichen Ukraine, nahe des heutigen Belarus (Rajon Homel), auf. Seine Mutter starb am Typhus, als er sechs Jahre alt war. Der Vater heiratete wieder, und die Stiefmutter brachte zwei weitere Kinder in die Familie mit. Nach Beginn des Überfalls auf die Sowjetunion (1941) fiel sein Vater im Krieg, und auch die Mutter starb im Kriegsgeschehen. Der 15-Jährige, als ältester von fünf Waisen, wurde 1942 beim Betteln nach Lebensmitteln in den umliegenden Dörfern von der örtlichen Polizei aufgegriffen und zur Zwangsarbeit nach Leipzig geschickt. Später wurde er des Widerstandskampfes beschuldigt. Er kam 1944 in das Konzentrationslager Buchenwald, wo der die Befreiung durch die US-Armee erlebte.
Nach dem Krieg ließ er sich in Minsk nieder. Er diente sechs Jahre in der Sowjetarmee, holte den Schulabschluss nach, studierte und arbeitete bis zur Rente in einem Planungsbüro. Im Alter nahm er mehrmals an den alljährlichen Traditionstreffen der Überlebenden des KZ Buchenwald teil. Er ist Ehrenbürger der Stadt Weimar.
Dokumentarfilm
Der Deutsche Hannes Farlock drehte vor dem 90. Geburtstag von Andrei Moissejenko den 70 Minuten langen biografischen Dokumentarfilm Ja, Andrei Iwanowitsch[1], der im Oktober 2018 auf dem Orlando Film Festival in den USA seine Weltpremiere erlebte[2] und den er nach 2020 noch um eine Aktualisierung aus den späteren Lebensjahren von Andrei Moissejenko erweiterte. Im April 2026 ging der Filmemacher auf eine Vorführreise durch eine Reihe von ostdeutschen Städten.[3] Diese fand am 1. Mai 2026 im Nationaltheater Weimar in einer Festveranstaltung zum 100. Geburtstag von Andrei Moissejenko ihren Abschluss.[4][5]
Literatur (Auswahl)
- 2026: Thomas Radlmaier: "Ich liebe dich, Leben". in: Süddeutsche Zeitung Nr. 99 (2026) vom 30. April/1. Mai 2026: S. 12