Anika Nilles

deutsche Schlagzeugerin, Komponistin, Solo-Musikerin, and Musik-Dozentin From Wikipedia, the free encyclopedia

Anika Nilles (* 29. Mai 1983 in Aschaffenburg) ist eine deutsche Schlagzeugerin, Komponistin, Solo-Musikerin und Musik-Dozentin. Ihre Karriere begann während der frühen 2010er-Jahre auf YouTube.

Anika Nilles (2017)

Ihre Musik-Veröffentlichungen umfassen bislang vier Alben und mehrere Singles, die alle mit ihrer Band Nevell eingespielt wurden.

Leben

Nilles lebt in Mannheim. Sie kommt aus einer musikalischen Familie. Geprägt von ihrem Vater, selbst Schlagzeuger, begann Nilles im Alter von sechs Jahren Schlagzeug zu spielen.[1] In ihrer Familie gab es mehrere Schlagzeuger.[2] Ihr Vater habe ihr die ersten Grooves beigebracht, als er merkte, dass sie Interesse am Schlagzeugspielen habe.[1]

Nach dem Schulabschluss absolvierte Nilles eine Ausbildung zur Erzieherin und leitete danach eine Kindertagesstätte. Im Alter von 26 Jahren bestand sie die Aufnahmeprüfung für Schlagzeug an der Popakademie Baden-Württemberg und schloss diese 2013 mit Bestnote ab.[3]

Karriere

Die Videos zu ihren Solostücken „Wild Boy“ (2013) und „Alter Ego“ (2014) wurden zusammen mehr als 6,5 Millionen Mal abgerufen. Seitdem ist sie von Europa über Asien bis Nordamerika als Musikerin, Komponistin und Dozentin tätig. 2022 wurde sie schließlich von dem mittlerweile verstorbenen Gitarristen Jeff Beck in seine Tour-Band geholt. Sie spielte auf seiner letzten Tour in Europa und den USA.

Für ihre Videos und eigene Musik, die sich zwischen urbanen Jazz, Funk und progressiven Elementen bewegt, kooperiert sie mit dem Produzenten und Gitarristen Joachim Schneiss. Im Jahr 2017 veröffentlichte Nilles ihr Debütalbum Pikalar. Es enthält 10 instrumentale Tracks. Zur Promotion des Albums erschien Nilles auf dem Cover der Juni-Ausgabe 2017 des Modern Drummer Magazine und wurde hierfür auch interviewt. Im Interview gab Nilles an, der Titel „Pikalar“ stehe für Dinge im Leben, die man nicht erklären kann.

Im Oktober 2018 folgte eine Drum-Clinic-Tour (Konzerte mit „Sprechstunde“, d. h. Austausch mit den Zuhörern[4]) mit sechs Terminen in den Vereinigten Staaten. Dort trat sie in Veranstaltungsstätten wie dem Chicago Music Exchange, dem Sweetwater Sound in Fort Wayne, Indiana[5] und den Salt City Drums in Salt Lake City (Utah) auf.[6] Ihr zweites Album folgte in Zusammenarbeit mit ihrer Band "Nevell" unter dem Titel For A Colorful Soul und wurde im Jahr 2020 veröffentlicht. Es erreichte Platz 3 der US-amerikanischen iTunes-Top40-Jazzcharts sowie Platz 3 in Deutschland.[7] 2021 folgte eine EP unter dem Titel Opuntia. Für dieses Album hat Nilles den Namen eines Kaktus ausgewählt. Die Musikerin verarbeitet darin die Zeit der Pandemie und bezieht sich dabei auf das Beispiel einer Pflanze, die längere Zeit ohne Wasser auskommen muss. Seit 2021 ist sie außerdem Leiterin der Schlagzeug-Abteilung der Popakademie Baden-Württemberg.[8] 2022 tourte sie mit dem Trio von Jeff Beck.[9]

2026 wird Anika Nilles bei der Comeback-Tournee „Fifty Something Tour“[10] der kanadischen Band Rush am Schlagzeug sitzen.[11] Damit wird sie den ehemaligen Drummer der Band, Neil Peart, ersetzen, der am 7. Januar 2020 an einem Gehirntumor verstarb. Die Popakademie-Dozentin[12] spielt zusammen mit Geddy Lee und Alex Lifeson bei über 40 Konzerten eine Nordamerika-Tour, die am 7. Juni 2026 im Kia Forum in Los Angeles beginnen wird.[13]

Einflüsse

Interview im Drummer’s Review auf Englisch im September 2022 mit der Frage, wer ihre Schlagzeug-Helden sind:[14]Jeff Porcaro hatte einen enormen Einfluss auf mich gehabt, nun ja, Toto insgesamt und ganz sicher sein Spiel, das ich sehr gut finde. Ich liebe auch John ‚JR‘ Robinson, der auf so vielen fantastischen Alben mit so vielen Künstlern gespielt hat. Als ich zehn oder elf war, hatte ich meine erste Drum-Clinic gesehen, und das war mit JR. Er war eine ausgesprochen große Inspiration für mich. Ein weiterer Musiker, den ich wirklich verehre, ist Adam Deitch, der im Hip-Hop-Drumming eine große Nummer ist...“[14]

Auszeichnungen

Nilles wurde zweimal als „No.1 Rising Star“ im Magazin Drum! gewählt, zum ersten Mal 2015,[15] das zweite Mal im folgenden Jahr.[16] Die Abstimmung „Modern Drummer Readers Poll“ als „Up And Coming Artist“ gewann sie im Jahr 2016.[17] Bei den Drummy Awards wurde sie als „No. 2 Best Fusion Drummer“ im DRUM! und als „No.3 best educator“ bei den Drummie Awards im Jahr 2017 gekürt.[18] Im Jahr 2018 wurde sie als No.1 „Best clinician“ durch MusicRadar[19] und als No.3 im Jahr 2019 gewählt.[20]

Equipment

Nilles ist Endorserin für Meinl Cymbals,[21] Tama Drums und Evans Drumheads.[22] Meinl veröffentlichte ein maßgeschneidertes 18" Artist Concept Model Deep-Hats-Becken, das Nilles entwickelte.[23] Sie verwendet außerdem Promark-Sticks und ehemals Mapex-Drums, Sabian-Becken und VicFirth-Sticks.[24]

Technik und Stil

Nilles ist bekannt für ihr polyrhythmisches Spiel mit beispielsweise Quintolen und Sextolen über 44-Backbeats.[25]

Sie beschrieb ihren Schlagzeugstil als "fett, dunkel, wuchtig".[26]

Preise und Auszeichnungen

Weitere Informationen Jahr, Wettbewerb ...
Jahr Wettbewerb Preis
2015 Drummie Awards Rising Star[27]
2016 Drummie Awards Rising Star[28]
2016 Modern Drummer Readers Poll Up And Coming Artist[29]
2017 DRUM! #2 Best Fusion Drummer[18]
2017 Drummie Awards #3 Best Educator[18]
2018 MusicRadar Awards #1 Best Clinician[30]
2019 MusicRadar Awards #3 Best Clinician[31]
2022 Music Radar Awards #2 Best Prog Drummer
2022 Drumeo Awards #1 Best contemporary Drummer
2023 Drumeo Awards #1 Best contemporary Drummer
Schließen

Weiterhin war Nilles 2023 für den Deutschen Jazzpreis in der Kategorie Schlagzeug/Perkussion nominiert.[32]

Diskografie (Auswahl)

Alben

  • Pikalar (Sakurai Records, Album, 2017)
  • For a Colorful Soul (Sakurai Records, Album, 2020)
  • Opuntia (Sakurai Records, Album, 2022)
  • False Truth (Sakurai Records, Album, 2025)[33]
als Begleitmusikerin
  • Tea with Friends Gerhard Daum feat. Anika Nilles
  • A Longing from Home (2024) Nick Fletcher

Singles

  • Chary Life (Sakurai Records, Single, 2014)
  • Synergy (Sakurai Records, Single, 2015)
  • Florida (Sakurai Records, Single, 2021)
Kollaborationen
  • Tea with Friends Gerhard Daum feat. Anika Nilles
  • Cosmic Fusion Gerhard Daum feat. Anika Nilles
  • Snow Strom (2020) Eugene Goh feat. Anika Nilles
  • Foxy Fusion (2021) Foxy Fusion feat. Anika Nilles
  • The Moment (2022) Raphael Schneider feat. Anika Nilles
  • Fatal Temptation (2024) Gerhard Daum feat. Anika Nilles
  • Wizard of Oz (2024) Anika Nilles feat. Cherry Morata, Enzo De Rosa, Tony Levin
  • Looking Up (2025) Gerhard Daum feat. Anika Nilles
  • Smooth Chemistry (2025) Gerhard Daum feat. Anika Nilles
  • Feels Good (2026) Gerhard Daum feat. Anika Nilles

Werke

Literatur

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI