Anna Bohlin
schwedische Übersetzerin
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Anna Mathilda Bohlin (* 30. Mai 1901 in Falun, Dalarnas län, Schweden; † 20. August 1992 in Lund) war eine schwedische Übersetzerin und Aktivistin.

Familie
Anna Bohlin war eine Tochter des Pädagogen Enar Sahlin (1862–1950) und seiner Ehefrau Rigmor Nettelbladt. Ihre jüngere Schwester Margit Sahlin (1914–2003) war eine der ersten Theologinnen in Schweden.
Aus der Ehe mit Torsten Bohlin hatte sie sechs Kinder, darunter den Musikwissenschaftler Folke Bohlin (* 1931).[1]
Leben
Anna Sahlin wuchs ab 1907 in Stockholm auf, wo sie die Anna Sandströms skola besuchte und 1919 das Abitur ablegte.[2] Anschließend hielt sie sich längere Zeit in Paris und Wien, kürzere Zeit auch in England auf, um ihre Sprachkenntnisse zu vertiefen. Ab 1922 studierte sie an der Universität Uppsala Romanistik, Anglistik und Germanistik. Dort engagierte sie sich sowohl im Verein der Studentinnen als auch in der örtlichen Gruppe des Christlichen Studenten-Weltbundes. Schon 1923 legte sie das Magisterexamen und heiratete Ende des Jahres Torsten Bohlin, damals Dozent für Theologie an der Universität. 1925 zog das Paar nach Turku, Finnland, wo Torsten Bohlin an der Åbo Akademi eine Professur antrat. 1930 in gleicher Funktion nach Uppsala zurückgekehrt, wurde er 1935 zum Bischof nach Härnösand berufen.
Anna Bohlin unterstützte die Arbeit ihres Mannes, insbesondere im Bistum Härnösand, wo sie eine Frauenvereinigung gründete und leitete. Sie legte aber immer auch Wert auf eine selbständige Berufstätigkeit. Da sie als junge Mutter nur schwer außerhalb des Hauses arbeiten konnte, betätigte sie sich ab 1924 als Übersetzerin.
Nach dem Tod ihres Mannes 1950 arbeitete sie als Lehrerin an verschiedenen Orten in Schweden. Nach der Pensionierung 1966 zog sie nach Uppsala und widmete ihrer ehrenamtlichen Arbeit, die sie schon als Ehefrau begonnen hate, noch mehr Zeit. Sie war aktives Mitglied in zahlreichen Organisationen, vor allem in solchen zur Aktivierung von Frauen. So engagierte sie sich z. B. im Fredrika-Bremer-Förbundet und im Sveriges Husmodersföreningars Riksförbund (heute Riksförbundet Hem och Samhälle). In dem Frauenverein zur Förderung der Enthaltsamkeit Vita Bandet war sie von 1955 bis 1969 Vorsitzende auf Reichsebene. Daneben interessierte sie sich für Flüchtlingshilfe und Menschenrechte und unterstützte das Rote Kreuz, Amnesty International und die Women’s International League for Peace and Freedom. Als Prädikantin hielt sie Gottesdienste im Ulleråkers sjukhus, der größten psychiatrischen Klinik Schwedens.

1981 zog Bohlin nach Lund und baute dort im Rahmen der Medborgarskolan ein Seniorenstudium auf. Nach ihrem Tod wurde sie an der Seite ihres Mannes auf dem Alten Friedhof Uppsala bestattet.
Übersetzerisches Werk
Bohlins erste veröffentlichte Übersetzung war 1924 Die Wahrheit des Christusglaubens von Carl Stange. Es folgte 1925 Bernard Bouviers Biografie des Schweizer Philosophen Henri-Frédéric Amiel. Auch die weiteren Übersetzungen sind meist aus den Bereichen Philosophie, Theologie (u. a. von Gerhard Kittel und William Temple) und Psychologie (u. a. Paul Tournier und Jan Hendrik van den Berg). Mit ihrem Mann gab sie eine kommentierte Auswahl aus Kierkegaards Tagebüchern heraus, dazu übersetzte sie sein Til Selvprøvelse und eine Auswahl von François Fénelons Schriften. Nur drei Romane bilden eine Ausnahme in ihrem Werk, darunter Nathanael Wests Miss Lonelyhearts, das sie 1955 unter dem Pseudonym Anna Rapp veröffentlichte. Die letzte Übersetzung war Jürgen Moltmanns Predigtsammlung Die Sprache der Befreiung (1978, Original 1972).
Weblinks
- Anna Bohlin, Harald Bohlin: Anna Matilda Bohlin. In: Svenskt kvinnobiografiskt lexikon
- Erland Bohlin, Harald Bohlin: Anna Bohlin, 1901–1992. In: Svenskt översättarlexikon (mit vollständiger Bibliografie der Übersetzungen)
- private Website mit zahlreichen Dokumenten aus Anna Bohlins Leben