Anna Koldings

Opfer der Hexenverfolgung in Dänemark From Wikipedia, the free encyclopedia

Anna Koldings, auch Anne, Ane oder Kolding, († Juni 1590) war ein Opfer der Hexenverfolgung in Dänemark. Sie war die Hauptangeklagte der Hexenprozesse, die im Sommer 1590 in Kopenhagen stattfanden.

Vorgeschichte

Im Winter 1589 reiste Prinzessin Anna von Dänemark nach Schottland, um König Jakob VI. von Schottland zu heiraten. Auf dem Weg über die Nordsee geriet das Schiff in einen schweren Sturm und entging nur knapp dem Untergang. Deshalb steuerte das Schiff Oslo in Norwegen an, wo später der schottische König eintraf und die Hochzeit gefeiert wurde.[1]

Die Behörden untersuchten nun, wer für das Beinaheunglück verantwortlich war. Admiral Peder Munk beschuldigte den Finanzminister Christoffer Valkendorff, die Schiffe für einen Sturm ungenügend ausgerüstet zu haben.[2]

Valkendorfs Verteidigung bestand in der Behauptung, der Sturm sei von Hexen hervorgerufen worden. Sie hätten sich im Haus von Karen Væver versammelt und kleine Teufel heraufbeschworen. Diese seien den Schiffen in leeren Bierfässern gefolgt und hätten sich an den Kiel gehängt. Karen Væver wurde im Juli 1590 verhaftet und gestand, dass sie zusammen mit anderen Hexen den Sturm verursacht hatte. Sie nannte Namen angeblicher Mittäterinnen, darunter Anna Koldings.[2]

Prozess

Anna Koldings, die den abwertenden Beinamen „Teufelsmutter“ trug, wurde im Mai 1590 wegen angeblicher Hexerei zum Tod verurteilt.[2] Sie wartete im Gefängnis Gråbrødretorv auf ihre Hinrichtung.[3]

Der beschuldigte Finanzminister Valkendorff brachte einen Stadtvogt dazu,[4][5] einen Tag vor Koldings geplanter Hinrichtung zu veranlassen, dass sie im Gefängnis von drei Geistlichen verhört wurde. Dieses Vorgehen stand im Widerspruch zu der Vorschrift, dass Verhöre im Rathaus stattfinden müssen. Nach dem Verhör wurde Koldings von drei Frauen besucht, die ihr angeblich Trost spenden sollten. So wurde unmittelbar vor der Hinrichtung eine Aussage gewonnen, die aufgrund der Nähe des Todes als besonders glaubwürdig galt. Nach den Verhören setzte sich die Ansicht durch, dass die heftigen Stürme durch Zauberei oder Hexerei verursacht worden waren. Da selbst die Flotte des Königs dem Teufel nicht trotzen konnte, wurden Valkendorff und Munk auf diese Weise entlastet.[3][4]

Anna Koldings wurde am 15. oder 17. Juni 1590 in Kopenhagen wegen angeblicher Zauberei auf dem Scheiterhaufen verbrannt.[2]

Das unrechtmäßige Vorgehen des Stadtvogts wurde nach der Hinrichtung vor Gericht verhandelt. Vor dem König und den Ratsmitgliedern verteidigte er sich damit, dass er auf Befehl unter anderem von Valkendorf in der Absicht gehandelt habe, Koldings auf die bevorstehende Hinrichtung vorzubereiten. Laut dem Protokoll vom 5. August 1590 habe Koldings „an jenem Tag nichts von der Flotte gewusst, aber seither seien Gerüchte darüber aufgetaucht“.[3]

Folgen

Der Prozess löste eine Hexenverfolgung in Kopenhagen aus. Im Juli wurden neun Frauen und ein Mann angeklagt und verhört. Die meisten von ihnen stammten aus den unteren Gesellschaftsschichten, darunter befanden sich jedoch auch angesehenere Persönlichkeiten. Die Verfahren zogen sich über den Sommer und Herbst hin.[3]

Als König Jakob VI. von diesem Prozess erfuhr, setzte er in North Berwick ebenfalls ein Gericht ein, um diese Vorfälle zu untersuchen. Das führte zu den umfangreichen Hexenprozesse von North Berwick, in Edinburgh, Schottland, zu denen auch der Prozess von Agnes Sampson gehörte.[6][2]

Einzelnachweise

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