Anna van Hogendorp

niederländische Sozialreformerin, Feministin und Publizistin From Wikipedia, the free encyclopedia

Jkvr. Anna van Hogendorp (geboren 7. September 1841 in Den Haag; gestorben 5. März 1915 ebenda), war eine niederländische Sozialreformerin, Feministin und Publizistin. Sie benutzte die Pseudonyme Johanna und Clematis.

Anna van Hogendorp

Leben

Anna van Hogendorp wurde am 7. September 1841 in Den Haag geboren. Sie war die Tochter des Stadtrats Dirk van Hogendorp (1797–1845) und der Marianne Catherine van Hogendorp (1805–1878). Sie war das zweitjüngste von acht Kindern der Adelsfamilie. Nach dem Tod seines Bruders trug ihr Vater ab dem 7. Oktober 1838 den Titel Graf van Hogendorp. Ihre Eltern waren in der reformierten Erweckungsgemeinde Het Réveil sehr engagiert und ihre Mutter führte dieses Engagement nach dem Tod ihres Vaters, der 1845 starb, fort. Zum Zeitpunkt des Todes ihres Vaters war sie erst vier Jahre alt. Ihre Mutter gründete 1847 die Wohltätigkeitsorganisation „Freunde der Armen“, in der sich Anna van Hogendorp und ihre Schwestern über Jahre einbrachten. Sie waren auch in der Missionsarbeit und im Sonntagsschulunterricht aktiv.[1]

Eine Schule besuchte Anna van Hogendorp nicht, sie erhielt auch keine formale Bildung. Sie eignete sich ihr Wissen in religiösen, rechtlichen und intellektuellen Fragen durch die Bücher ihres Bruders und den Besuch von Vorlesungen, Kursen und Konferenzen an. Als ihr Bruder 1857 starb, schloss sie sich dem Lesekreis für Frauen von Betsy van der Hoop an, einer engen Freundin ihrer Mutter. Da Anna van Hogendorp unverheiratet blieb, lebte sie bis zu ihrem 37. Lebensjahr mit ihrer ebenfalls unverheirateten Schwester Wilhelmina im Elternhaus. Sie zogen nach dem Tod der Mutter im Jahr 1878 mit ihrer Schwester Mariane, die seit 1876 Witwe war, in ein Haus in der Alexanderstraat in Den Haag. Zusammen mit Mariane übernahm sie die Leitung des Vereins „Freunde der Armen“ und nach dem Tod von Betsy van der Hoop übernahm Anna van Hogendorp auch die Leitung des Lesevereins der Damen.[1]

Veröffentlichungen

Anna van Hagendorp veröffentlichte ab 1869 Liedtexte und kurze Texte in Almanachen. Durch die Arbeit von Ottho Gerhard Heldring, einem Anführer der Reveil-Bewegung, der sich für „gefallene Frauen“ einsetzte wurde sie 1878 zur Veröffentlichung der Essaysammlung „Het Opstandingshuis aan de Linge“ (dt. Das Auferstehungshaus an der Linge) angeregt. Zudem fertigte sie mehrere biografische Skizzen von Prinzessinnen wie Juliana zu Stolberg an. Zwischen 1878 und 1880 vollendete sie ihr dreibändiges Werk „Geloofsgetuigen. Galerij van christelijke vrouwen van de eerste eeuwen des christendoms tot op onzen tijd“ (dt. Zeuginnen des Glaubens. Galerie christlicher Frauen vom Beginn des Christentums bis zur Gegenwart).[1]

Abolitionismus

Ihr jüngerer Bruder Hendrik motivierte die Schwestern sich im Abolitionismus, dem Kampf gegen die Regulierung der Prostitution zu engagieren. Dem 1879 gegründeten „Nederlandsche Vereeniging tegen de Prostitutie“ durften Frauen nicht beitreten. Auf einer internationalen Abolitionistenkonferenz in Den Haag im Jahr 1883 lernte Anna van Hogendorp die britische Feministin Josephine Butler kennen. Gemeinsam mit ihrer Schwester Mariane gründete sie mit der Unterstützung von Butler 1884 den „Nederlandsche Vrouwenbond tot Verhooging van het Zedelijk Bewustzijn“.(dt. Niederländischer Frauenverband zur Förderung des moralischen Bewusstseins) Sie gehörte dem Vorstand des Vereins an und war Präsidentin der Ortsgruppen in Den Haag und Scheveningen. Im Jahr 1885 wurde durch sie eine Petition an das Parlament gegen den Frauen- und Mädchenhandel organisiert. Die Petition fand großen Zuspruch und wurde zahlreich unterzeichnet. Dies führte zu den ersten internationalen Verträgen gegen den Frauenhandel. In der Zeitschrift „Réveil Bouwsteenen“ veröffentlichte Van Hogendorp 1886 ihr Gedanken im Artikel „Der Staat, der Vertreter der Gerechtigkeit, darf keinen Pakt mit der Sünde eingehen“.[1]

Frauenrechte

Anna van Hogendorp setzte sich auch für die Gleichberechtigung der Geschlechter ein. Dazu suchte sie auch außerhalb ihres kirchlich, christlichen Umfelds nach Unterstützung. Sie trag 1894 als eines der ersten Mitglieder der Vereinigung für das Frauenwahlrecht bei. Im Rahmen der Nationale Tentoonstelling van Vrouwenarbeid (deutsch: Nationale Ausstellung zur Frauenarbeit) im Jahr 1898 organisierte sie einen dreitägigen Kongress „zur Förderung der öffentlichen Moral“ mit Frauen verschiedener Konfessionen, auf dem kontroverse Themen wie der Neomalthusianismus und die Mutterschaft Unverheirateter diskutiert wurden. Sie engagierte sich auch im Nationalen Frauenrat unter der Leitung von Marie Jungius, der nach der Ausstellung gegründet worden war.[1]

Historische Arbeiten

Ihre historische Forschung setzte Anna van Hogendorp um die Jahrhundertwende fort. Sie verfasste zwei Folgestudien über Juliana von Stolberg und eine Biografie von Maria II. Durch diese Veröffentlichungen erlangte sie die Mitgliedschaft in der „Maatschappij der Nederlandsche Letterkunde“ (dt. Gesellschaft für niederländische Literaturwissenschaft) im Jahr 1902 und in der „Historischen Gesellschaft“ im Jahr 1909. Gemäß ihrer Ansichten aus der Reveil-Bewegung plädierte sie 1900 für einen „christlichen Feminismus“ von „religiösen Frauen, die die Heiligkeit der Ehe hochhalten und die spezifische Unterscheidung zwischen Mann und Frau nicht aus den Augen verlieren wollen; die aber, gestützt auf die Heilige Schrift, davon überzeugt sind, dass Frauen nicht ihren rechtmäßigen Platz in unserer Gesellschaft haben“. Auch wenn sie Bedenken hatte, setzte sie sich auf einer Sitzung des Frauenrats im Jahr 1901 für das Frauenwahlrecht ein. Sie vertrat die Frauenunion im Jahr 1903 und 1904 in verschiedenen nationalen und internationalen Gremien und engagierte sich in mehreren Frauenorganisationen, die ihre Schwester Mariane gegründet hatte. Die Einrichtung eines Obdachlosenheims für Frauen und Mädchen im Rotlichtviertel von Den Haag lag ihr besonders am Herzen. Im Jahr 1907 beteiligte sie sich an der Gründung einer Beratungsstelle für alleinerziehende Mütter.[1]

Späte Jahre

Für die Gewerkschaftszeitschrift „Hulp in de Huishouding“ (dt. Hilfe im Haushalt) schrieb sie unter dem Pseudonym Clematis. Zusammen mit Cornelia van der Hart veröffentlichte sie 1913 die Schrift „Van Vrouwenleven, 1813–1913“ (dt. Aus dem Leben der Frauen, 1813–1913), welches anlässlich der Ausstellung „De vrouw 1813–1913“ erschien.

Für die Frauenunion organisierte Anna van Hogendorp eine durch ihre Einstellung zum christlichen Feminismus geprägte Kampagne für ein gesetzliches Verbot von Bordellen und Frauenhandel. Ihre feministische Einstellung brachte sie auch in Konflikte mit der Niederländischen Volkspartei (NVP). Diese weigerte sich, Frauen in den Vorstand aufzunehmen. Nachdem das Gesetz zur Bekämpfung der Unsittlichkeit 1911 beschlossen wurde, feierte die NVP dies als ihren Erfolg und drängte die Frauenunion dabei ab.

Anna van Hogendorp starb am 5. März 1915 in Den Haag. Zwei Monate zuvor hatte sie ihre letzte Veröffentlichung, „Domestic Help“ – mit den Worten „Gott segne das Haus Oranien und die Niederlande!“, abgeschlossen.

Einzelnachweise

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