Annegret Kuhn
deutsche Dermatologin und Hochschullehrerin
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Annegret Kuhn (* 12. Mai 1967 in Heidelberg) ist eine deutsche Ärztin, Wissenschaftlerin und Hochschullehrerin sowie Managerin im Gesundheitswesen. Sie übernahm leitende Funktionen, unter anderem als Ärztliche Direktorin sowie im Klinik- und Wissenschaftsmanagement. Darüber hinaus engagiert sie sich als Unternehmerin im Bereich E-Healthcare und Life Sciences.

Leben
Studium und Ausbildung
Nach dem Abitur 1986 am Kurfürst-Friedrich-Gymnasium in Heidelberg absolvierte Kuhn ein Auslandssemester an der Boston University. Von 1987 bis 1994 studierte sie Humanmedizin an der Georg-August-Universität Göttingen und an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Studienbegleitend absolvierte sie einen Klinik- und Forschungsaufenthalt an der University of California, San Francisco.
Ärztlicher und wissenschaftlicher Werdegang
Von 1994 bis 2008 war Kuhn an der Hautklinik des Universitätsklinikums Düsseldorf zunächst als Ärztin, später als Oberärztin tätig. 2001 erlangte sie die Facharztanerkennung für Dermatologie und Venerologie sowie die Laborfachkunde, 2003 die Zusatzbezeichnung Allergologie. 2009 wechselte sie als Oberärztin an die Klinik für Hautkrankheiten des Universitätsklinikums Münster.
1998 promovierte sie und habilitierte sich 2003 an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf zum Thema kutaner Lupus erythematodes. Von 2007 bis 2008 war sie außerplanmäßige Professorin an der Universität Düsseldorf. 2009 folgte die Umhabilitation an die Westfälische Wilhelms-Universität Münster, wo sie bis 2016 ebenfalls als außerplanmäßige Professorin tätig war. 2016 erhielt sie eine außerplanmäßige Professur an der Universität Mainz. 2018 erfolgte die Umhabilitation zurück an die Universität Münster, an der sie bis heute als außerplanmäßige Professorin tätig ist.
Nach der Promotion erhielt Kuhn das Lise-Meitner-Stipendium des Landes Nordrhein-Westfalen, welches sie am Institut für Zellbiologie des Zentrums für Molekularbiologie der Entzündung der Universität Münster wahrnahm. Nach der Habilitation wurde sie mit dem Heisenberg-Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert, das ihr wissenschaftliche Arbeiten am Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin in Münster sowie in der Abteilung Immungenetik am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg ermöglichte.
Am Deutschen Krebsforschungszentrum etablierte sie 2005 die Forschungsgruppe Autoimmunerkrankungen der Haut in der Abteilung Immungenetik, die sie bis 2017 leitete. Ihr wissenschaftlicher Schwerpunkt lag auf der Pathogenese des kutanen Lupus erythematodes sowie auf der Entwicklung diagnostischer und therapeutischer Verfahren.[1] Sie war Gründerin und 14 Jahre lang Vorsitzende der European Society of Cutaneous Lupus Erythematosus e. V. und initiierte sowie leitete die International Conference of Cutaneous Lupus Erythematosus. Zudem war sie an der Entwicklung deutscher und europäischer interdisziplinärer Leitlinien sowie an der Einführung von Biologicals beteiligt.[2] Zwischen 2015 und 2019 wurde sie auf der Plattform Expertscape im Bereich Cutaneous Lupus Erythematosus als international meistzitierte Wissenschaftlerin geführt.[3]
Zwischen 2005 und 2019 erhielt Kuhn mehrere Rufe auf W2-Professuren mit Leitungsfunktion an deutschen Universitäten. 2019 wurde sie an der Universität Bern für eine Professur als Direktorin eines Departments für Klinische Forschung auf Platz 2 der Berufungsliste geführt. Seit 2020 ist Kuhn Visiting Professor und Guest Researcher am Amsterdam University Medical Center sowie seit 2022 Mitglied der Universität Passau.[4]
Hochschullehre
Seit 1994 ist Kuhn in der akademischen Lehre tätig. 2003 erhielt sie die Venia Legendi für Dermatologie und Venerologie an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Nach ihren Umhabilitationen an die Universitäten Münster und Mainz war sie dort ebenfalls lehrbefugt. Seit 2018 besitzt sie erneut die Venia Legendi an der Universität Münster und ist dort in der Lehre tätig. Seit 2022 ist sie zudem Lehrbeauftragte an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Passau, wo sie das Masterprogramm Design of Innovative Strategies in Healthcare using the Lego Serious Play method entwickelte.[5]
Kuhn absolvierte hochschuldidaktische Weiterbildungen beim Deutschen Hochschulverband und wurde als Tutorin für Problemorientiertes Lernen (POL) an der Universität Münster ausgebildet. 2022 erwarb sie die Qualifikation als zertifizierte Facilitatorin der Lego Serious Play-Methode, die sie in die universitäre Lehre im Bereich Medizin einführte.
Klinik- und Wissenschaftsmanagement
Von 2011 bis 2013 absolvierte Kuhn das Weiterbildungsstudium Health Care Management mit dem Abschluss Master of Business Administration an der Universität Bayreuth.[6] Weitere Qualifikationen erwarb sie in den Bereichen Kommunikation, Rhetorik, digitales Management sowie digitale Transformation und Künstliche Intelligenz im Gesundheitswesen, unter anderem an der Harvard Medical School. 2022 erlangte sie die Zertifizierung zur Certified Healthcare Chief Information Officer (CHCIO), 2025 erfolgte die Rezertifizierung.
Von 2014 bis 2017 leitete Kuhn das Interdisziplinäre Zentrum Klinische Studien an der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.[7][8] In dieser Funktion koordinierte sie internationale klinische Studien und leitete bundesweit Weiterbildungen zur Guten Klinischen Praxis (Good Clinical Practice). Zudem war sie an der Einwerbung von Drittmitteln für die translationale Forschung beteiligt, unter anderem als Antragstellerin eines mit 5,1 Millionen Euro geförderten Projekts aus dem Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses.[9]
2017 übernahm sie am Universitätsklinikum Münster Aufbau und Leitung einer Stabsstelle des Vorstands mit dem Schwerpunkt Unternehmensentwicklung und strategische Koordination.[10] Zu ihren Aufgaben zählten die strategische Weiterentwicklung, die Struktur- und Prozessoptimierung der Krankenversorgung, der Aufbau regionaler Kooperationen zur Verbesserung der ländlichen Versorgung sowie die Stärkung der Zusammenarbeit zwischen Krankenversorgung, Forschung und Lehre gemeinsam mit der Medizinischen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. In diesen Bereichen vertrat sie auch den Ärztlichen Direktor. 2019 war sie zudem kommissarische Leiterin der Stabsstelle Zentrales Qualitäts- und Klinisches Risikomanagement.
Von 2020 bis 2021 war Kuhn Ärztliche Direktorin und Mitglied der Klinikleitung des Klinikums Passau.[11] In dieser Zeit entwickelte sie strategische und digitale Konzepte und begleitete das Klinikum während der zweiten Welle der COVID-19-Pandemie. Zudem beteiligte sie sich federführend an der Ausarbeitung von Prämissen und Machbarkeitsstudien für den Medizincampus Niederbayern zur Ausbildung von Studierenden. Anfang 2022 sprachen sich der bayerische Ministerpräsident Markus Söder und der Wissenschaftsminister Markus Blume für die Errichtung des Medizincampus Niederbayern aus.[12]
In 2022 leitete Kuhn das Team Planung Impfinfrastruktur der Task Force Impfen des Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Integration Baden-Württemberg. In dieser Funktion analysierte sie im Rahmen landesweiter Vor-Ort-Besuche die Impfstrukturen in allen 44 Stadt- und Landkreisen und erarbeitete einen wissenschaftlichen Bericht zur Corona-Impfinfrastruktur mit Empfehlungen für ein zukünftiges Landesimpfkonzept. Die daraus abgeleiteten Empfehlungen sind bereits ab April 2022 in die Weiterentwicklung des Landesimpfkonzepts eingeflossen.[13]
Seit 2022 ist Kuhn Vorsitzende des Ausschusses Parität des Deutschen Ärztinnenbundes.[14] In dieser Funktion leitete sie eine bundesweite Erhebung zum Anteil von Frauen in Vorstands- und Geschäftsführungspositionen deutscher Kliniken und veröffentlichte die Analyse gemeinsam mit Empfehlungen zur Verbesserung der Chancengleichheit.[15]
2026 war sie für sechs Wochen Medizinische Geschäftsführerin des Klinikums Bielefeld.[16]
Unternehmerische Tätigkeit
2023 erhielt Kuhn im Rahmen des Factory-Programms des Landes Salzburg eine Förderung zur Entwicklung eines Unternehmens im Bereich der interdisziplinären digitalen Gesundheitsversorgung.[17] Im November 2024 gründete sie in Salzburg eine GmbH mit dem Schwerpunkt der digitalen ambulanten Versorgung und ist seither geschäftsführende Gesellschafterin. 2025 wurde sie in den Vorstand des Palatina Business Angels Rhein-Neckar e. V. berufen, wo sie den Bereich Healthcare, Life Sciences und Female Investors verantwortet.[18]
Stipendien und Auszeichnungen (Auswahl)
- 1999–2002: Lise-Meitner-Stipendiatin des Ministeriums für Schule und Weiterbildung, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen
- 2004–2008: Heisenberg-Stipendiatin der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG)
- 2015: SkinPact Award (Leadership Community) von Galderma und The International League of Dermatological Societies[19][20]
Publikationen
Mitgliedschaften und Gremienarbeit (Auswahl)
- 2004–2018: Vorstandsvorsitzende der European Society of Cutaneous Lupus Erythematosus e. V.[21]
- seit 2008: Wissenschaftlicher Beirat der Lupus Erythematodes Selbsthilfegemeinschaft e. V.[22]
- 2015–2017: Wissenschaftlicher Beirat bei Translationale Onkologie (TRON)
- 2015–2019: Gutachterin für das Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen
- 2021–2022: Gutachterin für das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen
- 2021–2022: Wissenschaftliche Expertin in der Task Force Impfen für das Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration Baden-Württemberg[13]
- seit 2022: Vorsitzende der Ausschusses Parität des Deutschen Ärztinnenbundes e. V.[14]
- seit 2025: Vorstandsmitglied in der internationalen Gesellschaft The Academy of Responsible Excellence[23]
- seit 2025: Vorstandsmitglied der PALATINA Business Angels Rhein Neckar e.V.[18]
Weblinks
- Prof. Dr. Annegret Kuhn, MBA, ist neue Ärztliche Direktorin. In: klinikum-passau.de. Klinikum Passau, abgerufen am 30. Dezember 2025.