Anni-Albers-Schule für Mode, Medien und Gestaltung
Schule mit Berufsfachschule und Fachoberschule in Frankfurt/Main
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Die Anni-Albers-Schule für Mode, Medien und Gestaltung ist eine berufliche Schule in Frankfurt am Main im Stadtteil Bockenheim in der Hamburger Allee. Sie ist 2025 aus dem Zusammenschluss der Schule für Bekleidung und Mode sowie der Gutenbergschule entstanden.[1]

Lage
Die Anni-Albers-Schule in Frankfurt am Main liegt im Frankfurter Stadtteil Bockenheim ganz in der Nähe der Frankfurter Messe mit der Postanschrift in der Hamburger Allee. Der Gebäudeblock liegt zwischen der Hamburger Allee, der Emil-Sulzbach-Straße, der Theodor-Heuss-Allee und der Varrentrapstraße.[2]
Gebäude
Das Schulgebäude, Architekt war Magistratsbaurat Rudolf Reinicke (1870–1939), wurde von 1908 bis 1911 in Stil des Historismus errichtet. Zunächst als Mittelschule („Varrentrapp-Schule“) genutzt, die Margot Frank, Schwester von Anne Frank besuchte, wurde das Gebäude nach starken Beschädigungen im Zweiten Weltkrieg bis zum Jahr 1955 wiederaufgebaut. In den Jahren 1999 („Bismarck-Schule“) erfolgte der Umbau und von 2001 bis 2003 eine grundlegende Sanierung und Erweiterung. Danach war dort der Sitz der Werner-von-Siemens-Schule, die heute in einem Neubau im Gallusviertel untergebracht ist.[3]
Der Gebäudekomplex steht unter Denkmalschutz des Landes Hessen.[4]
Geschichte
Vorgeschichte, Berufsbildung in Frankfurt im 19. Jahrhundert
Die schulische Ausbildung für gewerbliche Ausbildungsberufe wurde in Frankfurt durch die Frankfurtische Gesellschaft zur Beförderung der nützlichen Künste und der sie veredelnden Wissenschaften, später Polytechnische Gesellschaft zu Frankfurt am Main, befördert. Sie betrieb ab dem 9. November 1817 eine Sonntagsschule, die sich speziell an Lehrlinge und Gesellen im Handwerk richtete. Zu den Lehrgeboten gehörten Rechtschreiben und Schönschrift ebenso wie Rechnen und Freihandzeichnen. Ab 1828 ergänzte eine Abendgewerbeschule und ab 1852 eine Höhere Gewerbeschule mit Tagesunterricht das schulische Angebot.[5]
Der Frankfurter Ableger des Berliner Vereins für die Vorbereitung von Volksbildung eröffnete am 14. April 1872 eine Fortbildungsschule, die sich zu einer Gewerblichen Fortbildungsschule mit staatlicher Finanzierung entwickelte. Der abendliche und sonntägliche Unterricht wurde in der alten Weißfrauenschule und im Falkenspeicher gegeben.[5]
Die Städtische gewerbliche Fortbildungsschule wurde am 15. April 1890 gegründet und umfasste fünf Bereiche. Es gab Abend- und Sonntagskurse für Lehrlinge, Gesellen und Meister sowie einen Vormittagsunterricht im Zeichnen und Malen. Drittens gab es für Bauhandwerker Tagesunterricht. Viertens gab es die Werkmeisterschule für Maschinenwesen. Das Angebot wurde durch Zeichen- und Modellierkurse für Jungen abgeschlossen. Das jährliche Schulgeld betrug 12 M für Ortsansässige und 20 M für Auswärtige.[5]
Neubau an der Hamburger Allee
Der Frankfurter Magistrat beauftragte den Direktor der gewerblichen Fortbildungsschule 1903, ein Bauprogramm für einen Gewerbeschulneubau aufzustellen. Das Baugrundstück lag in der Moltkeallee, der heutigen Hamburger Allee. Am 6. Juni 1908 feierte man den ersten Spatenstich. Die Schulgemeinschaft bezog an Ostern 1911 das neue Gebäude.[5]
Weimarer Republik
Mit der neuen Staatsform wurden neun Vollzeitschuljahre und eine Fortbildungsschulpflicht von drei Teilzeitschuljahren Pflicht. Es gab in dieser Zeit zunächst zu 11 städtische Fachschulen in Frankfurt, die statt nach Schulbezirken nunmehr nach Berufsbranchen gegliedert wurden. Auch die Duale Ausbildung aus betrieblicher und schulischer Ausbildung setzte sich durch.
Im Ostflügel des Schulgebäudes an der heutigen Varrentrapstraße wurde 1920 die Städtische Fachschule III für Buch- und Kunstgewerbe Frankfurt am Main untergebracht. Zu den Berufsgruppen in den Kunstgewerbeklassen gehören anfangs die Maler, Lackierer und Weißbinder, Modelleure, Ziseleure, Goldschmiede, Bildhauer, Stuckateure, Musterzeichner, Stickerinnen, Tapezierer, Dekorateure, Sattler, Portefeuiller (Feintäschner), Bau- und Möbelschreiner, Klavierbauer und -techniker, Wagner und Küfer, Bau-, Blank- und Kunstglaser, Glasmaler und Zahntechniker. Die Grafischen Klassen umfassen die Berufe Schriftgießer, Schriftsetzer, Buchdrucker, Buchbinder, Graphiker, Chemie-, Xylo- und Lithographen, Graveure, Autotypie- und Strichätzer, Licht- und Steindrucker, Photographen und Retuscheure sowie Förderklassen. 1926 wird die Deutsche Fachschule für Tapezierer, Polsterer und Dekorateure gegründet. Die Leitung übernahm der Direktor der Städtischen Fachschule III.[5]
Zeit des Nationalsozialismus
Nach 1933 wurde auch in Frankfurt das Bildungswesen gleichgeschaltet. Der föderale Ansatz wurde zu Gunsten der Zentralverwaltung aufgegeben und die Stadt Frankfurt schloss jüdische Schüler und Lehrer von öffentlichen Schulen aus. Der staatsbürgerliche Unterricht wurde der veränderten Weltanschauung angepasst. 1938 wurde die allgemeinen Berufsschulpflicht noch kurz vor dem 2. Weltkrieg eingeführt.[5]
Das Schulgebäude wurde bei Luftangriffen 1943 und 1944 schwer beschädigt.[5]
Ab 1945
Im Gebäude der Berufsschule III richteten die Alliierten anfangs ein Kriegsgefangenenlager ein. Berufsschulunterricht entfiel oftmals oder wurde in der benachbarten Bonifatiusschule gegeben. Mitte der 1950er Jahre war der Wiederaufbau am Standort Hamburger Allee beendet. Es gab damals ca. 2000 Schüler in 60 Klassen. 1954 wurde die Graphischen Fachschule, ab 1969 Fachschule für Technik, Fachrichtung Drucktechnik, vom Verband der grafischen Betriebe mit Unterstützung der Stadt Frankfurt gegründet. Im Jahr 1966 wurde eine Berufsfachschule für Drucktechnik und Gestaltung eingerichtet. 1968 folgte die Abteilung für Schauwerbegestaltung (ab 2004 Gestalter visuelles Marketing). Eine Fachoberschule mit den Jahrgangsstufen 11 und 12 sowie dem Schwerpunkt Gestaltung nahm den Betrieb 1976 auf.[5]
1991 protestierte die Schülerschaft im Verbund mit der Gewerkschaft gegen den schlechten Zustand des Schulgebäudes und die veraltete technische Ausrüstung. Es folgten statische Untersuchungen am Gebäude sowie Planungen für die Gutenbergschule und die Frankfurter Schule für Bekleidung und Mode. Im Jahr 1993 wurden die Bauabsichten jedoch von der Stadt aus finanziellen Gründen zurückgezogen.[5]
Im Jahr 2000 begann die 2003 abgeschlossene bauliche Sanierung des Berufsschulkomplexes Hamburger Allee mit der Gutenbergschule und der Frankfurter Schule für Bekleidung und Mode. Ab 2009 wurde die Ausbildung für Fotografie aus Darmstadt, Wiesbaden und Frankfurt an die Gutenbergschule verlegt.[5]
Mit dem Schuljahr 2025/26 wurden die Schule für Bekleidung und Mode sowie die Gutenbergschule zur Anni-Albers-Schule für Mode, Medien und Gestaltung zusammengelegt. Die Gutenbergschule war einer der Produktionsorte für den Film Verrückt nach Fixi.[6]
Namensgeberin
Die Neubenennung nach der Fusion der Schule für Bekleidung und Mode und der Gutenbergschule erfolgte zur Ehrung und Erinnerung an Anni Albers. Sie zählt zu den bedeutendsten Koryphäen sowohl im Bereich Textilkunst und Weberei als auch in der Grafik. Sie gehörte zu den Künstlern und Lehrern des Bauhauses. Nach ihrer Emigration in die USA in der Zeit des Nationalsozialismus unterrichtete sie Weberei am Black Mountain College und war als Künstlerin tätig.
Schulische Angebote
Unter dem Dach der Anni-Albers-Schule finden sich die Berufsfachschulen (BFS) für Druck- und Medientechnik, Farbtechnik und Raumgestaltung, Körperpflege, Textiltechnik und Bekleidung, Maßschneiderei sowie Bekleidungstechnik. Weiter sind die Fachoberschulen (FOS) für Gestaltung, Medienproduktionstechnik sowie Textiltechnik und Bekleidung vertreten. Es gibt Fachschulen (FS) für Bekleidungstechnik, Bekleidungsdesign, Druck- und Medientechnik sowie Werbe- und Mediendesign. Auch Bildungsgänge zur Berufsvorbereitung (BzB) und Berufsschulen für die duale Berufsausbildung werden angeboten.[1]