Anton Antweiler

deutscher römisch-katholischer Theologe, Religionsphilosoph und Religionswissenschaftler From Wikipedia, the free encyclopedia

Anton Antweiler (* 12. Oktober 1900 in Köln; † 4. Oktober 1981 in Münster) war ein deutscher römisch-katholischer Theologe, Religionsphilosoph und Religionswissenschaftler. Von 1954 bis 1967 war er ordentlicher Professor für Allgemeine Religionswissenschaft an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.

Leben

Antweiler besuchte von 1911 bis 1920 das Kaiser-Wilhelm-Gymnasium in Köln, unterbrochen durch Militärdienst von Juni bis November 1918. Ab 1920 studierte er Philosophie und Theologie an der Universität Bonn. Am 1. März 1924 wurde er dort zum Dr. phil. promoviert. 1925 empfing er in Köln die Priesterweihe. Von 1925 bis 1927 war er Gymnasiallehrer für Mathematik, Physik, Latein und Religion in Opladen. Anschließend studierte er Mathematik und Physik an der Universität Köln. Seit 1931 studierte er erneut Theologie in Bonn. Am 19. Dezember 1933 wurde er zum Dr. theol. promoviert, am 30. August 1935 habilitierte er sich an der Universität Bonn.[1]

1936 wurde Antweiler eine beantragte Dozentur in Braunsberg ohne Angabe von Gründen verweigert. Seine Predigten wurden in den Jahren 1933 bis 1938 durch die nationalsozialistische Zensur verboten. Im Zusammenhang mit den sogenannten Sittlichkeitsprozessen gegen Ordensangehörige und Priester im Nationalsozialismus wurde Antweiler des Meineids verdächtigt, am 12. Juni 1937 wurde seine Wohnung von der Gestapo durchsucht. 1941 erhielt er eine Geldstrafe wegen Buchveröffentlichungen, die er ohne Mitgliedschaft in der Reichsschrifttumskammer herausgebracht hatte.[1]

Am 20. Juli 1946 legte Antweiler das Staatsexamen für katholische Religion, Philosophie und Mathematik ab. Am 27. Januar 1950 wurde er an der Universität Bonn zum außerordentlichen Professor ernannt. 1953 erhielt er einen Ruf nach Eichstätt und wirkte dort zwei Semester als ordentlicher Professor für Philosophie.[1]

1954 wurde Antweiler nach Münster berufen, nachdem Bernhard Welte einen Ruf auf den dortigen Lehrstuhl abgelehnt hatte. Am 24. September 1954 ernannte ihn der Kultusminister des Landes Nordrhein-Westfalen zum ordentlichen Professor für Allgemeine Religionswissenschaft an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Zugleich wurde er Direktor der Abteilung für Allgemeine Religionswissenschaften am Katholisch-Theologischen Seminar. Im Wintersemester 1956/57 war er Dekan. 1967 wurde Antweiler emeritiert, lehrte aber weiterhin.[1]

Antweiler starb am 4. Oktober 1981 in Münster. Ein Requiem für ihn fand am 27. Oktober 1981 in der Dominikanerkirche in Münster statt.[1]

Wirken

Antweiler lehrte in Münster Religionsphilosophie, Religionsgeschichte und Religionswissenschaft. Daneben unternahm er Forschungsreisen nach Japan und Indien, da ihn die dortige Religionsvielfalt interessierte. Seine Forschungsschwerpunkte betrafen das Verhältnis von Theologie und Philosophie zu den Naturwissenschaften, Priesterausbildung, Seelsorge, Kirchenleben, Glaubens- und Sittenlehre, den Dialog zwischen den Religionen, Entwicklungshilfe, die sogenannten Weltreligionen und die Zukunft der Religion.[1]

Unter Antweiler profilierte sich die Religionswissenschaft an der Katholisch-Theologischen Fakultät in Münster als religionsphänomenologisch ausgerichtetes Fach. 1960 beantragte Antweiler, seine Einrichtung im Vorlesungsverzeichnis als „religionswissenschaftliches Seminar und religionsgeschichtliche Sammlung“ zu bezeichnen. 1965 erschien die „Allgemeine Religionswissenschaft“ erstmals als eigene Rubrik im Vorlesungsverzeichnis der Katholisch-Theologischen Fakultät.[1]

Antweiler publizierte im Lexikon für Theologie und Kirche und in Zeitschriften wie Religion und Theologie, Theologie und Glaube, der Theologischen Revue und der Freiburger Zeitschrift für Philosophie und Theologie. Er betreute außerdem den religionswissenschaftlichen Teil der Zeitschrift für Missionswissenschaft und Religionswissenschaft, auch noch nach seiner Emeritierung.[1]

Besondere Aufmerksamkeit fand Antweilers Stellungnahme zum Pflichtzölibat der Weltpriester. Mit dem Aufsatz Zur Problematik des Pflichtzölibats der Weltpriester von 1968 und weiteren Publikationen setzte er sich für eine Veränderung des Pflichtzölibats ein. Seine Kritik an Positionen Joseph Kardinal Höffners führte zu einem öffentlich wahrgenommenen „Zölibatsstreit“.[1]

Schriften (Auswahl)

  • Petrus de Villemandy. Ein Beitrag zur Theorie und Geschichte des Cartesianismus. Bonn 1924.
  • Vom Priestertum. Essen 1932, OCLC 251275392.
  • Unseres Königs Kreuzweg. Essen 1933, OCLC 251275384.
  • Unendlich. Eine Untersuchung zur metaphysischen Wesenheit Gottes auf Grund der Mathematik, Philosophie, Theologie. Freiburg im Breisgau 1934, OCLC 3266101.
  • Der Begriff der Wissenschaft bei Aristoteles im Hinblick auf die neusten Aristotelesforschungen quellenmässig dargestellt. Bonn 1936, OCLC 251276065.
  • Grossstadt für Christus. München 1937.
  • Unser Glaube. Christliche Wirklichkeit in der heutigen Welt. München 1938.
  • Weg zum Glauben. Zur religiösen Unterweisung für Eltern, Erzieher und Seelsorger. Köln 1940.
  • Die Verantwortung der Erkenntnis. Bonn 1954.
  • Das Problem der Willensfreiheit. Freiburg im Breisgau 1955.
  • Philosophie als Durchdringung und Grundlegung des Unterrichts. Frankfurt am Main 1957.
  • The concept of religion. In: Proceedings of the IXth international congress for history of religions. Tokyo 1960, S. 481–486.
  • Die Anfangslosigkeit der Welt nach Thomas von Aquin und Kant. Trier 1961.
  • Religion als Spiel. In: Numen. Band 8, 1961, S. 199–235.
  • Entwicklungshilfe. Versuch einer Theorie. Trier 1962.
  • Die Universitaet. Ihre Freiheit und Verantwortung. Münster 1963.
  • Religionswissenschaft. In: Zeitschrift für Missionswissenschaft und Religionswissenschaft. Band 48, 1964, S. 271–284.
  • Die religionsgeschichtliche Sammlung an der Kath.-theologischen Fakultät der Universität Münster. In: Jahresschrift 1964 der Gesellschaft zur Förderung der Westfälischen Wilhelms-Universität. Münster 1965, S. 41–61.
  • Der Priester heute und morgen. Erwägungen zum Zweiten Vatikanischen Konzil. Münster 1967.
  • Zur Problematik des Pflichtzölibats der Weltpriester. Kritische Erwägungen zur Enzyklika Papst Pauls VI. über den priesterlichen Zölibat. Münster 1968.
  • Zölibat. Ursprung und Geltung. München 1969.
  • Ehe und Geburtenregelung. Münster 1969.
  • Stimmen zum Pflichtzölibat. Münster 1969.
  • Wider die Thesen zum Pflichtzölibat. Nürnberg 1970.
  • Mensch-sein ohne Religion? Münster 1977.
  • Das Neue Testament und die Zukunft des Menschen. Witten 1978.
  • Hitler. Geroldsberg 1978.

Literatur

  • Adel Theodor Khoury, Margot Wiegels (Hrsg.): Weg in die Zukunft. Festschrift für Anton Antweiler zu seinem 75. Geburtstag. Leiden 1975, OCLC 174170329.
  • Eduard Hegel: Geschichte der Katholisch-Theologischen Fakultät Münster 1773–1964. Band 2, Münster 1971.
  • Martin Radermacher, Judith Stander: Anton Antweiler. Philosophie, „Religionen des Ostens“ und die Zölibatsfrage (1954–1967). In: Martin Radermacher, Judith Stander (Hrsg.): 100 Jahre Religionswissenschaft an der Katholisch-Theologischen Fakultät und 10 Jahre religionswissenschaftliche Studiengänge an der Universität Münster. Festschrift zum Doppeljubiläum. Münster 2012, S. 51–60 (Digitalisat).
  • Patrick Felix Krüger, Martin Radermacher: Der Blick auf „das Fremde“. Anton Antweiler und die religionskundliche Sammlung der WWU Münster. In: Zeitschrift für Missionswissenschaft und Religionswissenschaft. Band 104, 2020, S. 84–97 (doi:10.71517/zmr.v104i1/2.24541).

Einzelnachweise

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