Anton Zita

österreichischer SS-Oberscharführer und Mitarbeiter der Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Wien. From Wikipedia, the free encyclopedia

Anton Zita (* 28. April 1909 in Göllersdorf; † 26. Juni 1946 im Gefängnis Prag-Pankrác) war ein österreichischer SS-Oberscharführer und Mitarbeiter der Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Wien. Er beteiligte sich an den Deportationen aus Thessaloniki und Frankreich und stand dem „Umschulungslager“ Sandhof als Lagerführer vor.[1]

Leben

Anton Zita wuchs nahe Hollabrunn im Weinviertel als eines von vier Kindern auf. Sein Vater war Schuhmacher und Kriegsinvalide. Zita trat bereits als Kind in den Deutschen Turnerbund ein und übte sich als Jugendlicher im paramilitärischen Wehrturnen. Nach Absolvierung einer zweijährigen Gewerbeschule als Tischler war Zita für ein Jahr als Geselle beschäftigt, anschließend zwei Jahre arbeitslos.

Seine Freundin Anna Smrt, Tochter eines Ziegelarbeiters aus Siebenhirten, gebar 1928 mit knapp 17 Jahren eine Tochter. Das Paar heiratete und übersiedelte nach Wien-Meidling, wo 1930 eine zweite Tochter zur Welt kam. Zita arbeitete als Haustischler in der Zentrale der Vereinigten Putzereien und Färbereien Haas & Sickenberg. In einer Firmenniederlassung in Wien-Meidling war er zudem als Hausbesorger beschäftigt. Seine Freizeit verbrachte er im deutschnationalen Meidlinger Turnerbund.

Mitte 1934 trat Zita der illegalen NSDAP bei, zum 1. Mai 1938 trat er der Partei regulär bei (Mitgliedsnummer 6.307.528).[2] 1936 wurde er in die SS-Standarte 11 aufgenommen. Wegen neuerlicher Arbeitslosigkeit bemühte sich Zita gleich nach dem „Anschluss Österreichs“ an NS-Deutschland im März 1938 um eine Anstellung im öffentlichen Dienst und wurde schließlich SS-Wachmann in der Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Wien. Zu seinen Hauptaufgaben zählte die Regelung des Parteienverkehrs. Täglich wurden hunderte Menschen durch die einzelnen Abteilungen im ehemaligen Palais Albert Rothschild geschleust. Im Herbst 1939 war Zita Mitglied der SS-Delegation nach Nisko am San. Dorthin gingen im Oktober 1939 die ersten Deportationen aus Wien. Dank seines beruflichen Aufstiegs erhielt Zita 1939 eine Wohnung in Wien-Leopoldstadt, 1942 in Wien-Währing.

1940 bis 1941 stand er dem „Umschulungslager“ Sandhof als Lagerführer vor. Angeblich wurden in dem Lager vorbereitende Maßnahmen für die „Auswanderung“ von Juden getroffen. Tatsächlich handelte es sich um ein NS-Zwangsarbeitslager, in dem die im Land verbliebenen jüdischen Arbeitskräfte, abgeschottet von der Gesellschaft, zur Zwangsarbeit verpflichtet wurden. Zita kehrte nach Wien zurück und übernahm hier die Leitung des Sammellagers in der Kleinen Sperlgasse, wo Transporte für die Deportationen aus Wien zusammengestellt wurden. Zita gehörte damit zum Schlüsselpersonal der Zentralstelle für jüdische Auswanderung Wien und zu den Haupttätern in den Sammellagern.[3]

Anschließend wurde Zita in Prag stationiert. 1942 gehörte er dem Sonderkommando Wisliceny an und beteiligte sich unter der Leitung von Alois Brunner („Brunner I“) an der Beraubung und Deportation von Juden aus Thessaloniki, 1944 an Deportationen aus Frankreich. Im Herbst 1944 kehrte er zum Auswanderungsfonds für Böhmen und Mähren zurück.[1]

Nach 1945

Von seinem letzten Einsatzort Prag setzte sich Zita im Mai 1945 in Richtung Österreich ab. Nach seiner Verhaftung wurde er an die Tschechoslowakei ausgeliefert, wo er als Kriegsverbrecher mit der Todesstrafe zu rechnen hatte. Einem Urteil entzog er sich durch Suizid.

Einzelnachweise

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