Apoptose (Band)

deutsches Musikprojekt aus dem Bereich Dark Ambient und Ritual Ambient From Wikipedia, the free encyclopedia

Apoptose ist ein deutsches Musikprojekt aus dem Bereich Dark Ambient und Ritual Ambient. Es wurde in den 1990er-Jahren von dem Musiker Rüdiger Apoptose gegründet. Das Projekt tritt überwiegend als Soloprojekt in Erscheinung und arbeitet gelegentlich mit Sängerinnen und Sängern zusammen.

Schnelle Fakten Allgemeine Informationen, Herkunft ...
Apoptose
Rüdiger Apoptose (2016)

Rüdiger Apoptose (2016)

Allgemeine Informationen
Herkunft Frankfurt a. M., Deutschland
Genre(s) Dark Ambient, Ritual Ambient
Aktive Jahre ab 1997
Auflösung
Website www.apoptose.net
Aktuelle Besetzung
Keyboard, Samples, Stimme
Rüdiger Apoptose
Gesang live
Silke Apoptose
Gesang live
Amélie Ostara
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Stil

Apoptose wird meist dem Dark Ambient und Ritual Ambient zugeordnet. Charakteristisch sind atmosphärische Klangflächen, der Einsatz von Field Recordings sowie eine konzeptuelle Ausrichtung der Veröffentlichungen. Das Projekt wird regelmäßig im Umfeld der europäischen Post-Industrial- und Dark-Ambient-Szene rezipiert.

Bandname

Angesprochen auf die Person hinter den Musikprojekt und die Bedeutung des Bandnamens erklärte Rüdiger in einem Interview im Jahre 2000: «Musikalisch gesehen ist Apoptose im Moment ein Einmann-Unternehmen, das kann sich allerdings in Zukunft ändern, wenn es die Musik voran bringt. Ansonsten möchte ich die Person hinter Apoptose nicht weiter in den Vordergrund rücken. [...] Apoptose ist die Bezeichnung eines physiologischen Vorgangs, des programmierten Zelltods. Jede Zelle enthält eine Art „Selbstmord-Programm“, das u. a. aktiv wird, wenn die Zelle irreparabel geschädigt ist. Sie stirbt dann ab, um nicht die Funktion des Gesamtorganismus zu gefährden. Verminderte Apoptose kann zum Auftreten von Autoimmun- und Tumorerkrankungen führen. Ich habe diesen Namen gewählt, weil ich diesen physiologischen Vorgang bemerkenswert finde und weil er für mich das Werden und Vergehen in der gesamten Natur versinnbildlicht. Aus diesem Zyklus entspringt alles Leben und jeder Fortschritt im Großen wie im Kleinen. Wer offenen Auges durchs Leben geht, findet ihn auch im Wechsel der Mondphasen oder der Jahreszeiten wieder.»[1] In einem anderen Interview ergänzt er: «Darüber hinaus bedeutet die wörtliche Übersetzung des griechischen Wortes „Apoptosis“ so viel wie „fallende Blätter“. Jeder, der schon einmal ein Apoptose-Stück gehört hat, wird zustimmen können, dass dieses Bild sehr gut zur Musik passt.»[2]

Geschichte

Ab 1997 arbeitete Rüdiger erstmals an Musik. Als Instrumentarium nutzte er zu Beginn einen tragbaren DAT-Recorder, um Field Recordings aufzunehmen, die die Grundlage fast aller Sounds und Melodien bildeten. Diese wurden zur weiteren Bearbeitung in einen Sampler übertragen. Später verlagerte er die Sample-Bearbeitung in einen Computer.[3]

1999 entstanden die ersten Aufnahmen für das Debütalbum Nordland, das im Jahr 2000 über das deutsche Label Tesco Organisation erschien. Es geht darin um die dunkle Seite des menschlichen Bewusstseins, wie Rüdiger in einem frühen Interview erklärt.[4] In Rezensionen wurde das Album als atmosphärisch dichtes Dark-Ambient-Werk beschrieben, das sich thematisch an nordischen Landschaftsbildern orientiert.[5] Eine Albumkritik beschrieb dies so: «Einen absoluten Höhepunkt in dieser Hinsicht stellt das Album Nordland der bis dato gänzlich unbekannten Formation Apoptose dar. Apoptoses Klanglandschaften sind tiefmagisch, von orchestraler Schönheit und von zaubrischem Dunkelgrün durchzogen. Nordland ist ein Manifest der kalten Schönheit und das beste Zeugnis, das Apoptose je als Debüt vorlegen konnte.»[6]

Konzert mit dem «Fanfarenzug Leipzig» beim Wave-Gotik-Treffen, Leipzig 2006

Auf dem zweiten Album Blutopfer (2002) setzte Apoptose den Schwerpunkt auf ritualhafte Strukturen. Im Zentrum stehen die Trommelrhythmen der religiösen Prozessionen in Spanien, insbesondere der Semana Santa im Ort Calanda.[7] Diese hatte Rüdiger vor Ort aufgenommen und dann für das Album mit atmosphärischen Sounds und Melodien ergänzt. Der Albumtitel „Blutopfer“ bezieht sich darauf, dass die Hände der Trommler oft nach stundenlangem Trommeln zu bluten beginnen und Blutflecken auf den Trommelfellen entstehen, die von den Trommlern stolz präsentiert werden.[8]

Nach einer längeren Veröffentlichungspause erschien 2007 das Album Schattenmädchen, das sich thematisch stärker urbanen und dystopischen Motiven zuwandte und Spoken-Word-Elemente einsetzte. Dies kam durch die Zusammenarbeit mit dem japanischen Cyberpunk-Autor Kenji Siratori auf zwei Tracks des Albums zustande.[9] Mit Schattenmädchen (forgotten twin) veröffentlichte Apoptose 2020 eine neue, rein digitale Version des Albums. Es enthält jeweils eine alternative Version jedes einzelnen Albumtracks. Als Bonus findet sich hier «Als es vor 49 Tagen begann», eine von der frühen Corona-Pandemie beeinflusste Version des Stücks «Karla». 2007 lieferte Karla eine poetische Fallgeschichte über ein Mädchen, das an einer mysteriösen Virusinfektion litt.[10]

2010 folgte das Album Bannwald, das erneut Naturmotive aufgriff. Das deutsche Online-Magazin NONPOP beschrieb das Album als besonders komprimierte und intensive Veröffentlichung, dessen Naturnähe ähnlich stark zu spüren sei wie im Erstling Nordland. Das Album befasst sich intensiv mit Hexenglauben und verschiedenen Hexengestalten.[11] Kern ist die Sagen-ähnliche Geschichte von drei Schwestern, die unter ungeklärten Umständen in einem norddeutschen Wald verschwanden.[12]

In den folgenden Jahren veröffentlichte Apoptose weitere Alben, darunter ana liil (2014) und Die Zukunft (2018), die in Rezensionen als stärker vokal und songorientiert mit Synth-Wave-Einflüssen beschrieben wurden.[13] Die Zukunft enthält mit dem Stück «What power art thou» eine elektronische Neuinterpretation der gleichnamigen Arie aus der Oper King Arthur (1691) von Henry Purcell. Gesungen wurde die Aufnahme vom klassischen Tenor Daniel Sans, der auch auf weiteren Liedern des Albums zu hören ist.[14]

Im Jahr 2025 erschien das Album Die Zeit und die Dunkelheit auf dem Label Apop Schallplatten. Das Album wird in Rezensionen dem melodischen und Soundtrack-artigen Dark-Ambient zugeordnet.[15] Es ist komplett instrumental aufgenommen und beinhaltet außer Naturgeräuschen keine weiteren Stimmen.[16] Inhaltlich klingen in den Titeln Themen an, die unter anderem Goethes Wandrers Nachtlied sowie Sagen und Legenden rund um den Berg Altkönig im Taunus aufgreifen.

Auftritte

Erstmalig trat Apoptose beim Wave-Gotik-Treffen-Treffen 2006 in Leipzig live auf.[17][18] Zentraler Bestandteil der Show waren Stücke des Albums Blutopfer, die Apoptose zusammen mit den Trommlern des «Fanfarenzug Leipzig» spielte. 2007 traten Apoptose und der «Fanfarenzug Leipzig» wieder dort auf.[19][20] Beim 30. Wave-Gotik-Treffen im Jahr 2023 gab es eine erneute Show mit dem «Fanfarenzug Leipzig».[21]

Seit 2006 zeigt sich Apoptose selten aber regelmäßig auf der Bühne, meist bei Dark-Ambient- oder Industrial-Festivals. So gab es unter anderem auch Auftritte in Polen auf dem «Wroclaw-Industrial-Festival» (2007) und der «Intermediale» in Legnica (2011)[22][23], in Spanien bei «Drowned in Darkness» (2012)[24], in Deutschland bei «November Sonus» (2022) und dem Festival «Schwarzer Herbst» (2023)[25], sowie in den Niederlanden auf dem Festival «Rituals over Limburg III» (2025).[26]

Diskografie (Auswahl)

Konzert im Eventpalast beim Wave-Gotik-Treffen, Leipzig 2023

Studioalben

  • 2000: Nordland (CD / LP / digital)
  • 2002: Blutopfer (CD / LP / digital / Cassette)
  • 2007: Schattenmädchen (CD / digital)
  • 2010: Bannwald (CD / LP / digital)
  • 2014: ana liil (CD / LP / digital)
  • 2018: Die Zukunft (CD / LP / digital)
  • 2025: Die Zeit und die Dunkelheit (CD / LP / digital)

Kollaborationen und Split-Veröffentlichungen

  • 2000: Solaris Collaboration (CD) → von vier Musikern zum Buch Solaris von Stanislaw Lem
  • 2008: Warrior Creed (EP / digital) → mit «Joy of Life». Gesang: Gary Carey, zusätzliche Percussion: «Fanfarenzug Leipzig»
  • 2016: Maria durch ein Dornwald ging (digitale Single) → Gesang: Daniel Sans
  • 2021: Todestrank (digitale EP) → mit «Mosaic»
Commons: Apoptose – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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