Appareils Routiers et Agricoles
französisches Unternehmen
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Appareils Routiers et Agricoles (ARA; Abkürzung für Appareils Routiers et Agricoles, auch A.R.A.) war ein französisches Unternehmen, das sich in den 1920er Jahren auf den Bau von Raupenschleppern spezialisierte.
| ARA Appareils routiers et agricoles | |
|---|---|
| Rechtsform | |
| Gründung | 1921 oder früher |
| Auflösung | frühe 1930er Jahre |
| Sitz | Paris |
| Branche | Traktorenhersteller (Raupenschlepper) |
Unternehmensgeschichte
Das Gründungsdatum des Unternehmens ist nicht bekannt. Es wird erstmals 1921 als existent genannt. Es gehörte zu Delaunay-Belleville[1], einem Unternehmen, das vor dem Ersten Weltkrieg für seine Autos der Luxusklasse bekannt war. Der Hauptsitz von ARA war 9 rue Frédéric-Bastiat in Paris.
Es wurden zwei ARA-Modelle vermarktet: der leichte ARA Alpha (auch ARA A) in den Varianten Alpha und Alpha Prime und der schwerere ARA Beta (ARA B).
Modelle
ARA Alpha
Das Modell erschien 1921. Es hatte einen wassergekühlten Vierzylinder-Viertaktmotor von Janvier mit Kopfventilen, der mit Benzin, Petroleum oder Holzgas betrieben werden konnte. Seine Leistung wird mit 20 PS bei 1700/min. oder auch 30 PS[2] angegeben, offenbar abhängig von dem Treibstoff, mit dem das Fahrzeug angetrieben wurde. Es konnte einen zweischarigen Pflug ziehen, wegen seiner schmalen Breite war es insbesondere für den Weinbau geeignet. Die Fahrzeuge besaßen eine Seilwinde mit 1,2 Tonnen Zugkraft.[3] Das Fahrwerk war zweigeteilt: Der vordere Rollenwagen bestand aus dem Treibrad und zwei Lauf- und einer Stützrolle, der hintere aus dem Treibrad und ebenfalls zwei Lauf- und einer Stützrolle.
ARA Alpha Prime
Entwicklung
Anfang der 1920er Jahre suchte die französische Armee nach einem Ersatz für die in den Jahren 1917 und 1918 beschafften Kettentraktoren des Typs Cletrac Typ H. Mit diesem Kettenschlepper war die „artillerie portée“ (= Verlastete Artillerie) ausgestattet: Je ein Cletrac H und ein Geschütz vom Typ Canon de 75 mm modèle 1897 waren auf der Ladefläche eines mittleren Lkw (meist Berliet CBA) verlastet; die solcherart motorisierten Feldartillerie-Regimenter stellten eine schnell bewegliche Feldartillerie-Reserve dar. Das Ersatzfahrzeug für den Cletrac H sollte in Frankreich (und nicht mehr im Ausland) hergestellt werden. Neben dem italienischen Pavesi P4 und einigen neueren Cletrac-Typen aus den USA wurde der Renault GP und der ARA Alpha erprobt, später auch die Halbketten-Zugmaschine Citroën-Kégresse P1T. Der Renault litt unter bruchempfindlichen Ketten und war zu schwer und unhandlich, beim Pavesi bemängelte man die zu große Breite und schlechte Bremsen, der ARA Alpha neigte zum Umkippen und hatte eine als zu schwach empfundene Leistung und zu niedrige Geschwindigkeit.[4]
Produktion und Verwendung

Daraufhin verbesserte ARA das Modell. Es erhielt 9 cm breitere Ketten, der Motor leistete jetzt 36 PS bei 2000/min, die Geschwindigkeit wurde durch ein anderes Getriebe erhöht.[2] Unter dem Namen ARA Alpha Prime ging das solcherart modifizierte Fahrzeug in Serie. In den Jahren 1923 und 1924 entstanden mindestens 19 Stück für die französische Armee, 1925–1926 weitere mindestens 83 Stück, insgesamt also mindestens 102 Stück. Hinzu kam eine heute unbekannte Anzahl von zivil in der Landwirtschaft genutzten ARA Alpha Prime, deren Beschlagnahme im Kriegsfall vorgesehen war.
Die von der französischen Armee beschafften ARA Alfa wurden auf die 13 Regimenter der „artillerie portée“ derart verteilt, dass in jedem Regiment 8 Zugmaschinen (ausreichend für die Bespannung von jeweils 2 Batterien zu 4 Geschützen oder eine Batterie zu 4 Geschützen und 4 Munitionsprotzen) sich befanden.[5] Die Raupenschlepper wurden zusammen mit den Geschützen -wie im Ersten Weltkrieg bewährt- auf der Ladefläche von Lkw während normaler Märsche transportiert. Erst dann, wenn das Beziehen der Feuerstellung besondere Geländegängigkeit erforderte, wurden die Raupenschlepper zusammen mit den Geschützen abgeladen und zogen die Geschütze batterieweise in die Feuerstellung. Diese Taktik mochte in den 1920er Jahren noch durchaus zeitgemäß erscheinen. Mit Einführung des Zugwagens Citroën-Kégresse P10 Ende der 1920er Jahre gab es aber eine Zugmaschine, die etwa die gleiche Geländegängigkeit, aber eine erheblich höhere Straßengeschwindigkeit aufwies: Die Notwendigkeit der zusätzlichen Verlastung auf Lkw entfiel dadurch: Von den 13 Regimentern der „artillerie portée“ wurden acht aufgelöst, die übrigen fünf zwischen 1930 und 1933 mit Citroën-Kégresse-Zugmaschine ausgestattet. Die bisher benutzten Kraftfahrzeuge wurden in Arsenalen eingelagert, um mit ihnen im Kriegsfall neu aufzustellende Formationen auszurüsten. Als im September 1939 der Zweite Weltkrieg ausbrach, kamen diese mittlerweile völlig veralteten Schlepper erneut zum Einsatz, und es gibt zahlreiche Photos aus der Zeit Mai bis Juni 1940, die den Einsatz dieser Raupenschlepper belegen. In die Wehrmacht wurde allerdings keines dieser Fahrzeuge übernommen: Soweit bekannt, dürften sie mehr oder weniger alle nach dem Waffenstillstand von Compiègne verschrottet worden sein.
ARA Beta
Der ARA Beta kann als großer Bruder des ARA Alpha gelten, war allerdings erheblich weniger bekannt. Sein Kettenlaufwerk bestand auf jeder Seite aus einer großen Führungsrolle hinten und einer ebensogroßen Antriebsrolle vorne, ferner vier paarweise aufgehängten Laufrollen und einer Stützrolle. Die technischen Daten seines wassergekühlten Vierzylinder-Viertakt-Motors mit Seitenventilen können der unten niedergelegten Tabelle entnommen werden. Seine Höchstleistung entwickelte er bei 1700/min. Das Getriebe hatte drei Vorwärts- und einen Rückwärtsgang, die am Heck angebrachte Winde eine Zugkraft von 1,5 Tonnen.
Er wurde als Zugmittel für schwerere Geschütze wie die Haubitze Canon de 155mm C Mle 1917 Schneider erprobt, jedoch wurde stattdessen die Halbkettenzugmaschine SOMUA MCG für diese Zwecke eingeführt: Sie hatte etwa die gleiche Geländegängigkeit, jedoch auf der Straße eine erheblich größere Geschwindigkeit. So verblieb die Vollketten-Zugmaschine ARA Beta im zivilen Einsatz: In der Landwirtschaft zum Ziehen eines drei- bis vierscharigen Pfluges, für Waldarbeiten, zum Schleppen von Lastkähnen auf Kanälen oder von Eisenbahnwaggons.
Technische Daten
Produktion
Die Traktoren wurden von Lorraine-Dietrich in Lunéville gebaut: Dieser Hersteller baute neben Eisenbahnmaterial und Flugmotoren bis 1934 auch Pkw der Oberklasse und gehobenen Mittelklasse und hatte die erforderlichen Kapazitäten, um die Kettenschlepper herstellen zu können.
Das Ende des Baues von Traktoren ist der erschienenen Literatur nicht zu entnehmen, vermutlich erfolgte es im Rahmen der Weltwirtschaftskrise in der Zeit 1929–1932: Der Raupenschlepper ist aufgrund seines niedrigen Bodendrucks und seiner hohen Geländegängigkeit hauptsächlich einerseits in sumpfigem, andererseits im gebirgigen Gelände dem Radschlepper überlegen; solches Gelände gab es indessen in Frankreich kaum, und es fehlte daher an Einsatzmöglichkeiten und damit rentierlichen Stückzahlen. Hätte die französische Armee nicht über 100 ARA Alfa Prime bestellt, wäre die Produktion wohl schon erheblich früher eingestellt worden.:
Literatur
- Christian Descombes: La nouvelle encylopédie des tracteurs fabriqués en France, ETAI, Paris 2012, ISBN 978-2-7268-9596-2
- Guy François: L' artillerie de campagne de 75 portée 1919-1939, in GBM (Histoire de guerre, blindés & matériel) No. 142, S. 27 ff., Paris 2022, ISSN 1956-2497
- Guy François: L' artillerie de campagne de 75 portée 1919-1939, in GBM (Histoire de guerre, blindés & matériel) No. 143, S. 43 ff., Paris 2023, ISSN 1956-2497
Weblinks
- La motoculture en 1928. 1928, S. XIII–XIV (französisch, bnf.fr [abgerufen am 15. Juni 2026]).