Arabella Goddard
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Arabella Goddard (* 12. Januar 1836; † 6. April 1922) war eine englische Pianistin und Komponistin.

Biografie
Arabella Goddard wurde am 12. Januar 1836 als Tochter englischer Eltern im französischen St. Servan geboren.[1.1] Ihr Vater Thomas Goddard verfügte als reicher Erbe über ein erhebliches Vermögen, das es ihm ermöglichte mit einer Frau Arabella (geb. Ingles) in der Bretagne zu leben, wo sie Teil der englischsprachigen Gemeinschaft waren.[2]
Mit vier Jahren hatte Arabella Goddard bei einem Wohltätigkeitskonzert ihren ersten öffentlichen Auftritt, bei dem sie Motive aus "'Don Juan' mit so viel Präzision und Verständnis vortrug, daß alle, die sie hörten, sie wie ein Wunder anstaunten."[1.2] Sie wurde als Wunderkind gefeiert. Mit sechs Jahren erhielt sie Klavierunterricht bei Friedrich Kalkbrenner in Paris.[2]
Durch die Revolution im Jahr 1848 musste die Familie nach England zurückkehren, da sich ihre finanzielle Situation verschlechtert hatte. In London konnte Arabella Goddard ihre Klavierstudien bei Lucy Anderson und Sigismond Thalberg fortsetzen. Letzterer half ihr 1851 Kontakt zum Musikkritiker der Zeitung "The Times" James William Davison zu bekommen, der erst ihr Mentor wurde und den sie dann 1859 heiratete als sie 23 und er 46 Jahre alt waren.[3]
1854–1855, mit 18 Jahren, zog Arabella Goddard für zwei Jahre nach Deutschland, wo sie unter anderem im Leipziger Gewandhaus auftrat. Ferner konzertierte sie in Italien, wo sie ebenfalls Erfolge feierte. Ignaz Moscheles, der sie schon Paris gehört hatte, schrieb über sie in seinen Lebenserinnerungen. "Sie beherrscht die größten Schwierigkeiten mit bewundernswerter Ruhe und Eleganz, und ihr Anschlag ist klar und hell wie eine Glocke."[3]
In den Jahren 1857 und 1858 führte sie alle Klaviersonaten von Beethoven auf.[4]
1860 und 1863 bekam sie mit James William Davison zwei Söhne, Henry und Charles Davison.[3]
1871 wurde sie mit der Goldmedaille der Royal Philharmonic Society London ausgezeichnet.
Im Februar 1873 begab sie sich auf eine Konzertreise nach Australien, die sie als erstes nach Melbourne führte.[1.3] Dabei erlitt sie zwischen Java und Townsville Schiffbruch, bei dem sie 12 Stunden in einem Rettungsboot auf dem Meer umher trieb.[1.4] Nach ihrer Rettung konzertierte sie in Sidney, Brisbane und Adelaide.
Ihre Reisen waren vom australischen Impresario Robert Sparrow Smythe organisiert[5] und führten sie anschließend nach Sri Lanka und Cennai. In Cennai gab sie vor einem begeisterten Publikum sechs ausverkaufte Konzerte in der Bankett-Halle der Stadt, die über zweitausend Plätze verfügte.[1.5] Sie spielte ferner in Bangaluru, Mumbai und Kolkata.
Von Indien reiste sie nach China, wo sie in Hongkong und Shanghai spielte. Die nächste Station waren die Philippinen mit Manila, anschließend Singapur und Batavia. Vorletzte Station ihrer Weltreise war Neuseeland, wo sie über zwei Monate konzertierte. Danach reist sie über die Vereinigten Staaten und Kanada zurück nach England, wo sie 1876 ankam. Überall auf ihrer Reise hatte Arabella Goddard Grundstücke erworben, was sie zu einer vermögenden Grundbesitzerin auf der ganzen Welt machte.[1.6]
1877 konzertierte sie in Paris, wo sie mit Werken von Beethoven, Mendelssohn, Chopin und Liszt reüssierte. Ansonsten beschränkte sie ihre Auftritte nun auf London und das britische Inselreich. Wie La Mara in ihrem Buch über Musikerinnen im 19. Jahrhundert schreibt: "Denn die Hände in den Schoß zu legen, dass kommt ihr deren feine Bildung und Sprachgewandtheit man anerkennend hervorhebt, auch heut noch nicht bei...und das Bedürfnis nach ruhe scheint sie nicht zu kennen, deren Stirn ein Kranz umgrünte, zu dem alle Gegenden der Erde den Lorbeer geliefert."[1.7]
1880 zog sie sich vom Konzertleben zurück und begann 1883 am Royal College of Music zu unterrichten.[4]
1885 starb der inzwischen von ihr getrennt lebende Ehemann.[3]
1890 geriet sie in finanzielle Schwierigkeiten, weshalb man für sie Geld sammelte.[3]
Sie starb am 6. April 1922 in Boulogne-sur-Mer mit 86 Jahren.[4]
Literatur
- Markus Gärtner. "Goddard, Arabella", in: Lexikon "Europäische Instrumentalistinnen des 18. und 19. Jahrhunderts", arg. Freia Hoffmann, Sophie- Drinker- Institut, 2010.
- La Mara. Musikalische Studienköpfe, "Arabella Goddard" Band 5. Breitkopf und Härtel, Leipzig, 1879.
- Susan Tomes. Women and the piano, "Arabella Goddard". Yale University Press, New Heaven, 2025, S. 82 ff.
- The New Grove Dictionary of Music and Musicians, "Goddard, Arabella" 2. Auflage, Band 10, 2001, S. 70.