Arabische Welt

Region in Nordafrika und in Vorderasien mit einer mehrheitlich arabischen Kultur From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Begriff arabische Welt (arabisch العالم العربي, DMG al-ʿālam al-ʿarabī) bezeichnet eine Region in Vorderasien und Nordafrika. Staaten und Regionen mit einer mehrheitlich arabischen Kultur gelten als Teil der arabischen Welt. Zentraler Bestandteil arabischer Kultur ist die arabische Sprache.

Karte der arabischen Welt, basierend auf der üblichen Definition, die die 22 Länder der Arabischen Liga beinhaltet.

Der Begriff ist trotz seiner vielfachen Verwendung nicht exakt definiert (deshalb meistens Kleinschreibung des Attributs arabisch). Es lassen sich zwei Kriterien anwenden, um die Zugehörigkeit zur arabischen Welt zu definieren: einerseits die Verbreitung der arabischen Sprache (sprachliches Kriterium) und andererseits die Mitgliedschaft in der Arabischen Liga (politisches Kriterium).

Die ursprünglichen Araber sind die Einwohner der arabischen Halbinsel, des schon im Altertum (etwa in der Bibel) bezeugten historischen Arabiens, während die Araber in anderen Teilen der arabischen Welt, etwa in der Levante und Nordafrika, hauptsächlich Völker sind, die nach der islamischen Expansion (7./8. Jahrhundert) sprachlich-kulturell und teilweise genetisch arabisiert wurden – daher gelten auch sie seither als Araber.[1][2]

Irrtümlich verallgemeinernd werden arabische Welt und Arabertum oft mit dem Islam gleichgesetzt. Tatsächlich bilden Muslime heute in der arabischen Welt die Bevölkerungsmehrheit und die Verbreitung der arabischen Sprache über die Arabische Halbinsel hinaus ging mit der Ausbreitung des Islams einher. Doch gibt es in zahlreichen Ländern der arabischen Welt bis heute bedeutende, insbesondere christliche Minderheiten, die auf vorislamische religiöse Traditionen zurückgehen, doch in sprachlich-kultureller Hinsicht weitgehend arabisiert sind, so in Ägypten, dem Libanon, Syrien und dem Irak.

Geografische Einteilung der arabischen Welt

Staaten Nordafrikas
Die Arabische Maghreb Union (AMU)
Arabische Halbinsel

Die arabische Welt umfasst insbesondere Staaten in Vorderasien und Nordafrika.

Die Staaten der Arabischen Halbinsel, also des historischen Arabiens, der Ursprungsregion der arabischen Kultur und Sprache, sind (in alphabetischer Reihenfolge):

Die Staaten der Levante und Mesopotamiens (beide Regionen zusammen werden manchmal als Nordarabien bezeichnet), die nach der islamischen Eroberung der Levante und des Sassanidenreiches im 7. Jahrhundert arabisiert wurden:

Die Nil-Staaten, die nach der islamischen Eroberung Ägyptens und Nubiens im 7. Jahrhundert arabisiert wurden:

Die nordafrikanischen Staaten an der Atlantik- und der Mittelmeerküste, die nach der islamischen Eroberung des Maghreb im 7. und 8. Jahrhundert arabisiert wurden, teilweise jedoch noch Traditionen autochthoner Völker (Berber, Tuareg) aufweisen, sowie Länder in der zentralen bis westlichen Sahara:

Weitere Begriffe zur Einteilung der arabischen Welt sind – neben der Arabischen HalbinselMaghreb und Maschrek, wobei der Maghreb die Länder Nordwestafrikas und der Maschrek die Nilstaaten, die Levante und Mesopotamien umfasst.

Ein Sonderfall sind Somalia, die Komoren und Dschibuti. Da diese Staaten Mitglieder der Arabischen Liga sind und Arabisch eine ihrer Amtssprachen ist, könnten sie als arabische Länder gelten. Weil jedoch die Muttersprache der überwiegenden Mehrheit ihrer Einwohner weder Arabisch ist noch diese sich normalerweise als Araber betrachten, ist die Zugehörigkeit dieser Staaten zur arabischen Welt umstritten.[3]

Einen weiteren Sonderfall stellt das in der Levante gelegene historische Palästina dar: Der dort 1948 errichtete Staat Israel definiert sich als jüdischer Staat, ist jedoch teilweise arabophon – rund 20 Prozent der Staatsbürger sind Araber, die sich – auch – der arabischen Welt und Kultur zugehörig fühlen. Zudem übt Israel die politische und/oder militärische Kontrolle über zahlreiche weitere arabischsprachige Gebiete Palästinas aus, in denen Araber die Bevölkerungsmehrheit bilden. Wegen der ungeklärten politischen Verhältnisse (Nahostkonflikt) ist die Abgrenzung der Begriffe Israel und Palästina uneindeutig.

Sprachliches Kriterium

Geografische Verbreitung der arabischen Sprache.
Blau: Arabisch ist nicht die alleinige offizielle Sprache

Nach dem sprachlichen Kriterium entspricht die arabische Welt einer Gruppe aus 18 Staaten von Mauretanien im Westen bis zum Sultanat von Oman im Osten und zwei nicht souveränen Gebieten. Die Ausbreitung des Arabischen ist weitgehend auf die Geschichte der Ausbreitung des Islam im 7. Jahrhundert zurückzuführen. Allerdings ist das sprachliche Kriterium nicht ausreichend, um die arabische Welt zu betrachten. Einige Länder, in denen Teile der Bevölkerung Arabisch sprechen oder Arabisch eine der offiziellen Sprachen ist, gelten weiterhin in der Regel nicht als Teil der „arabischen Welt“, darunter Israel, Eritrea und der Tschad, während andererseits nicht nur Dschibuti, wo eine Minderheit Arabisch spricht, sondern auch Somalia und sogar die Komoren, in denen Arabisch so gut wie gar nicht verwendet wird,[4] aufgrund ihrer Zugehörigkeit zur Arabischen Liga oft dazugerechnet werden.

Malta andererseits wird so gut wie nie zur arabischen Welt gezählt, auch wenn sich Maltesisch aus dem Maghrebinischen Arabisch entwickelt hat. Da sie jedoch mit dem Lateinischen Alphabet geschrieben wird und jede Beziehung zur arabischen Schriftsprache abgebrochen ist, nimmt Malta nicht am kulturellen Geschehen (Presse, Literatur) der arabischen Welt teil.

In Staaten der arabischen Welt wird modernes Standardarabisch als Amtssprache verwendet. Daneben gibt es zahlreiche umgangssprachliche arabische Dialekte, beispielsweise die Varietäten des Maghrebinischen Arabisch zum Teil mit Einflüssen aus Berbersprachen, dem Französischen, Spanischen oder Italienischen, so dass sich eine Diglossie ergibt.

Die folgende Liste führt 26 souveräne Staaten und nicht souveräne Gebiete auf, in denen die arabische Sprache gesprochen wird, bzw. eine oder mehrere der vielen, oft sehr unterschiedlichen regionalen Varianten des Arabischen. Der angegebene Prozentsatz bezieht sich auf den Teil der Bevölkerung, der Arabisch als Muttersprache spricht. Die Spalte „Staatsbürger“ gibt die Einwohnerzahl des Landes an, außer bei den Golfstaaten Vereinigte Arabische Emirate, Bahrain und Katar, in denen die Ausländer die überwiegende Mehrheit der Gesamtbevölkerung darstellen, hier aber nicht mitgezählt werden. Länder, in denen die Mehrheit der Bevölkerung Arabisch spricht, sind farblich unterlegt.

Weitere Informationen Land, Hauptstadt ...
Liste von Staaten und nicht souveränen Gebieten, in denen Arabisch gesprochen wird
Land Hauptstadt Staatsbürger
(in Mio.)
Staatsbürger deren Muttersprache Arabisch ist Sprache der Mehrheit Sprache der wichtigsten Minderheit
Agypten Ägypten Kairo 94,04 99,5 %[5] Ägyptisches Arabisch Bedscha
Algerien Algerien Algier 31,84 72 %[6] Algerisch-Arabisch Berberisch
Bahrain Bahrain Manama 0,72 80 %[7] Golf-Arabisch Persisch
Dschibuti Dschibuti Dschibuti 0,51 10 %[8] – 15 %[9] Somali, Afar
Eritrea Eritrea Asmara 5,02 2,4 %[10] (0,5 %[11]— 2 %[12]) Tigrinya u. a.
Irak Irak Bagdad 28,94 ca. 75 %[13] / 80 %[14] Irakisch-Arabisch Kurdisch
Israel Israel Tel Aviv bzw. Jerusalem 8,00 ca. 20 %[15] Hebräisch Levantinisches Arabisch
Jemen Jemen Sana'a 33,7 99,6 %[16][17] Jemenitisch-Arabisch Südarabisch
Jordanien Jordanien Amman 6,34 fast 100 %[18][19] Levantinisches Arabisch
Katar Katar Doha 0,33[20] 100 %[21] Golf-Arabisch
Komoren Komoren Moroni 0,75 0 %[22] Komorisch
Kuwait Kuwait Kuwait 2,75 k. A. Golf-Arabisch Persisch
Libanon Libanon Beirut 4,52 96 %[23] Levantinisches Arabisch Armenisch
Libyen Libyen Tripolis 6,31 96 %[24] 90 %[25] Arabisch Berberisch
Marokko Marokko Rabat 32,60 60 %[26] Maghrebinisches Arabisch Berberisch
Mauretanien Mauretanien Nouakchott 3,44 70–80 %[27], 84 %[28] Hassania-Arabisch Pulaar, Soninke
Oman Oman Maskat 3,15 ca. 88 %[29] Arabisch Belutschi
Palastina Palästina (Staat Palästina, nicht souveränes Gebiet) Gaza / Ramallah 4,33 k. A. Levantinisches Arabisch k. A.
Saudi-Arabien Saudi-Arabien Riad 27,01 99,93 %[30][31] Arabisch Mehri
Somalia Somalia Mogadischu 13,18 0,1 %[32] Somali
Sudan Sudan Khartum 30,89 ca. 60–70 %[33] Sudanesisch-Arabisch Bedscha
Syrien 2024 Syrien Damaskus 17,83 88 %[34] ca. 90 %[35] Levantinisches Arabisch Kurdisch
Tschad Tschad N’Djamena 10,32 ca. 12 %[36] Ngambay (Zentralsudanisch)[37]
Tunesien Tunesien Tunis 10,78 99,1 %[38] Maghrebinisches Arabisch Berberisch
Vereinigte Arabische Emirate Vereinigte Arabische Emirate Abu Dhabi 1,0 k. A. Golf-Arabisch k. A.
Westsahara Westsahara (nicht souveränes Gebiet) El Aaiún 0,54 k. A. Hassania-Arabisch k. A.
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Politisches Kriterium

Länder der Arabischen Liga
Die arabischen Länder als Saladin-Adler, irakisch-baathistische Darstellung

Der Begriff kann zum einen die Gesamtheit der Mitgliedsstaaten der Arabischen Liga (und ihrer Bewohner), zum anderen das zusammenhängende Siedlungsgebiet der Araber beziehungsweise das al-watan al-arabi / الوطن العربي / al-waṭan al-ʿarabī / ‚Arabisches Vaterland‘ bezeichnen.

Die Arabische Liga ist ein Verbund arabischer Staaten, wurde am 22. März 1945 in Kairo gegründet und besteht aus 22 Mitgliedstaaten. Andererseits gehören nach überwiegender Auffassung zum Watan sowohl arabische Minderheiten in Ländern, die nicht Mitglied der Arabischen Liga sind (wie die Türkei, der Iran oder Israel), als auch Mitgliedsstaaten, die keine eindeutige arabische Bevölkerungsmehrheit besitzen, so etwa Somalia, Dschibuti oder die Komoren. Dazu zählen Nationalisten aber meistens auch die iranische Provinz Chuzestan, den Sandschak Alexandrette (İskenderun), die Westsahara und Eritrea, obwohl diese Gebiete nicht zur Liga gehören.

Politisch gibt es in der arabischen Welt den gemeinsamen Traum einer in einem Staat vereinten arabischen Nation. Alle bisherigen Einigungsversuche des Panarabismus sind aber erfolglos geblieben. Bekannte panarabische Vordenker und Führer der Neuzeit sind Michel Aflaq, Gamal Abdel Nasser und Muammar al-Gaddafi, aber auch die PLO sieht sich als Speerspitze der arabischen Einigungsbewegung in dem Gedanken, dass die palästinensische Revolution der Auslöser der arabischen Revolution sein könnte. Der arabisch-israelische Konflikt ist nicht nur für Israel prägend, sondern bewegt regelmäßig die arabischen Massen.

Araber können jeder religiösen Weltanschauung angehören oder Atheisten sein. Im Libanon weisen ganze Regionen (etwa die drei Regierungsbezirke Kesrouan, Metn und Jabal Lubnan (Mont Liban)) eine geschlossene arabisch-christliche Bevölkerungsstruktur auf, bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts stellten sie dort sogar die Bevölkerungsmehrheit.

Der Panarabismus gilt als Rekrutierungsfeld des Islamismus, der aber ideologisch andere Ziele verfolgt als der nationalistische Panarabismus. Im Gegensatz zu religiös legitimierten arabischen Ideologien negiert der Islamismus das christliche Element in der arabischen Welt und dessen autochthonen Charakter. So waren in der panarabischen Bewegung überdurchschnittlich viele Araber aus christlichen Familien aktiv, neben Michel Aflaq (syrischer Gründer der Baath-Partei) und Elias Farah (syrisch-irakischer Baath-Ideologe) zum Beispiel der 1949 im Libanon hingerichtete SSNP-Gründer Antun Saada, der 2005 ermordete libanesische KP-Generalsekretär George Hawi und (marxistische) PLO-Führer wie George Habasch.

Wirtschaftliche und soziale Situation

Die meisten arabischen Staaten sind Schwellenländer oder Entwicklungsländer. Ausnahmen bilden Saudi-Arabien, Kuwait, Oman, Katar, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate, die sich als Industrieländer hauptsächlich auf den Erdölexport ausrichten. Die Erdölressourcen begründen auch die geopolitische Bedeutung der Region, in der sich früher das Vereinigte Königreich und seit der iranischen Revolution die Vereinigten Staaten immer mehr militärisch engagieren. Diese Abhängigkeit vom Erdöl verzögert auch die Entwicklung einer diversifizierten Branchenstruktur (sog. Ressourcenfluch). Es gibt zwar einen hohen Anteil von Klein- und Kleinstunternehmern, die jedoch zum großen Teil auf traditionellen Geschäftsfeldern tätig sind. Die Rate der Neugründungen liegt (außer in Katar und Marokko) unter dem weltweiten Durchschnitt.[39] Frauen sind weit unterdurchschnittlich am Gründungsgeschehen beteiligt, was sich (Stand 2010) nur langsam ändert.[40] Eine überwiegend patriarchalische Gesellschaftsstruktur behindert die Beteiligung von Frauen am ökonomischen Leben.[41] Große Staatsfonds wie ADIA in Abu Dhabi dominieren große Bereiche der Wirtschaft und behindern private Initiativen.

In den Ländern Vorderasiens ist die Wirtschaft laut Weltbank zwischen 2000 und 2006 um durchschnittliche 5,31 Prozent pro Jahr gewachsen. Das Bruttonationaleinkommen aller 22 Länder der Arabischen Liga lag 1999 bei 631,2 Milliarden Dollar. 2006 stieg das Bruttosozialprodukt auf 1.585.14 Milliarden Dollar. Saudi-Arabien hat das größte Bruttoinlandsprodukt der arabischen Welt.

Literatur

Siehe auch

Portal: Arabische Welt – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Arabische Welt

Einzelnachweise

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