Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft
bundesweit agierender Verein
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Die Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft e. V. (ANW) ist ein bundesweit agierender Verein, der sich dem Ziel verpflichtet hat, Forstwirtschaft, den Wald ökologisch verantwortungsvoll zu bewirtschaften und gleichzeitig ökonomisch erfolgreich zu sein.
| Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft (ANW) | |
|---|---|
| Rechtsform | eingetragener Verein |
| Gründung | 1950 |
| Sitz | Schwäbisch Hall |
| Zweck | Naturgemäße Waldwirtschaft, Naturschutz, Lobbyorganisation |
| Vorsitz | Hans von der Goltz |
| Mitglieder | 3124 (2023) |
| Website | anw-deutschland.de |
Geschichte und Organisation
Der Verein wurde 1950 in Schwäbisch Hall gegründet. Mitglieder der ANW sind die Landesgruppen,[1] in den jeweiligen Bundesländern.
Die ANW ist Mitglied von Pro Silva Europa (Verband für naturnahen Waldbau).[2] Bundesvorsitzende der ANW waren Karl Dannecker (1950–1954), Willy Wobst (1954–1971), Willi Gayler (1971–1981), Hilmar Schoepffer (1981–1989) und Sebastian Freiherr von Rotenhan (1989–2001). Seit 2001 ist Hans von der Goltz der Bundesvorsitzende.
Ausgangspunkt der naturgemäßen Waldbewegung ist der sogenannte Dauerwaldstreit, der von Alfred Möller, dem Direktor der Eberswalder Forstakademie 1922 ausgelöst wurde. Dieser hatte den Bärenthorener Wald waldbaulich und ertragskundlich untersucht und in seiner Schrift Der Dauerwaldgedanke – sein Sinn und seine Bedeutung[3] der breiteren forstlichen Öffentlichkeit seiner Zeit vorgestellt. Diese Schrift löste den sog. Dauerwaldstreit aus, der im Jahr 1950 zur Gründung der ANW führte.
Seit 1989 gibt die ANW halbjährlich die Fachzeitschrift Der Dauerwald. Zeitschrift für naturgemäße Waldwirtschaft heraus. Seit 2026 wird diese ergänzt durch zwei Newsletter pro Jahr.
Seit der Gründung der letzten Gruppe an der Universität Freiburg 2022 existiert an jeder deutschen Forsthochschule eine Hochschulgruppe der ANW. Die 7 Hochschulgruppen und Alumni bis Alter 36 haben sich zur Jungen ANW zusammengeschlossen, die mit Sitz und Stimme im Bundesvorstand der ANW-Deutschland e. V. gleichberechtigt zu den 13 Landesgruppen vertreten ist.
Waldbauliche Grundsätze und Leitlinien
- Die Waldbaulichen Grundsätze und Leitlinien des Vereins sind getragen von der Überzeugung, dass die Waldfunktionen nachhaltig nur durch ein intaktes Waldökosystem erbracht werden können. Der gemischte, strukturreiche, überwiegend natürlich regenerierte Dauerwald mit seinen „rollierenden Lebensraumangeboten“ für seltene Arten führt über naturgemäße Bewirtschaftung zu einem solchen stabilen und resilientem Waldökosystem. Naturgemäße Bewirtschaftung bedeutet in jeder Hinsicht schonenden Umgang mit Wald und Boden und sie steuert aktiv kleinflächig unterschiedliche Belichtungssituationen. Diese sind Voraussetzung für nachhaltige Baumartenmischung und strukturelle Vielfalt. Dauerwald funktioniert nur mit angepassten Schalenwildbeständen, die die Baumartenmischung nicht dezimieren. Der Grundsatz zur Wildsituation lautet: „Die standorttypische Baumartenmischung muss sich im Wesentlichen ohne Schutzmaßnahmen etablieren und entwickeln können.“ Kerngedanke ist es, durch Nutzung natürlicher Prozesse den Wald nicht nur leistungsfähig zu halten, sondern gleichzeitig durch möglichst geringe Störungen des Ökosystems umfassenden Naturschutz zu leisten und ihn stabiler gegen biotische und abiotische Gefährdungen zu machen. Die Folge sind im Vergleich zum konventionellen Waldbau (=Altersklassenwald) stabile und resiliente Wälder, die höhere Erträge liefern und gleichzeitig ökologisch deutlich wertvoller sind. Stürme, Klimawandel und Borkenkäfer richten weniger Schäden an; in den reich strukturierten Wäldern finden erheblich mehr Arten einen Lebensraum.
Fortbildungen
Insbesondere die ANW-Landesgruppen bieten ihren Mitgliedern und forstlich Interessierten über Exkursionen und Übungen im Wald, Fortbildungsreisen im In- und Ausland sowie Fachvorträge vielseitige praxisbezogene Informationen an.[4]
Literatur
- Hermann Graf Hatzfeldt (Hrsg.): Ökologische Waldwirtschaft. Grundlagen – Aspekte – Beispiele (= Alternative Konzepte. Bd. 88). 2., durchgesehene Auflage. Stiftung Ökologie & Landbau. Müller, Heidelberg 1996, ISBN 3-7880-9888-0.
- Wilhelm Bode, Martin von Hohnhorst: Waldwende – Vom Försterwald zum Naturwald. 4. Auflage. Verlag C.H. Beck, München 2000, ISBN 3-406-45984-6.
- Wilhelm Bode (Hrsg.): Naturnahe Waldwirtschaft. Prozeßschutz oder biologische Nachhaltigkeit? Holm 1997, ISBN 3-930720-31-0.
- Walter Unterberger, Hermann Wobst: 40 Jahre naturgemäße Waldwirtschaft im Landteil des Staatlichen Forstamtes Stauffenburg. In: Niedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (Hrsg.): Aus dem Walde, Heft 39. Schaper, Hannover 1985.
- Hans von der Goltz: "Waldzukunft im Dauerwald – Lösungsideen der ANW in schwierigen Zeiten" AFZ 01/2024 oder HHomepage der ANW Deutschland
Weblinks
- anw-deutschland.de: Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft (Offizielle Website)
- Hermann Wobst: Aus der Geschichte der ANW (1950-2015). In: Der Dauerwald. Sonderheft Februar 2020.