Armenohyrax

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Armenohyrax ist eine ausgestorbene Gattung aus der Ordnung der Schliefer. Innerhalb dieser wird sie zur ebenfalls erloschenen Familie der Pliohyracidae gestellt, welche spezialisierte Formen mit hohem Körpergewicht und hochkronigen Backenzähnen einschließt. Bekannt ist die Gattung über einen Schädel aus dem Kleinen Kaukasus in Armenien. Anhand der Lagerung in den Schichten und den geborgenen Begleitfunden lässt sich für diesen ein oberpliozänes Alter angeben mit Werten von 3,6 bis 2,6 Millionen Jahren vor heute. Ein auffallendes Kennzeichen von Armenohyrax bildet das Fehlen des Eckzahns, was von keinem anderen Vertreter der Familie bekannt ist. Zudem waren die Augen recht hoch im Gesicht platziert und weit zurückversetzt. Die Gattung wurde im Jahr 2026 wissenschaftlich eingeführt. Es ist eine Art anerkannt.

Schnelle Fakten Zeitliches Auftreten, Fundorte ...
Armenohyrax

Schädel von Armenohyrax (Holotyp)

Zeitliches Auftreten
Oberes Pliozän
3,6 bis 2,588 Mio. Jahre
Fundorte
Systematik
Höhere Säugetiere (Eutheria)
Afrotheria
Paenungulata
Schliefer (Hyracoidea)
Pliohyracidae
Armenohyrax
Wissenschaftlicher Name
Armenohyrax
Becker, Lefebvre, Saulnier Masson & Vasilyan, 2026
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Merkmale

Armenohyrax ist ein mittelgroßer Vertreter der Pliohyracidae, von dem aber gegenwärtig lediglich ein Schädel vorliegt. Dieser blieb weitgehend vollständig überliefert, seine rechte Seite wurde jedoch etwas durch die Lagerung im Sediment eingedrückt. In Seitenansicht verlief die Stirnlinie gerade ohne Aufwölbung, in Aufsicht war das Rostrum relativ schmal. Analog zu anderen Angehörigen der Pliohyracidae stand die Orbita seitlich und lag hoch im Gesicht. Der vordere Rand befand sich oberhalb des zweiten Molaren, womit das Augenfenster weiter zurück verlagert saß als bei Pliohyrax. Das Foramen infraorbitale öffnete sich auf Höhe des letzten Prämolaren. Der Jochbogen setzte tief an mit dem vorderen Rand direkt oberhalb der Mahlzähne. Die beiden Bögen standen rund 12 cm auseinander. Das Stirnbein wies eine glatte Oberfläche auf. Zwei schwache Knochenrippeln verliefen von dort über die Scheitelbeine und trafen sich kurz vor dem Hinterhaupt. Am vorderen Gaumen bestanden zwei, nach hinten dreieckig geformte Öffnungen.[1]

Gebiss von Armenohyrax

Das obere Gebiss war im Vergleich zu anderen Angehörigen der Pliohyracidae reduziert. Es fehlte der Eckzahn, womit drei Schneidezähne, vier Prämolaren und drei Molaren ausgebildet waren. Sie formten eine geschlossene Zahnreihe, was Armenohyrax von Postschizotherium und Hengduanshanhyrax unterscheidet, bei denen die beiden hinteren Schneidezähne ein Diastema trennte. Der innere Schneidezahn war entsprechend zahlreicher weiterer Schliefer vergrößert und gebogen, allerdings abweichend von Sogdohyrax mit nach außen stehenden Spitzen. Sie setzten sich durch eine kleine Lücke voneinander ab. Ihre vordere Fläche bedeckte, typisch für die Pliohyracidae, eine dünne Zahnschmelzschicht. Dagegen besaß der hintere Schneidezahn im Unterschied zu jenem bei Postschizotherium die Form eines Prämolaren. Die Größe der darauf folgenden Vormahlzähne nahm bei Armenohyrax nach hinten zu. Außerdem ähnelten die hinteren Prämolaren weitgehend den Molaren, waren aber deutlich kleiner als diese. Ebenso wurden die Mahlzähne nach hinten größer. Zudem wiesen sie wie bei allen Pliohyracidae hohe (hypsodonte) Zahnkronen auf, wobei dies nicht ganz so extrem ausfiel wie bei Postschizotherium. Möglicherweise war der zweite Molar bei Armenohyrax auch wurzellos und wuchs damit dauerhaft. Das Ectoloph, eine Scherleiste auf der Kauoberfläche der Molaren entlang der Zahnaußenkante, besaß eine W-Form. Es verband die beiden Außenhöcker, den Metakonus und den Parakonus, miteinander. Mehr oder weniger senkrecht dazu setzte an ersterem das Metaloph und an letzterem das Paraloph an, zwei weitere Scherleisten, die den Zähnen gemeinsam mit dem Ectoloph einen lophoselenodonten Charakter verliehen. Der letzte Molar trug mit einem verlängerten Metastyl noch eine zusätzliche dritte Querleiste. Die gesamte Länge der Molarenserie übertraf mit 8,4 cm jene der Prämolaren um fast das Doppelte, welche 4,8 cm maß.[1]

Fossilfunde

Geologische Situation an der Typuslokalität von Armenohyrax in Jradzor, Armenien

Der einzige bisher bekannte Fossilrest von Armenohyrax kam in Jradzor im zentralen Armenien zu Tage. Die Fundstelle liegt in der Gegham-Vulkanprovinz im Kleinen Kaukasus in gut 1930 m Höhe über dem Meeresspiegel, rund 13 km ostnordöstlich von Narek und südwestlich des Sewansees. Entdeckt wurde sie bereits in den 1960er Jahren, größere wissenschaftliche Untersuchungen begannen aber erst rund 40 Jahre später. Der dortige Aufschluss ist rund 57 m mächtig und zeigt eine Abfolge, beginnend mit Seeablagerungen über verschiedene pyroklastische Ströme bis hin zu Paläobodenbildungen. Letztere werden wiederum von einem Schuttstrom abgedeckt. Absoluten Datierungen zufolge, gewonnen mit der Kalium-Argon-Methode, entstanden die pyroklastischen Ströme im Verlauf des Pliozäns, wobei der älteste rund 4,52, der jüngste gut 3,45 Millionen Jahre alt ist. Dies deckt sich auch mit Messungen zum Paläomagnetismus, bei denen eine für das Pliozän charakteristische Abfolge von Umkehrungen des Erdmagnetfeldes festgestellt wurde. Die gesamte Sedimentserie ist fossilführend. Bedeutende Reste kamen aber vor allem aus dem obersten Bereich mit dem Schuttstrom, der sich erst nach den vulkanischen Aktivitäten formierte. Eingelagert in einzelne Linsen, sind unter den größeren Säugetieren Reste von Hipparion und Pliocrocuta zuzüglich des Schlieferschädels hervorzuheben. Darüber hinaus kamen zahlreiche Kleinsäuger und die Reste einer Kröte zum Vorschein. Anhand def Biostratigraphie lässt sich das Fundensemble dem Villafranchium und damit dem ausgehenden Pliozän zuweisen.[2][1]

Systematik

Innere Systematik der Schliefer nach Becker et al. 2026[1]
  Hyracoidea  


 Procaviidae


  Pliohyracidae  





 Pliohyrax


   

 Armenohyrax


   

 Postschizotherium


   

 Hengduanshanhyrax





   

 Kvabebihyrax



   

 Sogdohyrax



   

 Prohyrax



   

 Parapliohyrax



   

 Titanohyracidae


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paläogene Schliefer



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Armenohyrax ist eine Gattung aus der ausgestorbenen Pliohyracidae innerhalb der Ordnung der Schliefer (Hyracoidea). Die Schliefer werden wiederum gemeinsam mit den Elefanten und Seekühen in der Verwandtschaftsgruppe der Paenungulata vereint, welche der Überordnung der Afrotheria angehört. Die Pliohyracidae bilden gemeinsam mit den heute noch bestehenden Procaviidae das jüngsten Entwicklungsglied der Schliefer. Teilweise werden beide Gruppen zusammen mit den Saghatheriidae der Unterordnung der Procaviamorpha zugerechnet, während alle übrigen Schliefer den Pseudhippomorpha beigeordnet sind. Ihr erstes Auftreten hatten die Pliohyracidae im Oligozän in Afrika, im Verlauf des Miozäns nach der Schließung der Thethys und der Entstehung einer Landbrücke erreichten sie dann auch Eurasien. Dort breiteten sie sich von Westeuropa bis nach Ostasien aus, wo sie im ausgehenden Pliozäns auch ihren insgesamt letzten Nachweis haben. Besondere Kennzeichen der Pliohyracidae finden sich in den extrem hochkronigen Zähnen. Zudem entwickelten einige Formen außerordentliche Körpermaße, die sie zu den größten Repräsentanten ihrer Ordnung werden ließen. Innerhalb der Pliohyracidae steht Armenohyrax der späten ostasiatischen Form Postschizotherium nahe, eventuell gehört auch das ebenfalls dort belegte Hengduanshanhyrax zum näheren Verwandtschaftskreis.[3][4][5][1]

Die wissenschaftliche Erstbeschreibung von Armenohyrax erfolgte im Jahr 2026 durch ein Autorenteam um Damien Becker. Die Wissenschaftler bestimmten den nahezu vollständigen Schädel aus Jradzor in Armenien als Holotyp (Exemplarnummer IGS JRD-20/01), der im Institut für Geowissenschaften der Armenischen Akademie der Wissenschaften aufbewahrt wird. Er gehört einem nicht ganz ausgewachsenem Tier an, was an dem Verbleib des vierten Milchprämolars erkennbar ist. Der Gattungsname bezieht sich einerseits auf die Herkunft aus Armenien, andererseits stellt hyrax eine umgangssprachliche Bezeichnung der Schliefer im Englischen dar, stammt aber vom griechischen Wort ὕραξ (hýrax) ab, was „Spitzmaus“ bedeutet. Als momentan einzige anerkannte Art etablierten die Wissenschaftler A. aznavouriani. Das Artepitheton ehrt Charles Aznavour, einen armenisch-französischen Sänger.[1]

Literatur

  • Damien Becker, Rémi Lefebvre, Robin Saulnier Masson und Davit Vasilyan: A new genus and species of Pliohyracidae (Hyracoidea, Mammalia) from the Pliocene of Jradzor, Armenia. Swiss Journal of Palaeontology 145, 2026, S. 179–198, doi:10.3897/sjp.145.181371

Einzelnachweise

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