Arsène Lupin, der Millionendieb

Film von Jacques Becker (1957) From Wikipedia, the free encyclopedia

Arsène Lupin, der Millionendieb (statt „Millionendieb“ manchmal „Meisterdieb“; Originaltitel: Les aventures d’Arsène Lupin) ist ein französischer Spielfilm von Jacques Becker aus dem Jahr 1957 mit Robert Lamoureux in der Titelrolle und mit Liselotte Pulver als deutsche Adelige in der weiblichen Hauptrolle. O. E. Hasse glänzte darin mit der „Darstellung eines bestens aufgelegten, humorigen Kaiser Wilhelm II., der den Meisterdieb herausfordert und von ihm bestohlen wird“.[2] Das Drehbuch entstand nach dem Roman von Maurice Leblanc.

TitelArsène Lupin, der Millionendieb
OriginaltitelLes aventures d’Arsène Lupin
ProduktionslandFrankreich, Italien
OriginalspracheFranzösisch
Schnelle Fakten Titel, Originaltitel ...
Film
Titel Arsène Lupin, der Millionendieb
Originaltitel Les aventures d’Arsène Lupin
Produktionsland Frankreich, Italien
Originalsprache Französisch
Erscheinungsjahr 1957
Länge 105 Minuten
Altersfreigabe
Stab
Regie Jacques Becker
Drehbuch Jacques Becker,
Albert Simonin
Produktion François Chavane,
Alain Poiré,
Jules Borkon
Musik Jean-Jacques Grunenwald
Kamera Edmond Séchan
Schnitt Geneviève Vaury
Besetzung
  • Robert Lamoureux: Arsène Lupin alias André Laroche bzw. Aldo Parolini
  • Liselotte Pulver: Mina von Kraft
  • O. E. Hasse: Kaiser Wilhelm II.
  • Daniel Ceccaldi: Jacques Gauthier
  • Georges Chamarat: Inspektor Lucien Dufour
  • Huguette Hue: Léontine Chanu
  • Renaud Mary: Paul Desfontaines
  • Sandra Milo: Mathilde Duchamp
  • Paul Muller: Rudolf von Kraft
  • Henri Rollan: Emile Duchamp
  • Margaret Rung: die Amerikanerin
  • Charles Bouillaud: Otto, der Leibdiener des Kaisers
  • Pierre Darcay
  • Alain Janey
  • Hubert de Lapparent: Juwelier
  • Jacques Mancier
  • Alexandre Mihalesco
  • Mireille Ozy
  • Pierre Stephen
  • Hugues Wanner
  • Jacques Becker: der Kronprinz
  • Henri Belly: ein Komplize
  • Pierre Duncan: Maharadscha
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Handlung

Frankreich im Jahre 1912. Während einer Feier beim Ministerpräsidenten Duchamp werden zwei wertvolle Gemälde gestohlen. Unter den Anwesenden befindet sich auch der italienische Diplomat Aldo Parolini, der aber der verkleidete französische Meisterdieb Arsène Lupin ist. Und der hat wieder einmal lange Finger gemacht: Diesmal hat er es auf ein Werk von Leonardo da Vinci und auf ein weiteres von Sandro Botticelli abgesehen. Hinter einem weiteren Gemälde hinterlässt er seine Visitenkarte mit dem kurzen handschriftlichen Hinweis, dass es sich bei diesem Michelangelo zugeschriebenen Gemälde um eine Fälschung handele. Außerdem beglückt er die Damenwelt, tanzt mit der deutschen Adeligen Mina von Kraft und poussiert mit der Gastgeberin Duchaump. Nach dem erfolgreichen Diebstahl kehrt Lupin in seine bürgerliche Identität als stadtbekannter Millionär André Laroche zurück.

Bei seinem nächsten Coup schlüpft der Meisterdieb in die Maskerade eines wohlhabenden Winzers, um einen Pariser Juwelier zu bestehlen. Zu diesem Zweck betritt er dessen Geschäft und gibt vor, zwecks anstehender Hochzeit seiner einzigen Tochter ein passendes Schmuckstück erwerben zu wollen. Dabei täuscht Lupin eine gewisse Unentschlossenheit vor und bittet den Juwelier, ihn mit den schönsten Stücken in seiner luxuriösen Hotelsuite zu besuchen, damit er im Beisein seiner Tochter eine Wahl treffen könne. Mit der unfreiwilligen Hilfe der Hotelmaniküre Léontine Chanu kann Arsène Lupin auch diesmal zuschlagen. Er deponiert die Juwelen in einem Sekretär, dessen Rückwand ans Nachbarzimmer grenzt. Der falsche Winzer verschwindet kurz und entnimmt den Schmuck vom Nachbarzimmer aus der präparierten Rückwand des Möbelstücks, um anschließend sofort zu entschwinden. Einzig die zufällig im Hotel anwesende Mina erkennt im Winzer ihren Bekannten vom Ball wieder. Die Maniküre Léontine wird indessen von der Hotelleitung entlassen und zudem von der Polizei vernommen, die anfänglich vermutet, dass das junge Mädchen mit Lupin zusammengearbeitet hätte. Später setzt man sie wieder auf freien Fuß. Für ihre erlittenen Unbilden lässt der Meisterdieb der Gefeuerten 50 Louis d’or zukommen und verschafft ihr obendrein einen neuen Job bei einem angesehenen Friseur im Palais Royal. Doch die Tochter eines im Dienst verstorbenen Polizisten lässt sich damit nicht abspeisen.

Genau diesen Friseur besucht auch Lupin unter seinem bürgerlichen Namen Laroche, Besitzer eines großen Rennstalls mit Rassepferden. Léontine erkennt die Hände des Kunden als die des Winzers im Hotel wieder und sorgt dafür, dass Laroche alias Lupin noch vor Ort im Friseursalon verhaftet wird. Doch wieder gelingt es Arsène Lupin, zu entkommen, indem er den Zwischenfall als Scherz seiner Freunde abtut. Da der Polizeipräfekt persönlich für seinen guten Freund Laroche bürgt und auch andere hochgestellte Persönlichkeiten unter der Kundschaft des Friseursalons nicht glauben können, dass der bekannte Laroche ein Dieb sein soll, muss die Polizei Lupin wieder freilassen. Am Ende ist sogar Léontine von so viel Chuzpe beeindruckt.

In der Zwischenzeit hat Mina von Kraft, eine enge Beraterin und Vertraute Kaiser Wilhelms II., Lupin auf einem in einer deutschen Zeitung abgedruckten Foto erkannt. Seine Majestät hat Humor, ihm gefällt dieser freche, dreiste Kerl und Edelganove und Wilhelm will ihn unbedingt kennen lernen. Das Treffen soll auf Vermittlung von Lupins Liaison Mina auf der kaiserlichen Sommerresidenz Hohkönigsburg im (damals noch deutschen) Elsass stattfinden. Kurzerhand wird Lupin entführt und heimlich über die Grenze ins Deutsche Reich gebracht. Die so unterschiedlichen Männer plaudern zunächst über beider Steckenpferd: Pferde. Dann aber kommt seine Majestät auf den Punkt. Während Lupin die Anwesenheit auf dem Kaiserschloss dazu nutzt, erneut mit Mina zu flirten, möchte der gutgelaunte Kaiser Lupin eine Wette anbieten. Um die Sicherheit seines versteckten Tresors zu prüfen, fordert Wilhelm den Franzosen heraus. Der Kaiser bietet Lupin 100.000 Mark für zwei Tage Arbeit an. In dieser Zeit soll Lupin das Versteck finden, in dem Wilhelm als zusätzliche Erfolgsprämie einen wertvollen Ring deponiert. Wilhelm möchte so prüfen, ob das Versteck sich für geheime Dokumente eignet, denn wenn nicht einmal der große Arsène Lupin es finden kann, dann ist es auch vor allen fremden Spionen sicher.

Mina hat indessen eigene Interessen, Lupin daran zu hindern, denn das Versteck haben ihr Großvater und ihr Onkel gebaut. Sie befürchtet, sie könnten in Ungnade fallen. Sie und Lupin verführen sich gegenseitig. Natürlich gelingt es Lupin, den Safe ausfindig zu machen, doch er entscheidet sich dazu, dem Monarchen nichts davon zu sagen, und belässt den Ring vor Ort. Stattdessen entnimmt er dem Geldschrank 1 Million Mark und reitet auf dem Rücken eines Pferdes von dannen. Als der Kaiser den Diebstahl entdeckt, ist er zunächst erbost, da aber das Versteck vermeintlich nicht gefunden werden konnte, ist er letztendlich zufrieden – ein selbst vor Arsène Lupin sicheres Versteck ist ihm gerne eine Million wert. Und auch Mina lässt Lupin ziehen.

Arsène Lupin kehrt also nach Paris zurück. Als Mina von Kraft ihn in seinem Stammrestaurant, dem Maxim’s, sucht, teilt man ihr mit, dass André Laroche verreist sei (in der dt. Fassung – in der frz. Fassung wurde er vom Oberkellner schlicht seit ein paar Tagen nicht mehr gesehen). Stattdessen ist auch ein Maharadscha, der einen wertvollen Diamanten als Schmuck an seinem Turban trägt, unter den Gästen. Der Diamant verschwindet fast unbemerkt, nur von Mina bemerkt, als sie Lupin, diesmal als Kellner verkleidet, erkennt. Sie verrät ihn nicht und er widmet ihr ein vertrauliches Augenzwinkern.

Produktionsnotizen

Die Romane von Maurice Leblanc um Arsène Lupin erlebten nach dem Zweiten Weltkrieg viele rasch vergriffene Auflagen. Jacques Becker gefiel es, die dreiste Gaunerfigur „zum Sinnbild einer Erscheinung der Epoche zu machen“, das „der hohlen Würde“ mit seinen althergebrachten Ordnungen „mit charmanter Unverfrorenheit ein paar kräftige Stöße“ versetzt.[3]

Arsène Lupin, der Millionendieb wurde vom 3. Juli bis zum 1. September 1956[4] in den Studios von Saint-Maurice (Atelieraufnahmen) und auf der Hohkönigsburg im Elsass (Außenaufnahmen), wo Jacques Becker zwei Jahrzehnte zuvor als Regieassistent von Jean Renoir bei Die große Illusion mitwirkte gedreht.[5]

Die Kostüme entwarfen Anne-Marie Marchand und Jacques Cottin, die aus opulenten 16 verschiedenen Bildern bestehenden Filmbauten Rino Mondellini. Ihm assistierte Pierre Guffroy. Ghislain Cloquet war als einfacher Kameramann unter der Oberleitung von Edmond Séchan eingesetzt. Albert Simonin verfasste die munteren Dialoge.[5]

Becker hatte Liselotte Pulver auf dem Titel einer Illustrierten gesehen und sie umgehend angefragt.[5]

Das Französische bereitete ihr keine Schwierigkeiten, da ihre Großmutter aus Paris stammte. Sie machte schon Pläne, in Paris zu bleiben, Angebote aus Deutschland verhinderten dies.[6]

Im Gegensatz dazu, war das Französische für O.E. Hasse eine „Plage“. Immerhin konnte er aufgrund der Rollenanlage zwischen Deutsch und Französisch wechseln.[7]

Regisseur Jacques Becker war voll des Lobes für O. E. Hasse. Er zählte ihn zu den „größten Komödianten“. Die bei ihm anzutreffende Grundeigenschaft dafür sei die „Gabe zur leichten Karikatur, die genaue Übertreibung“. Er verkörpere außerdem in allen Facetten das alte Europa, insbesondere das alte Preußen.[8][9]

Zuerst wollte kein Verleiher den Film in der Bundesrepublik herausbringen. Es dauerte etwas, bis sich in Atlantic-Film, München, ein Verleih fand.[10]

Am 22. März 1957 wurde er uraufgeführt. Die deutsche Erstaufführung fand im Juni 1957 während der Berlinale 1957 statt. Ein Novum war, dass O. E. Hasse dort gleich mit drei Filmen vertreten war. Die anderen beiden: Spuren in die Vergangenheit und Die Letzten werden die Ersten sein.[11]

Ab dem 13. September 1957 lief der Film schließlich in den bundesdeutschen Kinos.

Ein weiterer Arsène-Lupin-Film mit Lamoureux in der Titelrolle entstand 1959 unter dem Titel Gezeichnet: Arsène Lupin (Signé Arsène Lupin).

Kritiken

Zeitnahe Kritiken

Der Evangelische Filmbeobachter beschrieb den Film 1957 als eine „sehr scherzhafte und formal vollkommene Geschichte, die gegen Ende etwas blutarm“ werde. Arsène Lupin, der Millionendieb beweise offenkundig, dass Jux und Raffinesse allein einen Film nicht trügen. Die Nachbarländer Frankreich und Deutschland würden liebenswürdig-ironisch dargestellt.[12]

Die Welt kritisierte 1957, es handele sich um „eine Gaunerkomödie von schnöder Unwahrscheinlichkeit“.[13]

Der Rezensent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung verspürte 1957 „ein helles Vergnügen“ dank eines „solch gescheit gemachten Spaß[es]“.[14]

Im Kölner Stadtanzeiger wurde im März 1958 für den Leinwandgenuss einer „Komödie aus bester französischer Küche mit würzigen heimatlichen Zutaten“ geworben.[15]

In der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung hieß es 1958 überschwänglich: „Spannend, einfallsreich, graziös in komischen und sogar in amourösen Regionen, glänzend fotografiert, hinreißend gespielt.“[16]

Im Handbuch der katholischen Filmkritik von 1959 ist zu lesen, dass eine kluge Regie die Geschichte „so geistvoll ausgeschmückt“ habe, dass „die Langatmigkeit der Handlung zu verschmerzen“ sei.[17]

Spätere (jüngere) Kritiken

Das Lexikon des internationalen Films informiert:„Komödie um einen eleganten Meisterdieb Anfang der Jahrhundertwende, der nicht aus Habgier handelt, sondern in seinen Verbrechen eine intellektuelle Herausforderung sieht. Die Diebereien werden geistvoll, mit Freude an der Parodie inszeniert und gespielt; sie offenbaren Seitenhiebe auf den französischen wie den deutschen Nationalcharakter. Maurice Leblanc schuf mit seiner Romanfigur eine Ergänzung zu der des Fantômas.“[18]

Der Spiegel stufte den Film als „amüsante Gaunerkomödie“ ein und benannte Lilo Pulver und Robert Lamoureux, der als Dieb auch noch das Herz der von Pulver verkörperten Figur stehle, als zugkräftige Darsteller.[19]

Kay Weniger, Autor des Großen Personenlexikons des Films, gefällt das „vergnüglich ausgelassene Gaunerstück“.[20]

In Halliwell’s Film Guide heißt es, dieser sei der stilvollste Lupin-Film, obgleich er nicht auf den Originalgeschichten fußt. Er wurde mit einem von vier möglichen Sternen bewertet.[21]

Ulrich Gregor und Enno Patalas heben in ihrer Geschichte des Films die Milieuschilderung der Pariser Aristokratensalons hervor. In „karikaturistischer Manier“ würden sowohl gepflegte Manieren und weltmännisches Getue vorgeführt, als auch skrupellose Betrügerei und gesellschaftliches Parasitentum.[22]

Einzelnachweise

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