Peter Artedi

schwedischer Naturalist From Wikipedia, the free encyclopedia

Peter Artedi (eigentlich Petrus Arctaedius; * 27. Februar 1705[1] im Kirchspiel Anundsjö, Gemeinde Örnsköldsvik in Ångermanland; † 27. September 1735 in Amsterdam) war ein schwedischer Naturforscher. Er gilt als „Vater der Ichthyologie“.

Titelblatt der postum veröffentlichen Schriftensammlung Ichthyologia sive opera omnia de piscibus (1738)
Artedia squamata, die einzige Art der nach Artedi benannten Gattung Artedia
Peter Artedi, fiktives Porträt der schwedisch-venezolanischen Malerin Mary Pinzón

Leben und Wirken

Kindheit und Jugend

Artedi war das zweite Kind von Olaus Arctaedius (Olof Arctædius) und seiner Frau Helena Sidena. Olaus war vier Jahre lang Vorsteher des Kirchenbezirks, bevor sein Sohn Peter auf die Welt kam. Auch seine Mutter hatte klerikalen Hintergrund, denn sie war die Tochter von Petrus Sidenius von Stockholm, einem Lehrer der Philosophie und Richter. Diese religiöse Ausrichtung des Elternhauses prägte Peter, von dem erwartet wurde, dass er Geistlicher werden solle. Im September 1716 zog die Familie nach Nordmaling, einem Ort nahe der schwedischen Küste, wo er seinem mittlerweile fast 80-jährigen und nahezu erblindeten Vater bei der Leitung der Kirchengemeinde behilflich war. Die Nähe zum Meer ließ Peters bereits vorher latent vorhandenes Interesse an der Natur vollends erwachen. So begann er schnell, die reichhaltige Flora und Fauna zu beobachten, und verbrachte viel Zeit in der Natur.

Im selben Jahr ging er in die Schule in Härnösand, hatte zwar Kontakt zu Gleichaltrigen, befasste sich aber mehr mit dem Studium von Fischen und dem Sammeln von Pflanzen. Sobald er sich ausreichende Grundkenntnisse der lateinischen Sprache angeeignet hatte, begann er die Werke der früheren Alchemisten zu lesen. Seine allgemein guten Leistungen in der Schule führten dazu, dass er das Gymnasium in Härnösand erfolgreich abschloss und sich im Jahr 1724 in der Universität Uppsala einschrieb.

Zeit des Studiums

Ursprünglich kam Artedi an die Universität, um Philosophie und Theologie zu studieren, aber sein Interesse an der Natur und den Naturwissenschaften führte dazu, dass er den väterlichen Rat missachtete und sich entschied, Medizin zu studieren. So kam es, dass er sich sehr viel selbst beibringen musste, denn es gab lediglich zwei Professoren, Lars Roberg, einen angesehenen Anatomen und Zoologen, sowie Olof Rudbeck den Jüngeren, der Naturgeschichte lehrte.

Vier Jahre nachdem er seine universitäre Karriere begonnen hatte, kam Carl von Linné nach Uppsala mit der Absicht, ein Studium der Naturwissenschaften zu beginnen, und suchte nach Studenten mit ähnlichen Interessen. Er traf bald auf Artedi, und sie ergänzten sich gut, denn Artedi bearbeitete die Gebiete Alchemie, Ichthyologie sowie Herpetologie und überließ die Botanik, die Vögel und die Insekten Linné. Beide entwickelten eine enge Zusammenarbeit, so dass sie sich gegenseitig versprachen, sollte einem von beiden etwas zustoßen, so würde der jeweils andere seine Arbeit zu Ende führen.

1734 wollte Artedi ins Ausland reisen, um seine Studien zu erweitern. Dazu lieh er sich Geld und weitere Ausstattung bei seinen Schwägern und reiste zuerst nach London, wo er sich jedoch nur kurze Zeit aufhielt, um die Arbeiten Francis Willughbys und John Rays zu konsultieren.

Im Juli 1734 reiste Artedi nach Holland, wo er 1735 zufällig Linné in Leiden traf. Letzterer hielt sich bereits einige Zeit dort auf, und Albert Seba, ein reicher Apotheker deutschen Ursprungs, versuchte fortwährend vergeblich, Linné zum Studium der Fische zu bewegen. Linné machte Seba mit Artedi bekannt, welcher dem Wunsch Sebas sehr gerne nach kam.

Ichthyologica

Im Herbst 1735 erwarb Linnaeus mit finanzieller Unterstützung von George Clifford und Arctaedius’ Familie das Manuskript von Artedis Ichthyologia. Bis zum Frühjahr 1737 redigierte er es für den Druck, der vom Herbst 1737 bis zum März 1738 erfolgte. Der Druck von Ichthyologia sive opera omnia de piscibus erfolgte dabei in umgekehrter Reihenfolge der fünf Teile. Linnaeus stellte dem Werk mit Vita Petri Artedi außerdem eine kurze, auf den 10. März 1738 datierte, Biografie seines Freundes voran.[2]

Die fünfbändige Ichthyologia sive opera omnia de piscibus enthält eine kritische Würdigung von Arbeiten anderer Ichthyologen, eine ausführliche morphologische Charakterisierung der Fische und einen Diagnoseschlüssel für 45 Gattungen sowie die Beschreibung von 72 Arten.

In den ersten neun Auflagen von Systema Naturæ folgte Linné Artedis Klassifikation der Fische in die fünf Ordnungen Malacopterygii, Acanthopterygii, Branchiostegi, Chondropterygii und Plagiuri. In der 10. Auflage gab er sie zugunsten seiner eigenen auf und ordnete die Wale erstmals den Säugetieren zu.[3]

Ehrungen

Carl von Linné benannte ihm zu Ehren die Gattung Artedia der Pflanzenfamilie der Doldenblütler (Apiaceae).[4][5] Ferner gibt es bei den Cottidae (Groppen) die nordostpazifische Gattung Artedius. Zu der circumantarktischen Unterordnung Notothenioidei gehört die Gattung Artedidraco (Unterfamilie Artedidraconinae) mit mehreren Arten.

Rezeption

Von 1788 bis 1793 gab Johann Julius Walbaum unter dem Titel Petri Artedi renovati eine überarbeitete Fassung heraus.

Anlässlich seines 300. Geburtstages fand vom 13. bis 14. September 2005 ein Symposion über die Systematik der Fischkunde satt.[6]

Postume Schriften

Erhaltene Manuskripte

Neben Artedis und der von Linnaeus herausgegebenen Ichthyologica sind folgende Manuskripte erhalten geblieben:[7]

  • Catalogus piscium maris Balthici.
  • Manuscriptum ichthyologicum.
  • Idea institutionum Trichozoologiae.

Literatur

Ältere

Neuere

  • Hans Aili, Theodore W. Pietsch: Peter Artedi’s Catalogue of the Fishes of the Baltic Sea: An English translation with an introduction and commentary. In: Zoological Journal of the Linnean Society. Band 189, Nr. 3, 2020, S. 975–997 (doi:10.1093/zoolinnean/zlz162).
  • Hans Aili: Petrus Artedi. Ichthyologia, det vill säga alla verk om fiskarna. Stockholm 2022, ISBN 978-91-88567-69-7.
  • Helmut Engel: Some Artedi documents in the Amsterdam archives. In: Svenska Linnésällskapets Årsskrift. Band 34, 1951, S. 51–66.
  • Orvar Nybelin: Kring Petrus Artedis vistelse i England 1734–35. In: Svenska Linnésällskapets Årsskrift. Band 49, Uppsala 1966, S. 9–25.
  • Theodore W. Pietsch: The curious death of Peter Artedi. A mystery in the history of science. Scott & Nix, New York 2010, ISBN 978-0-9825102-8-5 (Digitalisat).
  • Theodore W. Pietsch, Hans Aili: Swedish naturalist Peter Artedi (1705–1735) and his place in the history of biosystematics as exemplified by his Ichthyologia sive opera omnia piscibus of 1738. In: Zootaxa. Band 5169, Nr. 6, 2022, S. 589–598 (doi:10.11646/zootaxa.5169.6.5).
  • Theodore W. Pietsch, Hans Aili: Peter Artedi’s “Manuscriptum ichthyologicum”, a source for Albertus Seba’s Locupletissimi rerum naturalium thesauri accurata descriptio (1759). In: Archives of Natural History. Band 50, Nr. 1, 2023, S. 118–132 (doi:10.3366/anh.2023.0832).
  • Theodore W. Pietsch, Hans Aili: Peter Artedi’s early observations of the spotted hyena and other exotic animals during a visit to London (1734–1735). In: Archives of Natural History. Band 50, Nr. 2, 2023, S. 410–416 (doi:10.3366/anh.2023.0869).
  • Theodore W. Pietsch, Hans Aili: Peter Artedi’s ‘Idea institutionum Trichozoologiae’ and the Classification of Mammals. In: Journal of Natural History. Band 57, Nr. 17–20, 2023, S. 1066–1079 (doi:10.1080/00222933.2023.2231576).
  • Didi van Trijp: Demarcating a discipline: Peter Artedi’s Ichthyologia and the classification of knowledge. In: Fish on paper: Ichthyology and the disciplining of Natural History (1680–1820) (= Emergence of Natural History Band 10). 2025, S. 83–134, ISBN 978-90-04-54949-4.
Commons: Peter Artedi – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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