Arthur A. Lumsdaine
US-amerikanischer Experimentalpsychologe und Angewandter Psychologe
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Arthur Allen Lumsdaine (* 23. November 1913 in Seattle; † 1. Mai 1989 ebenda) war ein Experimentalpsychologe und Angewandter Psychologe sowie zuletzt Professor an der University of Washington.[1]
Leben
Er wurde als Sohn von Arthur Henry Vere und Gladys E. (Strayer) Lumsdaine geboren. Seinen Bachelor of Science erwarb er 1937 an der University of Washington, 1949 promovierte er an der Stanford University zum Doctor of Philosophy. 1939 bis 1940 war er hier Lehrbeauftragter für Psychologie. Dann folgte von 1940 bis 1946 eine Stelle als Dozent für Psychologie an der Princeton University. In dieser Zeit arbeitete er 1942 bis 1946 auch als Psychologe und Statistiker im Kriegsministerium der Vereinigten Staaten. Er wurde von Carl I. Hovland angeworben, der damals Chefpsychologe und Direktor für experimentelle Studien in der Forschungsabteilung der Informations- und Bildungsabteilung des US-Kriegsministeriums war. Von 1946 bis 1949 wurde er Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Yale University. Es folgte von 1949 bis 1958 eine Stelle als Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Laborleiter bei der United States Air Force. 1958 war er Gastprofessor an der University of California, Berkeley. Von 1958 bis 1960 wurde er Programmleiter und leitender Wissenschaftler am American Institutes of Research (AIR) in Pittsburgh, einem gemeinnützigen und überparteilichen Forschungs-, Evaluierungs- und Beratungsorganisation für Verhaltens- und Sozialwissenschaften. Diese Stelle hat er nach 1960 als Forschungsberater beibehalten. 1960 wurde er Professor für Erziehungswissenschaften an der University of California, Los Angeles und 1965 Professor für Psychologie und Erziehungswissenschaften an der University of Washington, hier war er von 1965 bis 1971 Leiter des Fachbereichs Psychologie.
Seit 1949 war er auch als Berater in verschiedenen Organisationen tätig, so etwa von 1962 bis 1974 als Berater für Bildungsmedien sowie als Konferenzteilnehmer und Delegierter der Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO), 1965 als Berater der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken und 1967 als Berater der Europäischen Rundfunkunion (EBU) sowie 1967 als Teilnehmer der Internationalen Bildungskonferenz Williamsburg.
Werk
Er leistete bedeutende Beiträge zur Sozial- und Pädagogischen Psychologie. In der Sozialpsychologie trug er maßgeblich zur experimentellen Erforschung von Einstellungsänderungen bei. Später erkannte er das Potenzial von Lernmaschinen und programmiertem Unterricht und förderte deren Entwicklung.
Sein Hauptwerk befasste sich mit der Wirksamkeit von Medien für Ausbildung und Bildung. Der Dienst in der Armee zeigte ihm, welch entscheidende Rolle die Ausbildung in jeder großen Armee spielt. In den mit Carl I. Hovland und Fred D. Sheffield verfassten Büchern „The American Soldier“ und „Experiments on Mass Communication“ werden die Indoktrinations- und Ausbildungsmaßnahmen an Soldaten während des Zweiten Weltkriegs analysiert. Diese Arbeiten basieren auf einer Reihe von Studien der Experimentellen Abteilung des Forschungsreferats. Die Hauptaufgabe war die Evaluierung verschiedener Armeeprogramme mittels kontrollierter Experimente. Diese Programme sollten Soldaten die ideologischen Hintergründe des Krieges näherbringen. Insbesondere nahmen sie Vergleiche kontrollierter Experimente zu den Reaktionen auf die Filmreihe „Why We Fight“ der US-Armee vor und beleuchteten die Grenzen der Forschung zur Wirksamkeit verschiedener Kommunikationsmedien. In seiner Studie mit Irving Janis wird beispielsweise ein Experiment zur Wirksamkeit einseitiger vs. zweiseitiger Kommunikation bei der Vorbereitung von Personen auf die Abwehr nachfolgender Propaganda untersucht. Einige Probanden erhielten eine einseitige Version, die ausschließlich die Argumente zur Unterstützung der Schlussfolgerung des Sprechers präsentierte. Andere Probanden erhielten eine zweiseitige Version, die dieselben Argumente und dieselbe Schlussfolgerung enthielt, aber zusätzlich die Hauptargumente der Gegenseite erörterte. Bei den Personen, die keiner Gegenpropaganda ausgesetzt waren, erwiesen sich beide Versionen als etwa gleich wirksam bei der Meinungsänderung. Bei denjenigen, denen anschließend eine weitere Radiosendung mit einer gegenteiligen Position vorgespielt wurde, erwies sich die zweiseitige Version jedoch als deutlich wirksamer, um nachhaltige Meinungsänderungen herbeizuführen. Die Autoren betrachten die Wirksamkeit einer zweiseitigen Präsentation als „Impfung“ des Publikums gegen nachfolgende Gegenpropaganda.
Gleichzeitig wurde die Forschungsabteilung der Informations- und Bildungsabteilung des US-Kriegsministeriums von anderen Behörden des Kriegsministeriums beauftragt, die Methoden und Medien zu evaluieren, die in einem beispiellosen Umfang für die Massenkommunikation rein technischer Inhalte eingesetzt wurden. Er belegte dabei unterschiedliche Effekte für beiden Kommunikationsarten Indoktrination und Ausbildung. Er erkannte zudem das Potenzial von Lehrmaschinen und programmiertem Unterricht und unterstützte deren Entwicklung.
Ehrungen/Positionen
- Hervorragender Pädagoge und Psychologe laut Marquis Who's Who
- Mitglied der American Association for the Advancement of Science
- Mitglied der American Psychological Association (APA)
- 1971–1973: Gastwissenschaftler am Battelle-Institut
- 1968–1969: Präsident der Abteilung für Pädagogische Psychologie der APA
- 1967–1970: Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der APA
- Mitglied der American Educational Research Association
- Mitglied der Western Psychological Association
- Mitglied der Evaluation Research Society
- Mitglied der International Society Political Psychology
- Mitglied von Phi Beta Kappa
- Mitglied von Sigma Xi
- Mitglied von Phi Beta Kappa
- Mitherausgeber der Fachzeitschrift „Contemporary Psychology“
Privates
Er war seit dem 7. April 1945 verheiratet mit Marion Rebecca Harper. Aus der Ehe stammen die Söhne John, David und Peter. Er verstarb im Alter von 75 Jahren und ist im Lake View Cemetery von Seattle bestattet.[2]
Publikationen (Auswahl)
- Monografien
- Mit George Leonard Gropper: Issues in Programming Instructional Materials for Televised Presentation. Metropolitan Pittsburgh Educational Television Stations WQED-WQEX und American Institute for Research, Arlington 1961.
- Student Response in Programmed Instruction. National Academy of Sciences-National Research Council, Washington, D.C.1961.
- Mit Mark Arthur May: Learning from Films. Yale University Press, New Haven 1958.
- Mit Carl I. Hovland; Fred D. Sheffield: Experiments on Mass Communication. Princeton University Press, Princeton 1949.
- Ease of learning with pictorial and verbal symbols. Unpublished doctoral dissertation, Stanford University 1949.
- Herausgeberschaften
- Mit Donald B. Lindsley: Brain Function and Learning, Brain Function Volume IV (Studies in Social Psychology in World War II, Volume III). University of California Press, Oakland 2023, ISBN 978-0-520-34017-6.
- Mit Carl A. Bennett: Evaluation and Experiment: Some Critical Issues in Assessing Social Programs. Academic Press, Cambridge, Massachusetts 1976, ISBN 978-0-12-088850-4.
- Mit Robert Glaser: Teaching machines and programmed learning, a source book. Dept. of Audio-Visual Instruction, National Education Association, Washington, D.C. 1964.
- Mit S. M. Roshal: Experimental research on educational media. University of California Press, Oakland 1962.
- Zeitschriftenartikel/Buchbeiträge
- Mit M. C. Wittrock: Instructional psychology. In: M. R. Rosenzweig; L. W. Porter (Hrsg.): Annual Review of Psychology, 28. Palo Alto: Annual Reviews, 1977.
- Assessing the effectiveness of instructional programs. In: R. Glaser (Hrsg.): Teaching machines and programmed learning II: data and directions (S. 267–320). National Education Association, Washington DC 1965.
- Experimental research on instructional devices and materials. In: R. Glaser (Hrsg.): Training research and education (S. 247–294). Wiley, New York 1965.
- Educational technology, programmed instruction, and instructional sciences. In: E. R. Hilgard (Hrsg.): Theories of learning and instruction. 63rd yearbook of the National Society for the Study of V, Part 1 (S. 371–401). Chicago University Press, Chicago 1964.
- Design of Training Aids And Devices, U.S. Department of Education 1960, abgerufen am 16. Februar 2026.
- Instruments and media of instruction. In: N. L. Gage (Hrsg.): Handbook of research on teaching. A project of the American Educational Research Association (S. 583–682).: Rand McNally, Chicago 1963.
- Teaching machines and self-instructional materials. In: AV Communication Review, 1959, 7, S. 163–181.
- Partial and more complete automation of teaching in group and individual learning situations. In E. H. Galanter (Hrsg.): Automated teaching: the state of the art (S. 147–166). Wiley, New York 1959.
- Mit Irving L. Janis: Resistance to "Counterpropaganda" Produced by One-Sided and Two-Sided "Propaganda" Presentations. In: Public Opinion Quarterly, 1953, 17 (3), S. 311–318.
- Audio-visual research in the U.S. Air Force. In: AV Communication Review, 1953 1, S. 76–90.
- Mit Irving L. Janis; Arthur I. Gladstone: Effects of Preparatory Communications on Reactions to a Subsequent News Event. In: Public Opinion Quarterly, 1951, 15 (3), S. 487–518.
- Mit Hans Jürgen Eysenck; Samuel Andrew Stouffer; E. A. Suchman; L. C. DeVinney; S. A. Star; R. M. Williams, Jr.; M. H. Lumsdaine; M. Brewster Smith; I. L. Janis; L. S. Cottrell: The American Soldier. In: The British Journal of Sociology, 1950, 1 (4), S. 358–361.
- Experimental research and the improvement of teaching films. In: Educational Screen, 1947, 26, S. 254–255.
Weblinks
- Literatur von und über Arthur A. Lumsdaine im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Arthur A. Lumsdaine's research while affiliated with Yale University and other places auf Research Gate, abgerufen am 16. Februar 2026.
- Teaching Methods and programmed Instructions - Arthur A. Lumsdaine auf UNESCO.org, abgerufen am 16. Februar 2026.
- Experiments on Mass Communication