Arthur Bechtold

From Wikipedia, the free encyclopedia

Arthur Bechtold, vollständig Arthur Andreas Carl Bechtold, (geboren am 8. März 1874 in Königheim, Unterfranken; gestorben am 6. November 1946 in München) war ein deutscher Arzt, Kultur- und Kunsthistoriker sowie Literaturwissenschaftler und Sammler.

Leben

Bechtold war ein Sohn des Apothekers Jakob Bechtold (1845–1922) und dessen Frau Anna Maria Margarethe „Meta“ (geborene Riegel; 1843–1898) und hatte eine ältere Schwester, Maria Katharina Bechtold (1872–1891). Er wuchs in Würzburg auf und besuchte dort von 1880 bis 1893 die Volksschule und anschließend das Gymnasium, das er mit dem Abitur abschloss. Von 1893 bis 1897 studierte er an der Universität Würzburg Medizin und wurde mit seiner Dissertation Ein Fall von Tumor sacralis bei Spina bifida 1897 bei Georg Eduard von Rindfleisch promoviert. Danach arbeitete er als Assistenzarzt bei Wilhelm Leube und war als Militär- und Stabsarzt in Gießen, Würzburg und Landau tätig. 1909 nahm er seinen Abschied vom Militär, um sich ganz seinen Neigungen zur Historie zu widmen. Bechtold heiratete in diesem Jahr Marie Luise Auguste Matthes (1887–1928) und studierte bis 1913 Geschichte, Kunst- und Literaturgeschichte an der Universität Freiburg und arbeitete als Praktikant am Städtischen Museum. Er unternahm mehrere Studienreisen ins Ausland und ließ sich 1914 in München nieder, wo er bis zu seinem Tod als Privatgelehrter tätig war.

Bechtold beschäftigte sich mit der geschichtlichen Forschung und schrieb zahlreiche Artikel und Arbeiten zur Geschichte Würzburgs. Ein weiterer Schwerpunkt war die Literatur des Barock. So veröffentlichte er unter anderem ein Buch über den Schriftsteller Johann Jakob Christoffel von Grimmelshausen sowie eine Reihe von Untersuchungen zu dessen Werk Der abenteuerliche Simplicissimus.

Er war, wie schon sein Vater, ein Sammler und hatte bereits während seines Medizinstudiums den Grundstock zu einer bedeutenden Kunst- und Schriftensammlung gelegt. Sein besonderes Interesse galt der niederländischen Malerei, aber auch der Geschichte Würzburgs, zu der er zahlreiche Stadtansichten zusammengetragen hatte. Seine graphischen Sammlungen vermachte er testamentarisch dem Mainfränkischen Museum und die gesammelten Handzeichnungen des 19. Jahrhunderts, die nicht fränkisch waren, kamen in das Augustinermuseum nach Freiburg. Daneben hatte er eine umfangreiche Sammlung archivalischer Materialien, die dem Stadtarchiv Würzburg übereignet wurden. Der Erlös aus der Versteigerung seiner Gemäldesammlung kam nach seinem letzten Willen seiner Vaterstadt Königheim zugute und den Erlös aus der Versteigerung seiner Bibliothek vermachte er dem Historischen Verein Würzburg (Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte e. V.).

Bechtolds Bibliothek enthielt unter anderem Werke zur Kultur-, Orts- und Landesgeschichte der Barockzeit und zur Studentengeschichte. Darunter 300, teilweise sehr seltene Originalausgaben der Barockliteratur, insbesondere die Werke des Johann Michael Moscherosch, aber auch von Dichtern wie Abraham a Sancta Clara, Grimmelshausen, Andreas Gryphius, Harsdörffer, Hofmann von Hofmannswaldau, Hans Sachs, Philipp von Zesen und weiteren ihrer Zeitgenossen. Er besaß beispielsweise eine Erstausgabe von Johann Sigismund Scholzes Liedersammlung Die singende Muse an der Pleiße aus dem Jahr 1736 und eine Ecclesiologia von Johannes Scheffler. Weitere seltene Werke waren die Emblem-Bücher und die von weitgehend Unbekannten verfassten Liebesromane des 17. Jahrhunderts. Die Bibliothek wurde 1957 in Heidelberg versteigert.[1]

Ehrungen (Auswahl)

  • 1. August 1924: Ehrenbürger der Stadt Renchen im Schwarzwald
  • 1944: Stadtplakette der Stadt Würzburg anlässlich seines 70. Geburtstags
  • 1961: Einrichtung der „Dr.-Bechtold-Stiftung“ in Königheim, die Studienbeihilfen für gebürtige Königheimer vergibt[2]
  • In Königheim ist die „Dr.-Bechtold-Straße“ nach ihm benannt

Schriften (Auswahl)

  • Ein Fall von Tumor sacralis bei Spina bifida. Würzburg 1897 (Dissertation).
  • Grimmelshausen und seine Ernennung zum Renchener Schultheißen. In: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins. Band 66, Neue Folge Band 27, 1912, S. 149–152 (Textarchiv – Internet Archive).
  • Beiträge zu einer Biographie Moscheroschs. In: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins. Band 71, Neue Folge Band 32, 1917, S. 562–572 (Textarchiv – Internet Archive).
  • Johann Jacob Christoph von Grimmelshausen und seine Zeit. Winter, Heidelberg 1914; Neue Ausgabe. Musarion Verlag, München 1919 (archive.org).
  • Kritisches Verzeichnis der Schriften Johann Michael Moscheroschs; nebst einem Verzeichnis der über ihn erschienenen Schriften. Stobbe, München 1922.
  • Georg Pfründt. Münzhandlung A. Riechmann, Halle/Saale 1925 (archive.org).
  • Moscherosch auf der Hartenburg. In: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins. Band 80, Neue Folge Band 41, 1928, S. 387–414 (Textarchiv – Internet Archive).
  • Ein Plan zur Wiedereroberung Freiburgs und Breisachs 1642. In: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins. Band 81, Neue Folge Band 42, 1929, S. 412–443 (Textarchiv – Internet Archive).
  • mit Clemens Schenk: Alt-Würzburg. Eine Auswahl bildlicher Darstellungen aus Würzburgs Vergangenheit nach zeitgenössischen Gemälden, Handzeichnungen, Holzschnitten, Kupferstichen, Lithographien in 100 Bildern. Wilhelm Kurt Kabitzsch, Würzburg 1928, doi:10.48651/franconica-6238125531244.
  • Kulturbilder aus dem alten Würzburg. Mönnich, Würzburg 1935.
  • Aus dem alten Würzburg. Beiträge zur Kulturgeschichte der Stadt. Triltsch, Würzburg 1940.

Literatur

  • Max H. von Freeden: Dr. A. Bechtold. In: Main-Post. Zeitung für Unterfranken. 2. Jahrgang, Nr. 92, 15. November 1946, S. 5.
  • Dr. Arthur Bechtold und seine Barock-Bibliothek. In: Wertvolle Bücher des 15.–20. Jahrhunderts. Handschriften – Autographen. Bibliothek Dr. A. Bechtold (Barockliteratur). Helmut Tenner, Heidelberg 1957, doi:10.11588/DIGLIT.77177 (ub.uni-heidelberg.de Auktionskatalog Auktion 7. 4.–5. Juni 1957).
  • Max H. von Freeden: Dr. Arthur Bechtold (†). Nachruf. In: Mainfränkisches Jahrbuch für Geschichte und Kunst. Band 2, 1950, S. 316–318
  • Walter Michael Brod: Bechtold-Bibliographie. In: Mainfränkisches Jahrbuch für Geschichte und Kunst. Band 2, 1950, S. 318–322.
  • Clemens Siebler: Bechtold, Arthur Andreas Carl. In: Badische Biographien Neue Folge 5, Stuttgart 2005, S. 5–7 (leo-bw.de).

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI