Arthur Cohn
Schweizer Filmproduzent
From Wikipedia, the free encyclopedia
Arthur Cohn (* 4. Februar 1927 in Basel; † 12. Dezember 2025 in Jerusalem[1]) war ein Schweizer Filmproduzent und mehrfacher Oscar-Preisträger.[2][3]

Leben und Wirken
Arthur Cohns Vater Marcus war ein Basler Anwalt und rettete aus seinem Schweizer Standort viele Juden im Zweiten Weltkrieg; seine Mutter Rose stammte aus Berlin, war Lyrikerin und schrieb u. a. Texte für das Cabaret Cornichon. Sein Grossvater Arthur Cohn (1862–1926) war von 1885 bis 1926 der erste vollamtliche Rabbiner der Israelitischen Gemeinde Basel.
Arthur Cohn verbrachte seine Jugend- und Studienjahre in Basel, danach folgten Jahre als Journalist, u. a. beim «Echo der Zeit» (Radio) und die Beschäftigung mit der Konzeption von Drehbüchern, die ihn zum Film brachte.
Seine bekanntesten Produktionen sind Der Garten der Finzi Contini (1970), unter der Regie von Vittorio De Sica, sowie Die Kinder des Monsieur Mathieu (2004, Regie: Christophe Barratier), der besonders in Frankreich erfolgreich war. Mehrere Filme des brasilianischen Regisseurs Walter Salles wurden von ihm mitproduziert. Engste Mitarbeiter Cohns in den letzten drei Jahrzehnten waren Pierre Rothschild (Zürich) und Lillian Birnbaum (Paris).
Cohn starb im Dezember 2025 im Alter von 98 Jahren in Jerusalem.[1]
Ehrungen
Oscargewinne
Die Dokumentarfilme Nur Himmel und Dreck (1960, gemeinsam mit René Lafuite), American Dream (1990, gemeinsam mit Barbara Kopple) und Ein Tag im September (1999, gemeinsam mit Kevin Macdonald) wurden mit einem Oscar ausgezeichnet,[3][2] den Cohn jeweils als einer der Produzenten und Preisträger entgegennahm.
Nach offizieller Lesart der vergebenden Academy ist Cohn somit dreifacher Oscargewinner.
Arthur Cohn bezeichnete sich selbst in Pressetexten jedoch stets als sechsfachen Oscar-Preisträger[4] und hat auch sechs Oscar-Statuen in seinem Besitz.[5] Die drei weiteren Oscars wurden jeweils für den besten fremdsprachigen Film verliehen, im Einzelnen waren dies Der Garten der Finzi Contini (Auszeichnung 1972), Sehnsucht nach Afrika (Auszeichnung 1977) sowie Gefährliche Züge (Auszeichnung 1985). Produzenten können namentlich mit dem Oscar jedoch nur bei Dokumentarfilmen und englischsprachigen Spielfilmen geehrt werden. Der Oscar für den besten fremdsprachigen Spielfilm wird an das Werk als Ganzes und an das Land, das die Bewerbung einreicht, verliehen[6]. So war Cohn Produzent von Sehnsucht nach Afrika (Frankreich/Schweiz/Elfenbeinküste), offiziell verliehen wurde der Oscar jedoch an die ebenfalls mitproduzierende Elfenbeinküste (einreichendes Land) und den Film als Ganzes.
Weitere Ehrungen
Arthur Cohn erhielt für sein Schaffen mehrere Ehrungen: Die Boston University (1998), die Yeshiva University (2001), die Universität Basel (2006)[7] und die Bar-Ilan-Universität (2021)[8] verliehen ihm Ehrendoktorate. 1995 ehrte ihn das französische Kulturministerium mit dem Commandeur de l’Ordre des Arts et des Lettres, dem höchsten Orden, den ein nichtfranzösischer Bürger erhalten kann. Cohn war am 17. November 1992 der erste nicht-US-amerikanische Produzent, dessen Name einen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame erhielt. Zudem wurde er im November 2005 im Rahmen einer Benefiz-Gala mit dem UNESCO-Award ausgezeichnet.[9]
Auf dem Basler Münsterplatz fand während der sommerlichen Openair-Kinoveranstaltung regelmässig eine Arthur-Cohn-Gala statt, zuletzt am 27. Juli 2006.[10] Dabei wurde jeweils seine neuste Produktion aufgeführt und vorgestellt.
Cohn erhielt den Preis für das Lebenswerk vom Chicago International Film Festival (1992), Jerusalem Film Festival (1995), Internationales Filmfestival Shanghai (1999) sowie vom Haifa International Film Festival (2016).
Am 11. Februar 2019 wurde Arthur Cohn von der Cinema-for-Peace-Foundation in Berlin für sein Lebenswerk ausgezeichnet.[11]
Filmografie
| Jahr | Film | Bemerkungen |
|---|---|---|
| 1961 | Nur Himmel und Dreck (Le Ciel et la Boue) | Oscar/Bester Dokumentarfilm |
| 1963 | Mit Karl May im Orient | TV-Serie, gedreht in Jugoslawien |
| 1964 | Paris Secret | Dokumentarfilm |
| 1967 | Siebenmal lockt das Weib (Woman Times Seven) | Golden-Globe-Award-Nominierung für Shirley MacLaine als Beste Hauptdarstellerin |
| 1968 | Clown | Kurzstummfilm |
| Der Duft deiner Haut (Amanti) | ||
| 1970 | Sonnenblumen (I girasoli) | |
| Der Garten der Finzi Contini (Il giardino dei Finzi-Contini) | Oscar/Bester internationaler Film | |
| 1972 | Lo chiameremo Andrea | |
| 1973 | Ein kurzer Urlaub (Una breve vacanza) | David di Donatello-Preis Gewinner |
| 1976 | Sehnsucht nach Afrika (La Victoire en chantant) | Oscar/Bester internationaler Film |
| 1979 | Verhängnisvolle Freundschaft (L’Adoption) | |
| 1981 | Der gelbe Stern – Die Judenverfolgung 1933–1945 | Oscar-Nominierung für Bester Dokumentarfilm |
| 1984 | Theater der Liebe (L'Amour par terre) | |
| Gefährliche Züge (La Diagonale du fou) | Oscar/Bester internationaler Film | |
| 1990 | American Dream | Oscar/Bester Dokumentarfilm |
| 1991 | Novembertage | Dokumentarfilm zum Fall der Berliner Mauer |
| 1995 | 25 Cents (Two Bits) | |
| 1997 | White Lies – Das Leben ist zu kurz, um ehrlich zu sein (White Lies) | |
| 1998 | Central Station (Central do Brasil) | Oscar-Nominierung für Bester internationaler Film und Beste Hauptdarstellerin und Golden Globe Award/Bester fremdsprachiger Film |
| 1999 | Kinder der Nacht (Children of the Night) | Kurzdokumentarfilm mit rarem Material zu Kindern im Holocaust |
| Ein Tag im September (One Day in September) | Oscar/Bester Dokumentarfilm | |
| 2001 | Hinter der Sonne (Abril Despedaçado) | Golden-Globe-Award-Nominierung für Bester fremdsprachiger Film |
| 2004 | Die Kinder des Monsieur Mathieu (Les Choristes) | Oscar-Nominierung für Bester internationaler Film und Bester Song |
| 2008 | Das gelbe Segel (The Yellow Handkerchief) | |
| Die Kinder der Seidenstraße (The Children of Huang Shi) | ||
| 2009 | Federfächer und Seidenband (Feathered Fan and Silken Ribbon) | Dokumentarfilm |
| 2012 | Russendisko | |
| 2018 | Das etruskische Lächeln (The Etruscan Smile) |
Schriften
- Der Staat Israel – heute. Frey, Basel 1950.
- Unruheherd Mittlerer Osten. Athena, Basel 1953.
- Israel: wie es lebt und lacht. Maor, Jerusalem 1963.
Literatur
- Gero von Boehm: Arthur Cohn. In: Begegnungen. Menschenbilder aus drei Jahrzehnten. Collection Rolf Heyne, München 2012, ISBN 978-3-89910-443-1, S. 307–315 (Interview).
- Thomas Gmür: Arthur Cohn. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 18. Dezember 2003.
- -minu: Arthur Cohn: der Mann mit den Träumen. In: Basler Zeitung. Basel 1999, ISBN 3-85815-341-9.
Weblinks
- Publikationen von und über Arthur Cohn im Katalog Helveticat der Schweizerischen Nationalbibliothek
- Literatur von und über Arthur Cohn im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Arthur Cohn bei IMDb
- Michael Bahnerth: Das Leben schuldet mir nichts! 79 Fragen an Arthur Cohn. In: Basler Zeitung. 20. August 2012.