Askolds Grab (Oper)

Oper von Alexei Werstowski From Wikipedia, the free encyclopedia

Askolds Grab (russisch Аскольдова могила Askoldowa mogila) ist eine romantische Oper in vier Akten und sechs Bildern des russischen Komponisten Alexei Werstowski, nach einem Libretto von Michail Sagoskin nach dessen gleichnamigem Roman von 1833. Sie wurde am 16. Septemberjul. / 28. September 1835greg. im Bolschoi-Theater in Moskau uraufgeführt und bis zum Ersten Weltkrieg sowohl im Russischen Kaiserreich als auch international zu einem jahrzehntelangen Erfolg.

Schnelle Fakten Operndaten, Personen ...
Operndaten
Titel: Askolds Grab
Originaltitel: Аскольдова могила (Askoldowa mogila)

Titelblatt der Partiturausgabe von 1839

Form: Romantische Oper in vier Akten
Originalsprache: Russisch
Musik: Alexei Werstowski
Libretto: Michail Sagoskin
Literarische Vorlage: Michail Sagoskin: gleichnamiger Roman
Uraufführung: 16. Septemberjul. / 28. September 1835greg.
Ort der Uraufführung: Bolschoi-Theater Moskau
Spieldauer: ca. 2 ½ Stunden[1]
Ort und Zeit der Handlung: um 960 in der Nähe von Kiew
Personen
  • der Fremde/Unbekannte (Bass)
  • Toropka Golowan (Торопка Голован), Gudokspieler (Tenor)
  • Wseslaw (Всеслав), fürstlicher Knappe (Tenor)
  • Alexei (Алексей), ein alter Fischer (Bass)
  • Nadeschda (Надежда), seine Tochter (Sopran)
  • Wyschata (Вышата), fürstlicher Beschließer (Bass)
  • Frelaf (Фрелаф), warägischer Schwertträger (Tenor)
  • Stemid (Стемид), fürstlicher Reitknecht (Tenor)
  • Fenkal (Фенкал), warägischer Sänger (Tenor)
  • Buslajewna (Буслаевна), Kindermädchen (Sopran)
  • Ljubascha (Любаша), eine junge Kiewerin (Sopran)
  • zwei Wächter (2 Bässe)

Sprechrollen

  • Prosten (Простен), fürstlicher Schildknappe
  • Jakun (Якун), Ikmor (Икмор), Ruald (Руальд), Erik (Эрик) und Arnulf (Арнульф), Krieger der warägischen Gefolgschaft
  • Ostromir (Остромир), fürstlicher Falkner
  • Wachramejewna (Вахрамеевна), Kiewer Hexe
  • Sadko (Садко), Jurka (Юрка), Plenko und Tschurila, Diener aus Predislawino
  • Starucha (Старуха)
  • zwei Fischer

Chor und Statisten

  • Frauen und Männer aus Kiew
  • Slawen und Waräger im Gefolge des Fürsten Swjatoslaw
  • Knechte und Dienerinnen aus Predislawino
  • Fischer
  • Höllengeister[1]
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Handlung

Die Handlung der Oper beruht auf Berichten aus der Entstehungsgeschichte der Kiewer Rus. Askold und Dir waren zwei legendäre Fürsten der Rus. Sie waren Gefolgsleute von Rjurik, die sich im 9. Jahrhundert in Kiew niederließen. Laut der Nestorchronik tötete Rjuriks Nachfolger Oleg der Weise Askold und Dir. Die Heilige Olga von Kiew ließ an ihrer Grabstätte zwei Kirchen errichten. Das Mahnmal am Ufer des Dnepr, in unmittelbarer Nähe der St.-Nikolaus-Kirche auf Askolds Grab, besteht bis heute.

Die Handlung spielt im 10. Jahrhundert, zu Beginn der Herrschaft von Großfürst Swjatoslaw I., neben dem Grab von Fürst Askold. Eine wesentliche Rolle spielt die Liebesgeschichte zwischen dem Waisenjungen Wseslaw, Liebling des Großfürsten Swjatoslaw, und der Fischerstochter Nadeschda. Beide treffen Vorbereitungen für ihre Hochzeit. Plötzlich erscheint eine namenlose Gestalt namens „der Unbekannte“. Er will den Mord an Askold, dem vorherigen Herrscher Kiews, rächen. Der Unbekannte versucht Wseslaw zu überreden, Swjatoslaw zu töten und dessen Macht an sich zu reißen. Doch Wseslaw widersetzt sich diesem Plan. In einer magischen Beschwörungsszene im vierten Akt, untermalt von einem Chor unsichtbarer Geister, kommt die Hexe Wachramejewna dem Aufenthaltsort des von Swjatoslaws Haushofmeister entführten Liebespaars auf die Spur. Die beiden sind kurz davor, sich im Dnepr zu ertränken, als sie unversehens begnadigt werden, worauf nun der Unbekannte von den Wassermassen verschlungen wird. Zahlreiche Volkslieder und Tänze untermalen die Handlung.[2]

Gestaltung

Orchester

Die Orchesterbesetzung der Oper umfasst die folgenden Instrumente:[1]

Nummernfolge

Arie des Unbekannten (Nr. 4). Aufnahme mit Grigori Pirogow, 1910
  1. Ouvertüre

Erster Akt

  1. Introduktion und Lied Nadeschdas
  2. Chor der Fischer
  3. Arie des Unbekannten
  4. Chor der Fischer
  5. Chor der Bauern
  6. Chor und Arie des Unbekannten
  7. Finale

Zweiter Akt

  1. Zwischenaktmusik, Couplets von Frelaf und Chor
  2. Ballade Torops
  3. Lied Torops und Chor
  4. Arie des Unbekannten und Chor in den Ruinen
  5. Chor der Bauern
  6. Choir der Bauern und Finale
  7. Finale

Dritter Akt

  1. Zwischenaktmusik und Chor junger Mädchen
  2. Slawischer Tanz
  3. Nadeschdas Arie
  4. Torops Lied
  5. Chor und Torops Lied
  6. Finale

Vierter Akt

  1. Zwischenaktmusik und Chor
  2. Melodrama, Chor und Duett
  3. Trio (Unbekannter, Wseslaw und Nadeschda) und Finale
  4. Finale

Einflüsse

Der dramatische Ablauf ist in hohem Maße von Webers romantischer Oper Der Freischütz beeinflusst, die nach ihrer Erstaufführung 1824 in Russland landesweit bekannt wurde. Darüber hinaus enthalten die Chorpartien für Fischer, Bauern und Jungfrauen zahlreiche Anklänge an russische Volksmusik.[2]

Die komische Rolle des Warägers Farlaf ist eine Vorwegnahme des gleichnamigen nichtsnutzigen Ritters in Michail Glinkas Oper Ruslan und Ljudmila (1842). Der jugendliche Torop wurde zum Vorläufer einer Reihe bunter Volksfiguren auf der russischen Opernbühne, wie zum Beispiel die Musikanten Jeroschka und Skula in Fürst Igor von Alexander Borodin (1890), der Hirte Lel in Schneeflöckchen (1882) oder der Säufer Grischka Kuterma in Die Legende von der unsichtbaren Stadt Kitesch (1907) von Nikolai Rimski-Korsakow.[3]

Werkgeschichte

Der Komponist Alexei Werstowski

Die Uraufführung von Askolds Grab fand am 16. Septemberjul. / 28. September 1835greg. im Bolschoi-Theater in Moskau statt, ein Jahr vor Glinkas Oper Ein Leben für den Zaren. Die weibliche Hauptrolle Nadeschda wurde durch Nadeschda Repina verkörpert, die Frau des Komponisten. In Sankt Petersburg wurde die Oper erstmals 1841 aufgeführt, mit dem berühmten Bassisten Ossip Petrow in der Rolle des Unbekannten.

Es wurde behauptet, dass Gioachino Rossini die Komposition Westowskis musikalisch ausgearbeitet habe, um mit dem Honorar Spielschulden zu begleichen.[4] In der Folge wurden zwei Klavierauszüge herausgegeben, einer von Konstantin Vilboa (1817–1882), der andere von Alexander Guriljow.

Bis zum Ende der 1860er Jahre erreichte das Werk 200 Aufführungen in St. Petersburg und 400 in Moskau. Es wurde als erste russische Oper 1865 in den USA aufgeführt. Der Bassist Fjodor Schaljapin wählte die Rolle des Unbekannten für einen Auftritt als 18-jähriger in einem Benefizkonzert im März 1891. Eine Aufführung im Jahre 1914 im Simin-Operntheater in Moskau war ebenfalls ein großer Erfolg.

In der Sowjetzeit blieb Askolds Grab jahrzehntelang vergessen und erlebte gegen Ende des Zweiten Weltkriegs eine allerdings erfolglose Wiedergabe in einem Moskauer Operettentheater. Erst 1959 gelangte das Werk wiederum auf die Bühne, in einer Neufassung des Librettos durch Nil Birjukow (1907–1979).

Literatur

  • Alexej Parin: Paradigmen der russischen Oper. Kapitel V: Feuer, Wasser und das Licht ohne Flamme: Das Allerheiligste. Hollitzer Verlag, 2016, JSTOR:j.ctv6jmv9c, S. 159–218.
Commons: Askold's Grave (opera) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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