Astrocyanit-(Ce)
Mineral aus der Gruppe der Uranyl-Carbonate
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Astrocyanit-(Ce) ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Carbonate und Nitrate“ mit der idealisierten chemischen Zusammensetzung Cu2Ce2(UO2)(CO3)5(OH)2·1,5H2O[1] und ist damit chemisch gesehen ein wasserhaltiges Kupfer-Cer-Uranylcarbonat mit zusätzlichen Hydroxidionen.
| Astrocyanit-(Ce) | |
|---|---|
| Allgemeines und Klassifikation | |
| IMA-Nummer |
1989-032[1] |
| IMA-Symbol |
Acy-Ce[2] |
| Chemische Formel | |
| Mineralklasse (und ggf. Abteilung) |
Carbonate und Nitrate |
| System-Nummer nach Lapis-Systematik (nach Strunz und Weiß) Strunz (9. Aufl.) Dana |
V/F.06-005[3] 5.EF.05 16b.01.06.01 |
| Kristallographische Daten | |
| Kristallsystem | hexagonal |
| Kristallklasse; Symbol | dihexagonal-dipyramidal; 6/m2/m2/m[5] |
| Raumgruppe (Nr.) | P6/mmm (Nr. 191)[4] (Nr. 191) |
| Gitterparameter | a = 14,96 Å; c = 26,86 Å[4] |
| Formeleinheiten | Z = 12[4] |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mohshärte | 2 bis 3[6] |
| Dichte (g/cm3) | gemessen: 3,80; berechnet: 3,95[6] |
| Spaltbarkeit | gut nach {0001}[5] |
| Farbe | hellblau, blaugrün |
| Strichfarbe | bläulichweiß[3] |
| Transparenz | durchscheinend bis undurchsichtig[6] |
| Glanz | Glasglanz[6] |
| Radioaktivität | sehr stark radioaktiv |
| Kristalloptik | |
| Brechungsindizes | nω = 1,688[7] nε = 1,638[7] |
| Doppelbrechung | δ = 0,050[7] |
| Optischer Charakter | einachsig negativ |
| Pleochroismus | Stark: hellblau bis hellblau, fast farblos[7] |
Astrocyanit-(Ce) kristallisiert im hexagonalen Kristallsystem, entwickelt jedoch nur sehr kleine, tafelige Kristalle bis etwa einem Millimeter Größe, die oft zu stern- bis rosettenförmigen Mineral-Aggregaten angeordnet sind. Die durchscheinenden bis undurchsichtigen Kristalle sind von hellblauer bis blaugrüner Farbe und zeigen auf den Oberflächen einen glasähnlichen Glanz. Auf der Strichtafel hinterlässt Astrocyanit-(Ce) einen bläulichweißen Strich.
Etymologie und Geschichte
Astrocyantit-(Ce) wurde erstmals 1990 von Michel Deliens und Paul Piret beschrieben.[8] Die Autoren geben als allgemeine Formel für den variierenden Gehalt an Seltenerdelementen (REE = Rare Earth Element(s)) die Formel mit Cu2(REE)2(UO2)(CO3)5(OH)2·1,5(H2O) an. Der Name des Minerals setzt sich aus altgriechisch ἄστρον ástron, deutsch ‚Stern‘, und κυανός kyanós, deutsch ‚dunkelblau‘, zusammen.
Das Typmaterial des Minerals wird im Muséum des sciences naturelles de Belgique unter der Katalog-Nr. RC3513 aufbewahrt.[6]
Klassifikation
In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz war der Astrocyanit-(Ce) noch nicht aufgeführt.
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer V/F.06-005. Dies entspricht der Klasse der „Nitrate, Carbonate und Borate“ und dort der Abteilung „Uranylcarbonate [UO2]2+–[CO3]2−“, wo Astrocyanit-(Ce) zusammen mit Bijvoetit-(Y), Kamotoit-(Y) und Shabait-(Nd) eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer V/F.06 bildet.[3]
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[9] 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Astrocyanit-(Ce) in die verkleinerte Klasse der „Carbonate und Nitrate“ und dort in die Abteilung „Uranylcarbonate“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach dem Stoffmengenverhältnis vom Uranyl- zum Carbonatkomplex. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „UO2 : CO3 > 1 : 1“ zu finden, wo es als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 5.EF.05 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen und zuletzt 1997 veröffentlichten Systematik der Minerale nach Dana hat Astrocyanit-(Ce) die System- und Mineralnummer 16b.01.06.01. Das entspricht wie in der Lapis-Systematik der gemeinsamen Klasse der „Carbonate, Nitrate und Borate“ und dort der Abteilung „Carbonate mit Hydroxyl oder Halogen“. Hier findet er sich als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 16b.01.06.[10]
Kristallstruktur
Astrocyanit-(Ce) kristallisiert in der hexagonalen Raumgruppe P6/mmm (Raumgruppen-Nr. 191) mit den Gitterparametern a = 14,96 Å (1 Å = 100 pm) und c = 26,86 Å sowie 12 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[4]
Eigenschaften
Das Mineral ist durch seinen Urangehalt von bis zu 25,0 Gew.-% sehr stark radioaktiv. Unter Berücksichtigung der natürlichen Zerfallsreihen wird für Astrocyanit-(Ce) eine spezifische Aktivität von etwa 45,2 kBq/g angegeben[5] (zum Vergleich: natürliches Kalium 0,0312 kBq/g).
Durch die begleitenden Seltenerdelemente können die Summenformeln unterschiedlicher Mineralproben von Astrocyanit-(Ce) voneinander abweichen. Beispielsweise gibt Webmineral neben der eingangs genannten Formel zusätzlich folgende Formel für die Zusammensetzung an: Cu2Ce0,1Nd0,6La0,2Pr0,2Sm0,1(UO2)(CO3)5(OH)2·2,7(H2O)[5] In absteigender Häufigkeit finden sich folgende Seltenerdelemente als Begleiter in Astrocyanit-(Ce): Cer (Ce), Neodym (Nd), Lanthan (La), Praseodym (Pr), Samarium (Sm) und Yttrium (Y).
Bildung und Fundorte

Astrocyanit-(Ce) bildet sich als sekundäres Uranmineral in der Oxidationszone von Kupfer-Cobalt-Lagerstätten. Es ist dort vergesellschaftet mit Françoisit-(Nd), Kamotoit-(Y), Masuyit, Schuilingit-(Nd), Shabait-(Nd), Uraninit und Uranophan.[6]
Das Mineral ist bisher ausschließlich aus der Typlokalität Kamoto Ost (Kamoto East Open cut) in Kamoto in der Demokratischen Republik Kongo bekannt.[11]
Vorsichtsmaßnahmen
Auf Grund der starken Radioaktivität des Minerals sollten Mineralproben vom Astrocyanit-(Ce) nur in staub- und strahlungsdichten Behältern, vor allem aber niemals in Wohn-, Schlaf- und Arbeitsräumen aufbewahrt werden. Ebenso sollte wegen der hohen Toxizität und Radioaktivität von Uranylverbindungen eine Aufnahme in den Körper (Inkorporation, Ingestion) auf jeden Fall verhindert und zur Sicherheit direkter Körperkontakt vermieden sowie beim Umgang mit dem Mineral Mundschutz und Handschuhe getragen werden.
Siehe auch
Literatur
Weblinks
- Astrocyanit-(Ce). In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung
- IMA Database of Mineral Properties – Astrocyanite-(Ce). In: rruff.net. RRUFF Project (englisch).
- Astrocyanit-(Ce). In: agab.be. Association des Géologues Amateurs de Belgique (AGAB)
