At Land
Film von Maya Deren (1944)
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At Land ist ein US-amerikanischer kurzer, stummer Experimentalfilm von Maya Deren aus dem Jahr 1944. Gedreht wurde in Schwarzweiß auf 16-mm-Film; als Kameraleute werden Alexander Hammid und Hella Heyman (auch: Hella Hammid) genannt.[1][2] Die Laufzeit wird je nach Quelle mit 14 oder 15 Minuten angegeben.[1][3][4]
| Film | |
| Titel | At Land |
|---|---|
| Produktionsland | Vereinigte Staaten |
| Erscheinungsjahr | 1944 |
| Länge | 14–15 Minuten |
| Stab | |
| Regie | Maya Deren |
| Drehbuch | Maya Deren |
| Kamera | Alexander Hammid; Hella Heyman |
| Schnitt | Maya Deren |
| Besetzung | |
| |
Handlung
Zu Beginn wird eine Frau (Maya Deren) an einen Strand gespült; die Brandung läuft in umgekehrter Richtung zurück ins Meer.[5] Im Verlauf gelangt sie über abrupte Orts- und Raumsprünge in eine bürgerliche Gesellschaftsszene: Sie kriecht über einen gedeckten Tisch, ohne dass die Anwesenden Notiz von ihr nehmen.[5] Eine Schachpartie bildet ein wiederkehrendes Motiv; ein Spielstein gerät in Bewegung und wird zum Auslöser einer Verfolgung, die die Protagonistin zurück in die Strandlandschaft führt.[5] Der Film entfaltet eine traumlogische Erzählung, in der Begegnungen und Situationen weniger kausal als über Rhythmus, Wiederholung und Variation verbunden sind.[5][6]
Hintergrund und Gestaltung
In filmtheoretischen Texten unterscheidet Maya Deren eine „horizontale“ Dramaturgie (Handlungsfortschritt) von einer „vertikalen“ Form, die Situationen und Affekte in Variationen verdichtet; At Land arbeitet entsprechend stark mit Wiederholung, Motivketten und rhythmischen Übergängen statt mit linearer Kausalität.[7][8] Ute Holl liest insbesondere die Spannungsfigur von streng codierten Ordnungen (Schachbrett als Koordinatensystem) und dem „Rauschen“ des Meeres als strukturierendes Prinzip des Films; die Bewegungen der Protagonistin erscheinen dabei als Navigation zwischen Regelhaftigkeit und Kontingenz.[9] Im Kontext der US-amerikanischen Experimentalfilmproduktion der 1940er bis 1960er Jahre wird Deren in der Forschung als eine der kanonischen Protagonistinnen behandelt; At Land wird dort zusammen mit anderen Schlüsselarbeiten dieser Phase historisch und ästhetisch verortet.[10]
Veröffentlichung und Verleih
Der Film ist u. a. über Institutionen/Verleihe wie Women Make Movies, Light Cone sowie die Film-Makers' Cooperative im Kontext des Avantgarde- und Repertoirebetriebs verfügbar.[3][2][11]
Rezeption
Die Deutungsgeschichte betont häufig die traumlogische Erzählweise und die Verbindung von Körperbewegung, Raumwechseln und Wiederholungsstrukturen.[5] In Kurzbeschreibungen wird At Land als Film über eine surreale Reise „in Fragmenten“ und die Auseinandersetzung mit Identität charakterisiert.[6][12]
Literatur
- Christine Noll Brinckmann: Zu Maya Derens „At Land“. In: Frauen und Film. Nr. 37: Avantgarde und Experiment. Oktober 1984, S. 73–84.
- Christine Noll Brinckmann: Die anthropomorphe Kamera und andere Schriften zur filmischen Narration. Chronos, Zürich 1997, S. 182–198.
- Ute Holl: Die Kunst an Land zu navigieren. Zu Maya Derens AT LAND. In: Gabriele Werner (Hrsg.): Bildwelten des Wissens. Kunsthistorisches Jahrbuch für Bildkritik. Band 5,1: Systemische Räume. Akademie Verlag, Berlin 2007, S. 40–49. DOI:10.1515/9783110547429.
- Maya Deren: Poetik des Films. Wege im Medium bewegter Bilder. Übersetzt und eingeleitet von Brigitte Bühler und Dieter Hormel. Merve Verlag, Berlin 1984, ISBN 978-3-88396-037-1.
- Maya Deren: Choreographie für eine Kamera. Schriften zum Film. Herausgegeben von Jutta Hercher, Ute Holl, Kathrin Reichel, Kira Stein, Petra Wolff. material-Verlag, Hamburg 1995, ISBN 978-3-9802934-5-7.
- Henning Engelke: Metaphern einer anderen Filmgeschichte. Amerikanischer Experimentalfilm, 1940–1960. Schüren, Marburg 2018, ISBN 978-3-89472-994-3.
- Kristina Köhler: Der tänzerische Film. Frühe Filmkultur und moderner Tanz. Schüren, Marburg 2017, ISBN 978-3-89472-840-3.
- Bill Nichols (Hrsg.): Maya Deren and the American Avant-Garde. University of California Press, Berkeley 2001, ISBN 978-0-520-227323.
- P. Adams Sitney: Visionary Film: The American Avant-Garde, 1943–2000. Oxford University Press, Oxford 2002, ISBN 978-0-19-514886-2.
- Sarah Keller: Maya Deren: Incomplete Control. Columbia University Press, New York 2014, ISBN 978-0-231-162-210.