Atlas coelestis

Buch von John Flamsteed From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Atlas coelestis ist ein Sternatlas des englischen Astronomen John Flamsteed, der 1729 posthum veröffentlicht wurde. Er gilt als einer der bedeutendsten Sternatlanten des 18. Jahrhunderts und als der erste umfassende Himmelsatlas, der auf teleskopischen Beobachtungen basierte. Die im Atlas dargestellten Daten stammen aus Flamsteeds Beobachtungen an der Königlichen Sternwarte von Greenwich, wo er als erster königlicher Astronom tätig war.

Erstausgabe des Atlas coelestis von 1729

Beschreibung und Zusammensetzung

Sternbild des Schlangenträgers

Das Werk umfasst 25 Karten der von Greenwich aus sichtbaren Sternbilder sowie zwei von Abraham Sharp entworfene Planisphären.[1] Die Sternbildfiguren wurden von James Thornhill im Stil des Rokoko illustriert.[2][1]

Anders als seine Vorgänger Bayer und Hevelius kombinierte Flamsteed auf 25 doppelseitigen Tafeln erstmals mehrere Sternbilder pro Karte – ein Konzept, das moderne Sternatlanten vorwegnahm.[3]

Der Atlas coelestis enthält über 3300 Sterne für die Epoche 1690 und war das erste Werk, das Sterne systematisch in sieben Helligkeitsklassen einteilte.[4]

Mit Tafeln von etwa 61 × 51 cm (24 × 20 Zoll) war der Atlas coelestis nicht nur der umfassendste, sondern auch der großformatigste Himmelsatlas seiner Zeit.[5]

Für die südliche Hemisphäre griff Flamsteed auf die Beobachtungen von Edmond Halley zurück, die dieser 1677–1678 auf der Insel St. Helena durchgeführt hatte. Er übernahm auch das von Halley eingeführte, heute nicht mehr anerkannte Sternbild Robur Carolinum.[3]

Entstehung und Publikationsgeschichte

Südliche Hemisphäre im Atlas Céleste von 1776

Flamsteeds Ziel war es, die zahlreichen Fehler in Bayers Uranometria (1603) zu korrigieren, in der neun von 16 menschlichen Figuren spiegelverkehrt dargestellt waren. Im Gegensatz zu Bayer zeigte Flamsteed die Konstellationen von vorne, entsprechend den Beschreibungen von Ptolemäus.[5][6]

1725 erschien der zugehörige Sternenkatalog Historia coelestis Britannica, der die Positionen von mehr als 3000 Sternen enthielt – etwa doppelt so viele wie in Tycho Brahes Verzeichnis aus dem 16. Jahrhundert.[7] Der Katalog umfasste 55 Sternbilder, darunter 46 nach Ptolemäus und neun nach Hevelius, etwa Canes Venatici, Lacerta, Leo Minor, Lynx, Sextans und Vulpecula sowie Monoceros und Coma Berenices.[8][3]

Der Atlas coelestis erschien 1729, zehn Jahre nach Flamsteeds Tod, herausgegeben von seiner Witwe Margaret Flamsteed mit Unterstützung von Joseph Crosthwait und Abraham Sharp.[7] Nach dem Kollaps der South Sea Bubble von 1720 geriet Margaret in finanzielle Schwierigkeiten, was die Herausgabe des Werkes deutlich verzögerte.[7][9]

Im Verlauf des 18. Jahrhunderts folgten mehrere verkleinerte Neuausgaben, da die großformatigen Tafeln für den praktischen Gebrauch als unhandlich galten.[1] 1776 erschien in Paris eine überarbeitete Fassung von Nicolas Fortin unter dem Titel Atlas Céleste, redigiert von Le Monnier, Pasumot und La Caille.[10] Die Sternenpositionen wurden dabei auf das Jahr 1780 aktualisiert.[11] Eine weitere Ausgabe von 1795 durch Méchain und Lalande beinhaltete erstmals Messier-Objekte, darunter Méchains Neuentdeckungen M104 sowie M105 bis M109.[10]

1782 veröffentlichte der deutsche Astronom Johann Elert Bode eine korrigierte und erweiterte Fassung der Fortiner Ausgabe von 1776 unter dem Titel Vorstellung der Gestirne.[12]

Beobachtungsinstrumente

Da Flamsteed nur begrenzte staatliche Mittel erhielt, konstruierte oder finanzierte er den Großteil seiner Beobachtungsinstrumente selbst.[13]

Seit 1689 nutzte er einen von Abraham Sharp gefertigten, sieben Fuß langen Mauerquadranten, der technische Innovationen vereinte: Gascoignes Fernrohrvisiere mit Fadenkreuzen, Picards Retikel-Okular und Ole Rømers verbessertes Mikrometer. Mit einer Beobachtungsgenauigkeit von rund 12 Bogensekunden gehörte Flamsteeds Instrumentarium zu den präzisesten seiner Zeit.[7][14][15][16][17]

Zur genauen Zeitmessung bei Meridian-Transitbeobachtungen verwendete Flamsteed Präzisionspendeluhren von Thomas Tompion, die die Messgenauigkeit seiner Beobachtungen entscheidend verbesserten.[18][19]

Digitalisat

  • Atlas coelestis. London 1729 (Digitalisat) – herausgegeben von Margaret Flamsteed und James Hodgson
Commons: Atlas coelestis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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