August Gaster

deutscher Architekt From Wikipedia, the free encyclopedia

August Friedrich Daniel Gaster (* 28. Oktober 1852 in Wismar; † 6. Januar 1929 in Bad Doberan) war ein deutscher Architekt.

Leben

August Gaster absolvierte von 1872 bis 1875 und von 1877 bis 1878 die Polytechnische Schule in Hannover.[1] Dort war er, ebenso wie zuvor Gotthilf Ludwig Möckel, ein Schüler des bedeutenden Architekten Conrad Wilhelm Hase.[2]

1888 wurde Gaster zum Landbaumeister in (Bad) Doberan ernannt. Er war für die Ämter Bukow, Doberan und Schwaan verantwortlich. Zu seinen Aufgaben gehörte die Aufsicht über staatliche und kirchliche Bauvorhaben in dieser Region.

Etwa im Jahr 1894 erhielt Gaster einen Ruf in das Schweriner Ministerium, wo ihm die Position des obersten Baubeamten des mecklenburgischen Staates angeboten wurde. Er lehnte dieses Angebot ab und erklärte sich stattdessen bereit, in die Prüfungskommission für mecklenburgische Baumeister mit Sitz in Schwerin einzutreten. Neben seinen amtlichen Pflichten widmete er sich fortan auch der Planung und Ausführung privater Bauvorhaben.

Die 1908 von August Gaster entworfene Villa Godewege in (Bad) Doberan zählt heute zu den wenigen Villen des frühen 20. Jahrhunderts in Mecklenburg, die eine schlicht-elegante Ausprägung des Reformstils zeigen[3]. Sie gilt als bedeutendes Beispiel für die qualitätsvolle, zurückhaltende Architektursprache dieser Epoche[3].

Im Jahr 1920 erfolgte seine Ernennung zum Vorstand des Hochbauamtes Rostock II in Doberan[4].

Gaster schuf zahlreiche bedeutende öffentliche und repräsentative private Bauten, von denen viele bis heute erhalten blieben[5]. Er gilt als einer der profiliertesten Architekten seiner Zeit in Mecklenburg[6].

Familie

Gaster war mit Clara Gaster, geb. Kothé (* 20. September 1858; † 31. Juli 1928) verheiratet. Sie hatten 3 Kinder: die Töchter Hanna (* 2. Juli 1890 in Doberan; † 14. Dezember 1972), Gertrud (* 2. Juni 1886 in Rostock; † 24. August 1955 in Wismar). Der Sohn Alfred (* 20. Oktober 1888) fiel im Ersten Weltkrieg, nach dem Bestehen der Vorprüfung für Architekten in Hannover, 1917 bei Polderhoeck (Flandern). Die Tochter Gertrud Gaster verh. Kleiminger war mit dem Gymnasialdirektor, mecklenburgischen Heimatforscher und Autor Rudolf Kleiminger (* 19. November 1884 in Neustadt i. Meckl.; † 19. August 1967 in Wismar) verheiratet.

August Gaster bewohnte mit seiner Familie ab 1914 das repräsentative Wohnhaus in der heutigen Goethestraße 10 in (Bad) Doberan.

Bauten (Auswahl)

(ehemalige) Universitäts-Frauenklinik, Rostock
Zollhaus am Hafen in Wismar
Villa „Feodora“ des Herzogs Adolf Friedrich in Bad Doberan im Stülower Weg
  • 1885–1887 Universitäts-Frauenklinik in Rostock, Doberaner Straße 142[7][8]
  • 1887 Zollgebäude in Wismar, Wasserstraße 1a/Am Hafen[9][8]
  • Herrenhaus in Groß Stove bei Rostock[10]
  • Superintendentur in Bad Doberan
  • Herrenhäuser in Rederank, Groß-Portrams und Sildemow
  • in Rostock die Villen Lehment, von Raven und Geitmann (nähe Schillerplatz)
  • Realgymnasien in Kiel (1884) und in Schwerin
  • Villa „Feodora“ des Herzogs Adolf Friedrich in Bad Doberan im Stülower Weg (jetzt Kreismusikschule)[11]
  • Villa der Gräfin Roß (spätere Prinzessin Reuhs) in Heiligendamm[12]
  • Villa Godenwege (1908) in Bad Doberan[3]

Literatur

  • Vom Collegium zum Campus. Orte Rostocker Universitäts-und Wissenschaftsgeschichte. Hrsg.: Gisela Boeck, Hans Uwe Lammel, Ernst Münch. Verlag Redieck & Schade GbR, ISBN 978-3-934116-62-7.
  • Wilhelm Raabe; Gustav Quade: Mecklenburgische Vaterlandskunde. Band 1: Specielle Ortskunde beider Großherzogthümer Mecklenburg: nebst 5 Städteplänen und einem alphabetischen Ortsregister, Hinstorff’sche Hofbuchhandlung, Wismar 1894.
  • Elke Onnen und Ulrike Volkhardt: Paul Korff. Ein Architektenleben. Berlin 2017, ISBN 978-3-86732-263-8.
  • Regierungs-Blatt für das Großherzogthum Mecklenburg-Schwerin. Amtliche Beilage, Nr. 15, 1887.
  • Großherzoglich Mecklenburgisch-Schwerinerischer Staatskalender, Jahrgang 1910, Seite 90 und Jahrgang 1916, Seite 92.
  • Deutsche Bauzeitung, 16. Jahrgang, 1882, Nr. 30, Seite 178.
  • Zentralblatt der Bauverwaltung, 40. Jahrgang 1920, Nr. 21, Seite 130 und 43. Jahrgang 1923, Nr. 39/40, Seite 240.
  • "Geschichte der Rostocker Frauenkliniken. Von den Anfängen bis zur Gegenwart", Hrsg.: Bernd Klausch, Walter Sadenwasser, Eckhard Koepcke, Johannes Stubert, Hinstorff Verlag, 1. Auflage 2019, ISBN 9783356022612.

Einzelnachweise

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