August Weichelt

deutscher Buntpapierfabrikant und Fachschriftsteller From Wikipedia, the free encyclopedia

August Weichelt (* 1. Februar 1840 in Dresden; † 11. August 1911 in Ottendorf bei Medingen) war ein deutscher Buntpapierfabrikant und Fachschriftsteller.[1] Im Anschluss an seine industrielle Tätigkeit wirkte er als selbständiger technischer Berater und verfasste ein Grundlagenwerk zur Buntpapier-Fabrikation.

Leben

Nach dem Volksschulabschluss absolvierte Weichelt eine Ausbildung zum Schlosser und arbeitete als Geselle und Monteur für die Maschinenfabrik von Petzold in Potschappel bei Dresden. Für diese installierte er eine Dampfmaschine in der Buntpapierfabrik von C. Th. Kretzschmar in Dresden und übernahm deren Betreuung. Er setzte sich für die maschinelle Modernisierung des Unternehmens ein und wurde zum technischen Leiter. 1875 übernahm er eine ähnliche Funktion in einem englischen Unternehmen und zog mit seiner Familie in das Vereinigte Königreich. In den folgenden Jahren war er abwechselnd in England, Deutschland und Belgien für bedeutende Buntpapierfabriken tätig und erwarb dabei ein umfassendes Wissen über die jeweilige Arbeitsweise.

„Wie sehr man sich der für die Gesundheit schädlichen Eigenschaft der Arsenik- oder Bleifarben bewußt war, geht daraus hervor, daß man den Streicherinnen, die solche Farben verarbeiteten, besseren Lohn zahlte und täglich 1–2 Kannen Milch zu trinken gab.“

August Weichelt: Buntpapier-Fabrikation, 2. Auflage[2]

Werk

Mitte der 1890er Jahre kehrte er nach Sachsen zurück und erwarb in Ottendorf bei Medingen ein Wohnhaus. Jetzt begann die Zusammenarbeit mit Carl Hofmann und dessen in Berlin publizierter Fachzeitschrift Papierzeitung, die auch Organ des Vereins Deutscher Buntpapier-Fabrikanten war. In einer Aufsatzreihe über „Fortschritte der Buntpapier-Fabrikation“ legte er das in langjähriger Berufstätigkeit erworbene Wissen vor und fasste es schließlich in einem mit originalen Buntpapiermustern versehenen Buch zusammen. Es folgte eine stark erweiterte und umgearbeitete Auflage, die wesentlich zu seinem guten Ruf und zu internationaler Anerkennung verhalf. In den letzten Lebensjahren hatte er stark unter Gicht zu leiden und musste seine schriftlichen Beiträge diktieren.

„Der Weichelt“

„Der Weichelt“, das in Expertenkreisen häufig zitierte Fachbuch „Buntpapier-Fabrikation“, erschien erst posthum im Jahr 1927 als „Dritte, unter Mitwirkung von Fachleuten durch die Schriftleitung der Papier-Zeitung bearbeitete Auflage“. Für diese Ausgabe überarbeitete Gottlieb Leschanowsky in Fürth den Hauptteil der Buntpapierfabrikation, Franz Dathe in Leipzig die Marmorpapiere, Ernst Collin in Berlin befasste sich mit den Java-Kunstpapieren und Paul Schneider in Leipzig mit Schablonentechnik.[3] Erst in dieser Ausgabe findet sich die häufig zitierte und Weichelt zugeschriebene Definition: „Unter ‚Buntpapier‘ versteht man Papier, das, von der Papierfabrik als Rohpapier hergestellt und geliefert, nachträglich auf besondern Maschinen oder mit der Hand durch Färben, Streichen oder andere Verfahren ‚bunt‘ gemacht, also verschönert, veredelt wurde.“[4] Eine kritische Würdigung der Ausführungen über das Marmorieren findet sich bei Richard J. Wolfe.[5]

Handschrift

Das Deutsche Buch- und Schriftmuseum erwarb 2016 aus Privatbesitz eine Handschrift mit dem Titel Handbuch für Colleristen und Farbemüscher mit vielen nützlichen Recepten zur Bundpapier & Tapetenfabrikation nach eigener Erfahrung gesammelt von August Weichelt, Werkmeister der Bundpapierfabrik von E. Theodor Kretzschmar in Dresden 1876, die eingeklebte und eingelegte Buntpapiermuster auch aus der Zeit in England enthält.

Veröffentlichungen

  • Buntpapier-Fabrikation. Mit 144 Abb. und 96 eingeklebten Mustern. Verlag der Papier-Zeitung, Carl Hofmann, Berlin 1903
  • Buntpapier-Fabrikation. Mit 178 Abb. 209 eingeklebten Mustern. 2. Auflage, Verlag der Papier-Zeitung, Carl Hofmann, Berlin 1905
  • Die Spielkartenfabrikation. In: Klimschs Jahrbuch des graphischen Gewerbes Bd. 6 (1905), S. 127–134. Online

Einzelnachweise

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