Augustin Lesage

französischer Bergmann und mediumistischer Künstler From Wikipedia, the free encyclopedia

Augustin Lesage (* 9. August 1876 in Saint-Pierre-les-Auchel, Département Pas-de-Calais, Frankreich; † 21. Februar 1954 in Burbure, Frankreich) war ein französischer Bergmann und mediumistischer Maler. Er war Autodidakt und zählt zu den sogenannten Outsider Artists, bzw. zur Art brut.

Leben

Werk von Augustin Lesage

Lesage wurde in Saint-Pierre-les-Auchel im Département Pas-de-Calais als Sohn einer Bergmannsfamilie geboren. Schon in jungen Jahren musste er als Kohlengrubenarbeiter arbeiten.[1]

1911, im Alter von 35 Jahren, hörte er in der Dunkelheit der Mine eine Stimme, die zu ihm sprach: „Eines Tages wirst du ein Maler sein.“ Bis zu diesem Zeitpunkt hatte er so gut wie keinen Kontakt zur Kunst gehabt, abgesehen von einem Museumsbesuch im Palais des Beaux-Arts in Lille während seiner Militärzeit.[2]

Diese Erfahrung führte dazu, dass Lesage versuchte, mit der von ihm angenommenen Geisterwelt in Verbindung zu treten. Binnen eines Jahres hörte er vermehrt Stimmen, die ihm konkrete Anweisungen gaben – was er malen sollte, welche Materialien er kaufen und wo er diese finden solle. Er war der Überzeugung, dass eine seiner verstorbenen kleinen Schwestern, die im Alter von drei Jahren gestorben war, zu ihm sprach.[2]

Lesage schuf zunächst einige abstrakte Zeichnungen mit spiralförmiger bzw. welliger Linienführung auf gepunktetem Hintergrund. 1912/13 malte er sein erstes Ölgemälde und Hauptwerk Peinture. Dabei füllte er eine 3 × 3 Meter große Leinwand mit kleinen Elementen, die sich zu einem mosaikartigen Ganzen mit mehreren symmetrischen Untereinheiten zusammensetzen. Nach Lesages Angaben entstand das Werk ausgehend von einer Ecke des Bildes in einem sicheren und raschen Prozess entsprechend den Vorgaben der von ihm wahrgenommenen Stimmen.[3]

Der Erste Weltkrieg unterbrach Lesages künstlerische Arbeit, doch bereits 1916 nahm er seine Arbeit wieder auf, als Bergmann und als Maler. Ab 1920 signierte er seine Werke mit „Lesage“ und ab etwa 1923 konnte er von seiner Kunst leben. In der Zeit von 1916 bis 1927 malte er hauptsächlich abstrakte Kompositionen mit meistens achsensymmetrischem Aufbau. Nur selten zeigen diese Werke erkennbare Details wie Gesichter- oder Vogelformen. Lesage verwendete nun etwas kleinere Leinwände, die er nicht vollständig mit Kompositionen ausfüllte, sondern sie in Form von Tempeln, Kuppeln oder Gefäßen vor einfarbigem Hintergrund darstellte. Ab 1927 dominieren christliche oder ägyptische Figuren seine Arbeiten. Zu Studienzwecken hielt sich Lesage 1939 in Ägypten auf.[3]

Der Sammler Jean Dubuffet nahm Lesages Werke 1948 in seine Sammlung auf und erwarb 1964 sein erstes wichtiges Gemälde für 50.000 Francs. Lesage wird auch in Dubuffets Buch Art Brut 3 (1964) vorgestellt. Seine Arbeiten werden zudem der spiritistischen Bewegung in der Kunst zugeordnet.[2]

Seit der Eröffnung der Collection de l’Art Brut in Lausanne 1975 sind Gemälde von Lesage dort vertreten. 1989 fand in Lausanne eine Retrospektive statt, für die auch ein Katalog veröffentlicht wurde.[4]

Sein Werk war sehr umfangreich: Zum Zeitpunkt seines Todes hinterließ er etwa achthundert Gemälde.[2] Heute befindet sich der größte Teil seiner Arbeiten im LaM – Lille Métropole, musée d’art moderne, d’art contemporain et d’art brut der Métropole Lille in Frankreich. Außerdem sind Werke Lesages in der Sammlung Zander in Köln zu finden.[5]

Ausstellungen (Auswahl)

  • La Donation d’art brut Bruno Decharme, Centre Pompidou, Paris, Frankreich, 2021.
  • Memory Palaces: Inside the collection of Audrey B. Heckler, American Folk Art Museum, New York, USA, 2019.
  • 27 Künstler, 209 Werke, Sammlung Zander, Bönnigheim, Deutschland, 2016.
  • Art Brut in America: The Incursion of Jean Dubuffet, American Folk Art Museum, New York, USA, 2015.
  • Biennale di Venezia, 2013.[3]
  • L’Art spirite, Collection de l’Art Brut, Lausanne, Schweiz, 2005.
  • Wenn Geister malen lassen. Botschaften aus dem Zwischenreich, Museum Charlotte Zander, Bönnigheim, Deutschland, 2004.
  • Hands Across the Sea, Phyllis Kind Gallery, New York, USA, 2001.
  • Art Brut et Compagnie, Halle Saint Pierre, Paris, Frankreich, 1995.
  • Les Singuliers de l’art, Musée d’art moderne de la Ville de Paris, Paris, Frankreich, 1978.
  • Mediumistische Reihe, Galerie Petersen, Berlin, Deutschland, 1977.

Literatur

  • Susanne Zander (Hrsg.): 26 Künstler*innen. Arbeiten aus der Sammlung Zander. Verlag der Buchhandlung Walther und Franz König, Köln 2023, ISBN 978-3-7533-0380-2.
  • Daniela Papenberg: Lesage, Augustin (Auguste). In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker (AKL). Band 84, De Gruyter, Berlin 2014, ISBN 978-3-11-023189-2, S. 199.
  • Cynthia Thumm, Claudia Dichter: Wenn Geister malen lassen – Botschaften aus dem Zwischenreich. Herausgegeben vom Museum Charlotte Zander, f-media druck GmbH & prepress media GmbH, Bönnigheim 2004.
  • Claudia Dichter: Outsider Art – Collection Charlotte Zander. Hrsg. von Charlotte Zander. Bönnigheim: Wachter Verlag, 1999. ISBN 3-926318-31-7.
Commons: Augustin Lesage – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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