Augustin Wagner
deutscher römisch-katholischer Geistlicher und Märtyrer
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Augustin Wagner (* 17. August 1898 in Reichenbach; † 28. April 1945 in Ebrantshausen) war ein deutscher römisch-katholischer Geistlicher und Märtyrer.
Leben
Augustin Wagner, Sohn eines Baders, wuchs in Reichenbach (35 km nordöstlich Regensburg) auf. Er verlor mit sechs Jahren seinen Vater. 1913 ging er nach Abschluss der Volksschule in das Bischöfliche Knabenseminar Obermünster in Regensburg. Von 1916 bis 1918 leistete er Kriegsdienst, führte dann seine Schulausbildung fort und schloss 1920 ab. Nach dem Theologiestudium in Regensburg wurde er am 29. Juni 1925 zum Priester geweiht.
Die Stationen seines Wirkens waren: Paring (1925), Waltendorf (1926), Sattelpeilnstein (1928) und (nach zwei schweren Erkrankungen) 1934 Ebrantshausen (zwischen Ingolstadt und Landshut). Dort verlas er im März 1937 trotz des Regierungsverbotes die Enzyklika Mit brennender Sorge von Pius XI. Ende April 1945 wurde er beim Anrücken der Amerikaner auf Befehl eines 25-jährigen SS-Obersturmführers (Oberleutnant) von einem SS-Untersturmführer zwischen Holzmannshausen und Meilenhausen (Ortsteile von Mainburg) im Wald erschossen und erst am 27. Juni 1945 aufgefunden. Die Mörder wurden zu fünf und dreieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt.
Gedenken

Die deutsche Römisch-katholische Kirche hat Augustin Wagner als Märtyrer aus der Zeit des Nationalsozialismus in das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts aufgenommen. In Ebrantshausen erinnern die Pfarrer-Wagner-Straße, eine Steintafel an seinem Grab und (seit 1955) die Wagnerkapelle am Ort seines Todes an den Märtyrer. 2026 eröffnete die Schriftstellerin und Mezzosopranistin Astrid Mathyshek einen literarischen Salon im Geburtshaus von Augustin Wagner in Reichenbach und ließ eine Gedenktafel an dem historischen Wohnhaus anbringen. Sie publizierte überdies Dokumente, die bei Renovierungsarbeiten auf dem Dachboden gefunden worden waren und darunter solche, die von Augustin Wagner in Zeitungspapier eingewickelt dort versteckt worden waren. Es handelt sich vor allem um eine Publikation des Vatikans, der seine Priester im Kampf gegen das "Neuheidentum" bestärkte. Augustin Wagner hatte Unterstreichungen vorgenommen, ehe er das Dokument zwischen Holzritzen verbarg. Die Zeitungsfragmente waren nur noch in Fetzen vorhanden, das Dokument durch Feuchtigkeit schwer verdunkelt, aber noch vollständig lesbar. Die Schriftstellerin fertigte einen Scan an und publizierte diesen zusammen mit einer Abschrift auf ihrem Blog. Es erfolgte außerdem die Weiterleitung des Fundes an das Bistum Regensburg.
Das Geburtshaus war nach dem Tod Augustin Wagners im Besitz seiner Schwester Frieda Wagner. Diese hatte die ehemalige Baderstube des Vaters in einen Kramerladen umgewandelt, den sie bis zu ihrem Tod führte. Sowohl von der Zeit des Hauses als Baderstube wie auch von der Nutzung als Kramerladen zeugen Funde von Dachboden, Treppenhaus und Gärten, wo alte Münzen und Dokumente aus der Zeit zwischen 1850 und 1930, ebenso wie private Memorabilia der Familie auftauchten, die im Rahmen einer kleinen Dauer-Ausstellung zu besichtigen sind.[1]
Literatur
- Emmeram H. Ritter, Art.: Benefiziums-Provisor Augustin Wagner, in: Helmut Moll (Hrsg. im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz), Zeugen für Christus. Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts, Paderborn u. a. 1999, 8., erweiterte und aktualisierte Auflage 2024, S. 643–646.