Augustin Weisbach

österreichischer Anthropologe From Wikipedia, the free encyclopedia

Augustin Weisbach (* 17. Juli 1837 in Komotau; † 17. April 1914 in Graz) war ein österreichischer Anthropologe, Kraniologe, Militärarzt und k. k. Generalstabsarzt der Reserve.

Augustin Weisbach – Ausschnitt aus dem Darwin-Album von 1877 (Blatt 19)

Leben

Augustin Weisbach war ein Sohn des Grundbuchführers Augustin Weisbach und dessen Ehefrau Josefa, geborene Proschke. Er bestand im Juli 1855 am Gymnasium in Komotau die Reifeprüfung, absolvierte die Ausbildung zum Militärarzt an der Josefs-Akademie in Wien, promovierte am 9. Februar 1861 zum Dr. med. und wirkte für kurze Zeit als Oberarzt im 80. Infanterieregiment. Wenige Monate später im Oktober 1861 holte ihn der Pathologe Josef Engel bereits als seinen Assistenten für pathologische und topographische Anatomie an die Josefs-Akademie nach Wien zurück und ab dieser Zeit begannen die umfangreichen Forschungen von Weisbach zu den Schädelformen österreichischer Völker. Er war von dem schwedischen Anthropologen Anders Adolf Retzius tiefgehend inspiriert und strebte eine vereinheitlichte quantifizierende Anthropometrie mit dem Ziel an, die ethnisch-„rassische“ und geschlechtliche Differenzierung der Bevölkerungsgruppen Österreich-Ungarns und des osmanischen Balkans zu erfassen. In der Zeit von 1864 bis 1865 diente er als Oberarzt im Garnisonsspital Olmütz und nahm 1866 am Deutschen Krieg teil. Im Jahr 1866 wurden ihm auf Veranlassung von Karl von Scherzer die in aller Welt gesammelten anthropometrischen Daten der österreichischen Novara-Expedition (1857–59) zur Bearbeitung übergeben. Seine im Rahmen der Novara-Serie 1867 erfolgte Veröffentlichung der „Körpermessungen“ diente Charles Darwin in „The Descent of Man“ (1871) als einzige empirische Evidenz seiner These einer natürlichen Selektion.

Augustin Weisbach (oben, links) im Darwin-Album von 1877 (Blatt 19)

Augustin Weisbach wurde 1868 Leitender Arzt des österreichisch-ungarischen Nationalspitals in Konstantinopel. Er bekannte sich in dieser Zeit offen zum Darwinismus und beteiligte sich am Ehrengeschenk der deutschen Anhänger zu Darwins 69. Geburtstag, einem vom Rechnungsrat und Naturforscher Emil Rade (1832–1931) initiierten, von Ernst Haeckel geförderten und im Wesentlichen von Arthur Fitger mit insgesamt 21 Blättern gestalteten mit Silber-(und Gold-)beschlägen reich verzierten 50 cm hohen und 43 cm breiten Album (Darwin-Album von 1877),[1] in dem ab Blatt 3 zahlreiche Fotografien seiner Anhänger in je ein bis zehn passepartoutartig geschnittenen Feldern eingefügt sind. Als Dr. Weisbach. Regimentsarzt im k. k. österreichisch-ungarischen Nationalspitale zu Constantinopel wurde er auf Blatt 19 in diesem Album, das Darwin im Februar 1877 überreicht wurde, aufgenommen.[2]

Augustin Weisbach wurde 1882 zum Stabsarzt befördert, kehrte 1886 als Chef-Pathologe in das Garnisonsspital Nr. 1 nach Wien zurück und wurde 1887 zum Oberstabsarzt ernannt. Später war er Leiter des Garnisonsspitals Nr. 2 und 1893 Sanitätschef des 15. Korps in Bosnien und der Herzegowina und trat nach 45-jähriger Dienstzeit als Generalstabsarzt am 1. Mai 1900 in den Ruhestand, den er in Graz verbrachte.

Sein wissenschaftliches Wirken führte zur Verleihung der Großen goldenen Medaille für Kunst und Wissenschaft durch Franz Joseph I., Kaiser von Österreich. Im Jahr 1869 erhielt er das Ritterkreuz des Franz Joseph-Ordens, 1870 den osmanischen Mecidiye-Orden IV. Klasse sowie 1887 den Orden der Eisernen Krone III. Klasse und den osmanischen Mecidiye-Orden III. Klasse.

Seine osteologischen Sammlungen (1.384 Kranien, davon 704 von Soldaten, 260 Becken) hinterließ er dem Naturhistorischen Museum in Wien.

Schriften (Auswahl)

  • Reise der österreichischen Fregatte Novara um die Erde in den Jahren 1857, 1858, 1859 unter den Befehlen des Commodore B. von Wüllerstorf-Urbair. Anthropologischer Theil. Zweite Abtheilung. Körpermessungen, an Individuen verschiedener Menschenracen vorgenommen durch Dr. Karl Scherzer und Dr. Eduard Schwarz. Bearbeitet von Dr. A. Weisbach, K.K. Oberarzt, Gerold, Wien 1867 (MDZ)

Literatur

Commons: Augustin Weisbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen

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