Steinzeitpark Dithmarschen
archäologische Stätte in Deutschland
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Der Steinzeitpark Dithmarschen ist ein Museum und archäologischer Freilichtpark in Albersdorf im Kreis Dithmarschen, Schleswig-Holstein. Auf einem rund 40 Hektar großen Gelände werden archäologische Befunde sowie rekonstruierte Siedlungsformen der Mittelsteinzeit und Jungsteinzeit präsentiert.[1][2] Das Gelände umfasst unter anderem eine jungsteinzeitliche Bauernsiedlung, eine mittelsteinzeitliche Jäger- und Sammlerstation sowie originale Großsteingräber und Grabhügel. Seit 2023 bereichert das Steinzeithaus, ein modernes Museumsgebäude am Eingang des Geländes, das Angebot durch eine Dauerausstellung zu archäologischen Funden aus der Altsteinzeit, Mittel- und Jungsteinzeit.
Eingang des Steinzeitparks Dithmarschen | |
| Daten | |
|---|---|
| Ort | Albersdorf, Schleswig-Holstein, Deutschland |
| Eröffnung | 2005 |
| Betreiber |
AÖZA gGmbH
|
| Leitung |
Rüdiger Kelm
|
| Website | |
| ISIL | DE-MUS-711319 |
Betreiber der Einrichtung ist die AÖZA gGmbH in Trägerschaft mit der Gemeinde Albersdorf und dem Kreis Dithmarschen. Der Steinzeitpark dient als lebendige Plattform zur Vermittlung archäologischer und ökologischer Inhalte und richtet sich an ein breites Publikum, darunter Einzelbesucher, Familien und Schulklassen.
Geschichte
Ursprünge und Entwicklung
Die Wurzeln des Steinzeitparks reichen bis ins Jahr 1904 zurück, als in Heide (Holstein) durch den Heider Handels- und Gewerbeverein ein Altertumsmuseum gegründet wurde. Dieses Museum widmete sich der Sammlung und Präsentation regionaler archäologischer Funde. Ab 1929 erhielt das Museum unter der Leitung des Lehrers Hermann Matzen eine stärkere archäologische Ausrichtung. In dieser Zeit wurden die Sammlungen von Wilhelm Behncke und Peter Claussen integriert.
Expansion und Entdeckungen
Zwischen 1934 und den 1950er Jahren organisierte Hermann Matzen Sammelaktionen im Raum Heide und Weddingstedt, welche die Sammlung erweiterten. 1975 übernahm der Archäologe Volker Arnold die Leitung des Museums. In dieser Phase wurden bedeutende Projekte wie die Erstellung eines Lackprofils (1978) und die Entdeckung des Erdwerks Dieksknöll (1992) realisiert.
Gründung des Steinzeitparks
1997 wurde in Albersdorf das Archäologisch-Ökologische Zentrum Albersdorf (AÖZA) gegründet, aus dem der heutige Steinzeitpark Dithmarschen hervorging. Ziel war es, archäologische Inhalte in einer rekonstruierten Kulturlandschaft zu vermitteln. 2004 zog das Museum von Heide nach Albersdorf um und wurde organisatorisch sowie räumlich mit dem Freilichtgelände zusammengeführt. Die Neueröffnung erfolgte 2005 unter dem Namen "Museum für Archäologie und Ökologie Dithmarschen".
Seit 2007 steht die Einrichtung unter der Leitung von Rüdiger Kelm. Seit 2023 hat die Prähistorikerin Wiebke Kirleis den Vorsitz des wissenschaftlichen Beirats inne.[3]
Gelände und Ausstellung

Der Steinzeitpark Dithmarschen zeigt eine rekonstruierte Kulturlandschaft,[4] die sich an archäologischen Befunden aus Norddeutschland orientiert. Im Mittelpunkt stehen verschiedene Siedlungsformen der Mittel- und Jungsteinzeit, darunter
- Mittelsteinzeitliche Jäger- und Sammlerstation: Darstellung eines temporären Lagers, die von Jägern und Sammlern genutzt wurde.
- Jungsteinzeitliche Bauernsiedlung: Rekonstruktion einer typischen Siedlung der Jungsteinzeit mit Wohnhäusern, Vorratsgruben und Nutzflächen
- Großsteingräber und Grabhügel: Originale Grabstätten, die Einblicke in die Bestattungskultur der Steinzeit geben.
Das Steinzeithaus beherbergt eine Dauerausstellung mit archäologischen Funden aus der Alt-, Mittel- und Jungsteinzeit. Die Ausstellung vermittelt einen chronologischen Überblick über die Entwicklung früher menschlicher Lebensweisen und thematisiert technische Entwicklungen sowie Umweltbeziehungen.
Bilder aus dem Steinzeitpark
- Mesolithisches Lager
- Nachgebautes Bauernhaus Pennigbüttel
- Überreste eines Langbetts im sog. Steinzeitwald
- Rekonstruierte Urnenbestattung im begehbaren Grabhügel
- Blick in die Dauerausstellung
Bildung und Vermittlung
Der Steinzeitpark bietet ein vielfältiges Programm zur Wissensvermittlung, unter anderem
- Führungen: Thematische Rundgänge durch das Gelände und die Ausstellung.
- Mitmachaktionen: Praktische Aktivitäten wie Feuer machen, Flintbearbeitung und Töpferei.
- Experimentelle Archäologie: Wissenschaftlich begleitete Versuche zur Rekonstruktion steinzeitlicher Techniken.
Diese Angebote richten sich an unterschiedliche Zielgruppen, wie Einzelbesucher, Familien und Schulklassen.
Relevanz
Der Steinzeitpark Dithmarschen ist eine bedeutende Einrichtung zur Vermittlung archäologischer und ökologischer Inhalte in Norddeutschland. Durch die Kombination von Freilichtmuseum, Dauerausstellung und experimenteller Archäologie leistet er einen wichtigen Beitrag zur Bildung und Forschung. Die Einrichtung fördert das Verständnis für die Lebensweise und Kultur der Steinzeit und sensibilisiert für den Schutz archäologischer Stätten.
Literatur
- Archäologisch-Ökologisches Zentrum Albersdorf gGmbH (Hrsg.): *Steinzeitpark Dithmarschen – Ein archäologisches Freilichtmuseum*. Albersdorf, 2023.
- Kelm, Rüdiger: *Die Entwicklung des Steinzeitparks Dithmarschen*. In: *Archäologie in Schleswig-Holstein*, Band 15, 2018, S. 45–60.
- Kirleis, Wiebke: *Experimentelle Archäologie im Steinzeitpark Dithmarschen*. In: *Experimentelle Archäologie in Europa*, Band 19, 2022, S. 112–128.
- Rüdiger Kelm (Hrsg.): Vom Pfostenloch zum Steinzeithaus. Archäologische Forschung und Rekonstruktion jungsteinzeitlicher Haus- und Siedlungsbefunde im Nordwestlichen Mitteleuropa. Erstes Albersdorfer Kolloquium vom 13. bis 15. Januar 1999 und Zweites Albersdorfer Kolloquium vom 19. bis 21. Januar 2000 im Albersdorfer Bürgerhaus (= Albersdorfer Forschungen zur Archäologie und Umweltgeschichte 1). Boyens, Heide 2000, ISBN 3-8042-1000-7.
- Rüdiger Kelm (Hrsg.): Zurück zur Steinzeitlandschaft. Archäobiologische und ökologische Forschung zur jungsteinzeitlichen Kulturlandschaft und ihrer Nutzung in Nordwestdeutschland. Drittes Albersdorfer Kolloquium vom 7. bis 9. Februar 2001 im Albersdorfer Bürgerhaus (= Albersdorfer Forschungen zur Archäologie und Umweltgeschichte 2). Boyens, Heide 2001, ISBN 3-8042-1088-0.
- Volker Arnold, Rüdiger Kelm: Rund um Albersdorf auf den Spuren der frühen Kulturlandschaft rund um Albersdorf. Ein Führer zu den archäologischen und ökologischen Sehenswürdigkeiten. Boyens, Heide 2004, ISBN 3-8042-1154-2.
- Rüdiger Kelm (Hrsg.): Frühe Kulturlandschaften in Europa. Forschung, Erhaltung und Nutzung. Viertes Albersdorfer Kolloquium vom 28. Februar bis 1. März 2002 im Albersdorfer Bürgerhaus und Fünftes Albersdorfer Kolloquium vom 24. bis 30. September 2003 im Albersdorfer Bürgerhaus und im Dithmarscher Kreishaus in Heide (= Albersdorfer Forschungen zur Archäologie und Umweltgeschichte 3). Boyens, Heide 2005, ISBN 3-8042-1141-0.
- Stefan Reiß, Volker Arnold, Hans-Rudolf Bork, Rüdiger Kelm, Dirk Meier: Landschaftsgeschichte Dithmarschens (= Man and environment 2). Schmidt & Klaunig, Kiel 2006, ISBN 3-9809823-1-9 (kompakte Zusammenfassung zur Landschaftsgeschichte Dithmarschens).
- Rüdiger Kelm: Von der Landschaftsgeschichte zur touristischen Zukunft Entwicklung von Kultur- und Naturtourismus als Chance für den ländlichen Raum (= Albersdorfer Forschungen zur Archäologie und Umweltgeschichte 4). Boyens, Heide 2007, ISBN 978-3-8042-1219-0.
- Rüdiger Kelm: Der Steinzeitpark Albersdorf – Das Konzept der »Bildung für nachhaltige Entwicklung« als Chance für die Archäologie. In: Blickpunkt Archäologie. Ausgabe 2/2024, S. 53–61, DOI:10.60606/blick.2024.2.108024 (Open Access).