Badisches Staatstheater Karlsruhe

Mehrspartentheater in Karlsruhe From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Badische Staatstheater Karlsruhe ist ein Mehrspartentheater in Karlsruhe. Es umfasst Oper, Ballett, Konzert, Schauspiel sowie die 2011 gegründeten Sparten Junges Staatstheater und Volkstheater. Dem Theater angeschlossen sind die Badische Staatskapelle Karlsruhe und der Badische Staatsopernchor. Das Haus ist Hauptspielort der jährlich stattfindenden Händel-Festspiele Karlsruhe. Alle zwei Jahre ist das Staatstheater einer der Ausrichter für die Europäischen Kulturtage und des Festivals Premières.

Schnelle Fakten
Badisches Staatstheater Karlsruhe
Das Gebäude des Badischen Staatstheaters (09/2022)
Lage
Adresse: Hermann-Levi-Platz 1
Stadt: Karlsruhe
Koordinaten: 49° 0′ 16″ N,  24′ 21″ O
Architektur und Geschichte
Eröffnet: 1808 Weinbrenner-Bau
1853 Hübsch-Bau
1975 Bätzner-Bau
Zuschauer: Großes Haus:1000
Kleines Haus:320 Plätze
Architekt: Friedrich Weinbrenner
Großherzogliches Theater (1808–1847)
Heinrich Hübsch
Großherzogliches Theater bzw. Badisches Landestheater (1853–1964)
Helmut Bätzner
Badisches Staatstheater Karlsruhe (1975–2022)
Internetpräsenz:
Website: https://www.staatstheater-karlsruhe.de/
Schließen

Generalintendant ist seit 2024 Christian Firmbach. Als eines von zwei Staatstheatern befindet sich das Badische Staatstheater in Trägerschaft des Landes Baden-Württemberg. Die Stadt Karlsruhe trägt die Hälfte des Zuschussbedarfs.[1]

Spielstätten

Das Staatstheater Karlsruhe ist seit 1975 in einem Gebäudekomplex am Ettlinger Tor beheimatet. Das Große Haus hat 1002 Plätze, das Kleine Haus 330 bis 385 Plätze (teilweise variabel bestuhlbar). Zusätzlich wurde 2011 in der ehemaligen Probebühne ein Studio mit 128 Plätzen eingerichtet, das zeitgenössische Dramatik zeigt. Zum Staatstheater Karlsruhe gehört auch die Außenspielstätte Die Insel an der Karlstraße, die seit September 2011 hauptsächlich vom neu gegründeten Jungen Staatstheater für Kinder und Jugendliche bespielt wird und 126 Zuschauern Platz bietet.

Geschichte

Weinbrenner-Bau (1808–1847)
Hübsch-Bau (1853–1964)
Bätzner-Bau (seit 1975), Außenansicht
Bätzner-Bau (seit 1975), Innenansicht

Der erste Vorläufer des heutigen Badischen Staatstheaters Karlsruhe wurde bis 1808 von Friedrich Weinbrenner am Schlossplatz erbaut. 1810 wurde es zum Großherzoglichen Theater erhoben. Am 28. Februar 1847 brach während einer Vorstellung ein Feuer aus, während dessen das hauptsächlich mit Leinwand und Holz ausgebaute Gebäude vollständig zerstört wurde. Trotz des für damalige Zeiten sehr schnellen Eintreffens der Durlacher Pompiers unter Christian Hengst in nur 28 Minuten kamen 63 Besucher ums Leben, da die Türen sich nach innen öffneten und Panik ausbrach.[2] Dies führte weltweit zu Änderungen von Bauvorschriften für öffentliche Gebäude.

Der vom großherzoglich badischen Hofarchitekt Heinrich Hübsch an der Westseite des Schlossplatzes erbaute Nachfolgebau im Rundbogenstil wurde nach zweijähriger Bauzeit 1853 fertiggestellt und am 17. Mai 1853 mit Friedrich Schillers Drama Die Jungfrau von Orléans unter Theaterleiter Eduard Devrient eröffnet. Es handelte sich um einen repräsentativen Steinbau mit klassizistischer Fassade, der über 1350 Sitzplätze und 200 Stehplätze sowie eine in der Breite und Tiefe vergrößerte Bühne verfügte. Dieses sogenannte Hübsch-Theater galt als einer der modernsten und bedeutendsten Theaterbauten überhaupt. Aufgrund der leidvollen Erfahrungen der Vergangenheit wurde bei diesem Gebäude besonders auf den Brandschutz geachtet. Alle Wände, Decken und Treppen waren aus massivem Stein gemauert, die zahlreichen Notausgänge untereinander verbunden, und die Bühne war durch einen eisernen Vorhang vom Zuschauersaal getrennt. Nach dem Ende der Monarchie 1918 erfolgte die Umbenennung in Badisches Landestheater.

Bei einem Fliegerangriff am 27. September 1944 brannte das Hübsch-Theater aus. Die Ruine blieb bis in die 1960er Jahre stehen. 1960 wurde bereits ein Architektenwettbewerb für einen Wiederaufbau entschieden, doch dann stellte die Stadt auf Druck des Landes die Fläche dem Bundesverfassungsgericht für dessen Neubau (Baumgarten-Bau) zur Verfügung, um seine Verlegung aus Karlsruhe zu verhindern.[3]

Nach dem umstrittenen und von der Bevölkerung mit Unmut verfolgten Abriss des Hübsch-Theaters begannen 1964 die Planungen zum bis heute existierenden Staatstheaters am Übergang der Südstadt zum Stadtzentrum, der von 1970 bis 1975 nach Plänen des Architekten Helmut Bätzner errichtet wurde. Bis zur Fertigstellung dienten das Konzerthaus Karlsruhe (Großes Haus) und ein Teil der Stadthalle (Kleines Haus) als provisorische Spielstätten. Nachdem das Dach des noch im Bau befindlichen Gebäudes im Jahr 1973 in Brand geraten war, wurde das neue Theater 1975 eröffnet.[4]

Von 1975 bis 1977 wirkte Héctor Urbón dort als Erster Kapellmeister und als Musikalischer Oberleiter.[5] Seit 1977 werden durch die Initiative des Generalintendanten Günter Könemann die Werke des Barockkomponisten Georg Friedrich Händel jeweils in einem besonderen Rahmen präsentiert. Von 1978 bis 1984 wurden Händel-Tage veranstaltet, im Jahre 1985 wurden diese in den Rang von Händel-Festspielen erhoben. Sie finden seither jährlich statt, jeweils im Februar um den Geburtstag des Komponisten am 23. Februar herum.

Generalintendant war von 1997 bis 2002 Pavel Fieber, von 2002 bis 2011 Achim Thorwald, von 2011 bis 2021 Peter Spuhler, der frühzeitig gekündigt wurde, ein Interimsintendant wurde eingesetzt. Seit 2024 ist Christian Firmbach Intendant. Ballettdirektorin war von 2003 bis 2019 Birgit Keil, von 2019 bis 2024 Bridget Breiner, seither Raimondo Rebeck. Generalmusikdirektor war von 2008 bis 2020 Justin Brown, 2020 übernahm Georg Fritzsch diese Position. Operndirektorin ist seit 2024 Christoph von Bernuth, und Schauspieldirektor ist Claus Caesar.

Zur Spielzeit 2011/12 gründete Intendant Peter Spuhler zwei neue Sparten, das Junge Staatstheater, unter der Leitung von Ulrike Stöck, und das Volkstheater, geleitet von Beata Anna Schmutz.

Im selben Zeitraum wurde das Projekt KulturLotsen gegründet. Kinder, die aufgrund von Sprachbarrieren, fehlender finanzieller Mittel oder aufgrund schwieriger familiärer Verhältnisse wenig Zugang zu Kultur haben, werden an Kulturpaten vermittelt, um gemeinsam Theater, Museum oder andere Kultureinrichtungen zu besuchen.[6] Durch die Pandemie kam das Projekt 2021 zum Erliegen, 2023 wurde es vom Kulturamt der Stadt Karlsruhe neu gestartet, nun mit Unterstützung durch die Deutsche Stiftung Hänsel + Gretel und den Kinderschutzbund.[7]

Am 21. Januar 2014 beschloss der Karlsruher Gemeinderat eine Generalsanierung und Erweiterung des Staatstheaters mit einem Kostenvolumen von 125 Millionen Euro (Stand 2014). Geplant ist zunächst der Neubau eines Schauspielhauses mit integriertem Jungem Staatstheater. Anschließend entstehen neue musikalische Probenräume und Werkstätten. Als letzter Schritt soll das Bestandsgebäude saniert werden.[8] Im Dezember 2014 wählte ein Preisgericht einstimmig drei Arbeiten als Preisträger für die Sanierung aus. Seit Juli 2015 stehen als Architekten für das Neue Staatstheater Delugan Meissl, Wien, mit Wenzel + Wenzel, Karlsruhe, fest.[9] Nachdem die Kostenschätzung auf 500 Mio. Euro gestiegen war, stoppte der Stadtrat im Mai 2021 die Sanierung.[10] In der Sitzung vom Juni 2021 gab der Karlsruher Gemeinderat das Projekt mit fünf Gegenstimmen aus den Reihen der Freien Wähler und FÜR Karlsruhe, deren Stadtrat Friedemann Kalmbach die Debatte um die Kosten ins Rollen brachte,[11] sowie der CDU frei.

Mit Hans-Werner Kroesingers dokumentarischem Stück Stolpersteine Staatstheater, das den Umgang mit jüdischen Theatermitarbeitern während der Zeit des Nationalsozialismus behandelt, war das Badische Staatstheater 2016 erstmals zum Berliner Theatertreffen eingeladen.[12]

Im Gedenken an den Dirigenten Hermann Levi wurde der Vorplatz des Staatstheaters im Februar 2017 offiziell als Hermann-Levi-Platz benannt.

Zum September 2021 übernahm Ulrich Peters für drei Jahre die Generalintendanz,[13] er folgt dem vorzeitig abberufenen Peter Spuhler im Amt.[14] Ab der Spielzeit 2024/25 hat Christian Firmbach die Generalintendanz übernommen.[15]

Literatur

  • Günther Haass, Wilhelm Kappler, Bernhard Müller, Marie Salaba, Hansmartin Schwarzmaier: Karlsruher Theatergeschichte: Vom Hoftheater zum Staatstheater. Braun, Karlsruhe 1982, ISBN 3-7650-0452-9.
  • Anne Kern: 300 Jahre Badisches Staatstheater von 1719 bis 2019. In: Musik in Baden-Württemberg. Jahrbuch 2019/20. Bd. 25. J. B. Metzler, Berlin 2020, ISBN 978-3-662-62505-7, S. 183–207 (online).

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI