Bahar Aslan

Lehrerin und Dozentin From Wikipedia, the free encyclopedia

Bahar Aslan ist eine in Nordrhein-Westfalen tätige Lehrerin und Dozentin. Sie wurde ab 2023 überregional bekannt, nachdem ihr ein Lehrauftrag an der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen (HSPV NRW) nach einem polizeikritischen Beitrag in sozialen Medien entzogen wurde und sie dagegen erfolgreich gerichtlich vorging.[1][2]

Lehrauftrag an der HSPV NRW und Kontroverse

Im Mai 2023 veröffentlichte Aslan auf der Plattform X (vormals Twitter) einen Beitrag, in dem sie Angst vor rassistisch motivierten Polizeikontrollen und rechten Tendenzen in Sicherheitsbehörden thematisierte: „Ich bekomme mittlerweile Herzrasen, wenn ich oder meine Freund*innen in eine Polizeikontrolle geraten, weil der ganze braune Dreck innerhalb der Sicherheitsbehörden uns Angst macht. Das ist nicht nur meine Realität, sondern die von vielen Menschen in diesem Land. #Polizeiproblem“ In der Folge entzog ihr die HSPV NRW den Lehrauftrag beziehungsweise verlängerte ihn nicht und begründete dies mit Zweifeln an ihrer Eignung für eine „vorurteilsfreie“ Vermittlung im Lehrgebiet.[3][4]

Aslan ging gegen den Widerruf im einstweiligen Rechtsschutz vor. Dabei wurde sie u. a. von der Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF) unterstützt.[3][5] Das OVG Münster bestätigte im Dezember 2023 im Eilverfahren, dass der Widerruf rechtswidrig gewesen sei (Beschluss vom 15. Dezember 2023 – 6 B 1034/23). Das Gericht hielt es zwar für grundsätzlich nachvollziehbar, aus dem Beitrag Zweifel an der Eignung abzuleiten, beanstandete jedoch die Heranziehung sachfremder Umstände (u. a. Fragen der Nebentätigkeitsgenehmigung sowie der Umgang mit Drohungen Dritter).[2]

Trotz der gerichtlichen Entscheidung nahm Aslan den Lehrauftrag an der HSPV NRW zunächst nicht wieder wahr. Nach einem Bericht des Kölner Stadt-Anzeiger begründete sie dies gegenüber der Hochschule mit dienstlichen Gründen und der personellen Situation an ihrer Schule.[6]

Rezeption

Der Fall löste eine breite Debatte über Meinungs- und Wissenschaftsfreiheit, Rassismus in Sicherheitsbehörden sowie den Umgang staatlicher Einrichtungen mit Kritik aus. In einem offenen Brief solidarisierten sich nach Angaben von Forschung & Lehre mehr als 450 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie weitere Personen des öffentlichen Lebens mit Aslan und kritisierten das Vorgehen der Hochschule.[7]

Im Juni 2024 berichtete die Legal Tribune Online, dass auch ein parallel geführtes Disziplinarverfahren gegen Aslan eingestellt worden sei. Die Bezirksregierung Köln habe bestätigt, dass für die Lehrtätigkeit an der HSPV NRW als wissenschaftliche Tätigkeit keine Nebentätigkeitsgenehmigung erforderlich gewesen sei.[4]

Im Buch Mut zum Unmut wird in einem Kapitel ihr Wirken beschrieben.[8]

Einzelnachweise

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