Bahnbetriebswerk Garmisch-Partenkirchen
Bahnbetriebswerk der Reichsbahndirektion München in der Stadt Garmisch-Partenkirchen
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Das Bahnbetriebswerk Garmisch-Partenkirchen, kurz Bw Garmisch, war ein Bahnbetriebswerk (Bw) in der Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen.


Geschichte
Erste Lokomotivstation
Mit der Eröffnung der Bahnstrecke Murnau–Garmisch-Partenkirchen am 25. Juli 1889 durch die Localbahn Aktien-Gesellschaft (LAG), wurde im Endbahnhof (Lage) eine Lokomotivstation in Betrieb genommen. Es entstanden ein zweiständiger Rechteckschuppen mit vier Standplätzen, ein Wagenschuppen und ein Wohnhaus. In der Remise wurden die zwischen Murnau und Garmisch eingesetzten Lokomotiven der LAG abgestellt.[1] Dies waren anfängliche vier C-gekuppelte Dampflokomotiven (LAG 9–10 und LAG 11–12), eine 1´C-Dampflokomotive (LAG 18) und drei C1´-Lokomotiven (LAG 62–64). Aufgrund von Platzproblemen wurde aber bereits 1897 die Wagenremise nach Ohlstadt verlegt.[1]
Neubau als Bahnbetriebswerk
1908 wurde die Lokomotivstation mit allen Anlagen von den Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen übernommen.
Bei der Errichtung der Mittenwaldbahn und der Außerfernbahn wurde der Bahnhof Garmisch-Partenkirchen von einem Endbahnhof in einen Durchgangsbahnhof in neuer Lage umgewandelt. 1910 begannen die Bauarbeiten für die Errichtung des neuen Bahnbetriebswerk südlich des neuen Bahnhofs (Lage) in der Verzweigung der Mittenwald- und Außerfernbahn. Die Bayerischen Staatsbahnen errichteten einen neunständigen Ringlokschuppen, dem eine Drehscheibe mit 20 Metern Durchmesser und Oberleitungsspinne vorgelagert war. Die Drehscheibe wurde von der österreichischen Mittenwaldbahn AG finanziert, damit ihre Lokomotiven der Baureihe kkStB 1060 gewendet werden konnten.[2] Östlich des Lokschuppens wurde eine einständige Werkstatthalle errichtet, die mit zwei Hebekranen (20 und 10 Tonnen) ausgestattet war. Da die Strecke in Richtung München erst ab 1924 elektrifiziert wurde, errichtete man ebenfalls Anlagen zur Versorgung der dort wendenden Dampflokomotiven. Zur Wasserversorgung der Dampflokomotiven entstand neben der Mittenwaldbahn zwei Wasserbehälter mit einem Fassungsvermögen von je 75 m³ und ein Wasserkran. Es wurde außerdem ein Kohlebansen mit einem Fassungsvermögen von 500 Tonnen Kohle und eine Untersuchungsgrube errichtet.[3][4] Am 1. Juli 1912 wurden die Anlagen der neuen Lokstation zusammen mit dem neuen Durchgangsbahnhof eröffnet.
Nach der Elektrifizierung der Bahnstrecke München–Garmisch-Partenkirchen erhob die Deutsche Reichsbahn die Lokstation am 23. Februar 1925 zum eigenständigen Bahnbetriebswerk.[5]
Trotz Bombardierung am 22. Februar 1945 wurde das Bahnbetriebswerk kaum beschädigt und der Betrieb konnte bald wieder aufgenommen werden.[6]
Zum Jahreswechsel 1953/54 wurde das bis zu diesem Zeitpunkt selbstständige Bahnbetriebswerk Murnau dem Bw Garmisch als Außenstelle zugeordnet.
1956/57 wurde eine neue Lehrwerkstätte erbaut, die 1959/60 zugunsten einer Verlängerung der Schuppenstände eins bis vier verlagert wurde.
Auflösung
Am 31. Dezember 1983 war der letzte Tag als selbstständiges Bahnbetriebswerk. Im Bestand waren damals noch 260 129, 261 123, 124 und 702 115. Zum 1. Januar 1984 wurde das Bw Garmisch als Außenstelle dem Bw München 1, dem heutigen Betriebshof München-West, angegliedert. Ab den frühen 1990er Jahren wurden Triebfahrzeuge nicht mehr zugeteilt. Garmisch blieb eine Personaleinsatzstelle, die Werkstätten im Lokomotivschuppen wurden in Büros und Sozialräume für die Triebfahrzeugführer umgebaut. Im Juni 1992 erfolgte die Auflösung der Reisezugwagenausbesserung und der Kraftfahrzeug-Instandhaltung.
Der Lokomotivschuppen wurde bis 2005 durch eine Gruppe der Stiftung Bahn-Sozialwerk als Außenstelle des Verkehrsmuseums Nürnberg für museale Zwecke genutzt. Acht Museumslokomotiven (E16 09, E63 05, E63 08, E69 02, E69 03, E91 99, ET26 02 und ASF 125) konnten an Tagen der offenen Tür der Öffentlichkeit präsentiert werden. Im August 2005 erfolgte die Überstellung der Museumsfahrzeuge in den Bahnpark Augsburg.
Im Oktober 2013 wurde der Lokomotivschuppen abgebrochen, die verbliebenen Gebäude folgten zwei Jahre später.
Beheimatung
Die ersten im Bahnbetriebswerk Garmisch-Partenkirchen stationierten Lokomotiven waren die der bayerischen Reihe EP3/5. Sie wurden hauptsächlich auf der Außerfernbahn eingesetzt und waren bis zu ihrer Ausmusterung im Bw Garmisch stationiert.
Personenzuglokomotiven
Mit der durchgehenden Elektrifizierung der Bahnstrecke München–Garmisch-Partenkirchen zum 23. Februar 1925 waren im Bahnbetriebswerk Garmisch-Partenkirchen die ersten Lokomotiven der Baureihe E 52 beheimatet. Meistens waren es gleichzeitig drei bis fünf, insgesamt 16 Lokomotiven dieser Baureihe, die hier stationiert waren. Mit der Abgabe der E 52 11 an das Bahnbetriebswerk Treuchtlingen endete am 6. Januar 1952 die Beheimatung der E 52 in Garmisch.
1941 wurde die erste Maschine der Baureihe E 32 dem Bw Garmisch zugeordnet. Der Bestand dieser Baureihe betrug stets drei Fahrzeuge, bis zum Jahr 1958 waren es insgesamt 13. Bereits am 16. März 1931 wurde die Versuchslokomotive E 44 001 vorübergehend dem Bw Garmisch zugewiesen, ab 9. November 1943 war die Baureihe E 44 bis September 1945 dauerhaft in Garmisch stationiert. Erst 1948 wurde sie wieder hier stationiert, 1950 waren es bereits sechs Lokomotiven. Sie fuhren außer nach München auch auf der Mittenwaldbahn und der Außerfernbahn. 1973/74 wurde der Höhepunkt mit zwölf Garmischer E 44 erreicht, die außer im Reisezugdienst auch im Übergabe- und Güterzugdienst beschäftigt waren. Danach schrumpfte der Bestand ständig bis zur z-Stellung der beiden letzten Fahrzeuge am 22. Februar 1979.
Schnellzuglokomotiven
Mit der E 16 06 wurde im Juni 1929 erstmals eine Lokomotive der Baureihe E 16 in Garmisch stationiert. Bis 1943 waren stets bis zu fünf Maschinen hier beheimatet. Erst im Oktober 1951 kehrten sie zurück und blieben bis 1958. In diesem Zeitraum verrichteten insgesamt 19 Fahrzeuge neben der in München stationierten Baureihe E 17 den Eil- und Schnellzugdienst nach München und Mittenwald. Als Nachfolgerin im hochwertigen Dienst traf ab März 1958 die Baureihe E 41 ein, die aber bereits im Juni dem Bw München Hbf unterstellt wurde.
Rangierlokomotiven
1925 kam die ursprünglich preußische E 70 07 nach Garmisch, der 1926 ihre Schwestermaschine E 70 08 folgte. Diese einzigen Lokomotiven der Baureihe E 70 07–08 versahen auf dem Bahnhof den Rangierdienst, bevor sie 1928 (07) und 1938 (08) ausgemustert wurden.
Mit der E 60 07 im Oktober 1928 und der E 60 12 im August 1932 kam die Baureihe E 60 nach Garmisch, wo sie bis 1941 außer den Rangierdienst auch den Übergabedienst an Nachbarbahnhöfe versah. Ab 1945 kam diese Baureihe mit jeweils drei bis vier Exemplaren zurück und blieb hier bis zum Abgang der letzten Lokomotive im September 1979.
1942 kam die Baureihe E 63 nach Garmisch. Jeweils ein Exemplar war bis 1958 hier beheimatet, dann als Nachzügler die E 63 02 noch von 1978 bis 1979.
Lokomotiven der Strecke Murnau–Oberammergau
Mit der Unterstellung des Bw Murnau als Außenstelle des Bw Garmisch, kamen die vier verbliebenen Maschinen der Baureihe E 69 nach Garmisch. Zwei davon versahen weiterhin den Güterzugbetrieb auf der Bahnstrecke Murnau–Oberammergau, während die beiden anderen 1955 für den Rangierdienst nach Heidelberg umstationiert wurden. Der Personenzugdienst wurde von 1954 bis 1960 von der in Garmisch beheimateten Baureihe ET 85 versehen. Danach wurde die Strecke von 1960 bis 1964 durch die Baureihe E 41 des Bw München Hbf bedient, bevor die beiden E 69 aus Heidelberg zurückkehrten. Die letzten beiden Lokomotiven dieser Baureihe wurden am 29. Juli 1982 nach 72 Dienstjahren ausgemustert.
Dampf- und Diesellokomotiven
Dampflokomotiven hatten für das Bw Garmisch nur eine geringe Bedeutung. Während des Zweiten Weltkrieges wurden einige als Reserve stationiert, und nach Kriegsende kamen mehrere aus den besetzten Ostgebieten hierher, bis über ihre weitere Verwendung entschieden war.
Zwischen 1949 und 1957 versah die Kö 4276, später als Kb 4276 beziehungsweise 323 917 bezeichnet, den Rangierdienst im Bahnhof Murnau. Von 1951 bis 1955 war die ehemalige Wehrmachtslokomotive WR 360 C 14 V 36 122 in Garmisch beheimatet. 1956 kamen die ersten beiden Lokomotiven der Baureihe V 60 dorthin. Der Bestand dieser Baureihe erreichte 1979 seinen Höhepunkt mit fünf Exemplaren und sank danach bis auf drei bei der Auflösung des Bahnbetriebswerkes. Zudem waren in Garmisch stets Turmwagen zur Instandhaltung der Oberleitungsanlagen im Werdenfelser Land vorhanden.
Literatur
- Matthias Fuhrmann: Das BW Garmisch. In: Deutsche Bahnbetriebswerke und der Triebfahrzeugpark der deutschen Eisenbahnen von 1920 bis heute. 16 Seiten. Weltbild Verlag GmbH Sammelwerk-Service, 1991–
Weblinks
- Bahnbetriebswerk Garmisch. In: bahnstatistik.de. Abgerufen am 20. März 2026.