Bahnhof Althengstett
Station der Hermann-Hesse-Bahn in der baden-württembergischen Gemeinde Althengstett
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Der Bahnhof Althengstett ist die Bahnstation der baden-württembergischen Gemeinde Althengstett an der Württembergischen Schwarzwaldbahn von Stuttgart-Zuffenhausen nach Calw. Mit der Außerbetriebnahme des Abschnitts Weil der Stadt–Calw 1983 im Personenverkehr und 1988 im Güterverkehr wurde der ursprüngliche Bahnhof aufgelassen. Im Zuge der Reaktivierung des genannten Streckenteils erhielt Althengstett 2026 ersatzweise einen Haltepunkt an der Strecke.
| Althengstett | |
|---|---|
| Daten | |
| Betriebsstellenart | Bahnhof (bis 1988) Haltepunkt (seit 2026) |
| Lage im Netz | Zwischenbahnhof |
| Bauform | Durchgangsbahnhof |
| Bahnsteiggleise | 1 (ehem. 2)[1] |
| Abkürzung | TAH[2] |
| IBNR | 8000548 |
| Eröffnung | 20. Juni 1872 |
| Lage | |
| Stadt/Gemeinde | Althengstett |
| Land | Baden-Württemberg |
| Staat | Deutschland |
| Koordinaten | 48° 43′ 36″ N, 8° 47′ 57″ O |
| Höhe (SO) | 511 m ü. NN |
| Eisenbahnstrecken | |
| |
| Bahnhöfe in Baden-Württemberg | |

Geschichte
Mit der Eröffnung des Abschnitts Weil der Stadt–Calw am 20. Juni 1872 wurde auch der Bahnhof Althengstett eröffnet. Er stellt mit 511 Metern ü. NN den Scheitelpunkt der Württembergischen Schwarzwaldbahn dar. Auf dem mit annähernd zwei Prozent Steigung recht steilen Teilstück von Calw nach Althengstett mussten viele Züge nachgeschoben werden. Damit kam dem Bahnhof Althengstett die besondere Bedeutung zu, dass dort zusätzliche Schiebelokomotiven abgekuppelt wurden, um wieder nach Calw zurückfahren zu können. Zudem endete in Althengstett das zweite Streckengleis von Calw aus.
Nachdem 1939 nur der Streckenabschnitt Stuttgart–Weil der Stadt elektrifiziert wurde, verlor der Abschnitt Weil der Stadt–Calw einschließlich des Bahnhofs Althengstett in den folgenden Jahrzehnten zunehmend an Bedeutung, es befuhren nicht mehr alle Personenzüge die Gesamtstrecke Calw–Stuttgart. 1940 wurde im Bahnhof ein mechanisches Fahrdienstleiterstellwerk der Bauform Jüdel in Betrieb genommen.[2] Im Jahr 1963 wurde das zweite Gleis zwischen Calw und Althengstett abgebaut, was einen weiteren Bedeutungsverlust für den Bahnhof bedeutete. Ab 1978 gab es dann gar keine durchgehenden Züge von Calw über Weil der Stadt hinaus mehr.
Am 27. Mai 1983 hielt der letzte Nahverkehrszug in Althengstett.[3] Bis 1988 wurde der Bahnhof noch im Güterverkehr bedient. Nachdem es im März desselben Jahres im Bereich des nahen Forsttunnels zu einem Erdrutsch gekommen war, wurde der gesamte Streckenabschnitt Calw–Weil der Stadt, einschließlich des Bahnhofs Althengstett, vollständig außer Betrieb genommen[4] und verfiel in den folgenden Jahren zunehmend.
Heute wird das renovierte Empfangsgebäude von mehreren Institutionen und Unternehmen genutzt. Der ehemalige Güterschuppen wurde zu einem Jugendtreff ausgebaut. Von den Gleisanlagen sind noch drei Gleise vorhanden, die jedoch teils zugewachsen und in einem schlechten Zustand sind.
Ausstattung und Bahnbetrieb


Der bahnlinks gelegene Bahnhof Althengstett hatte ursprünglich ein Empfangsgebäude, in dem unter anderem das Stellwerk untergebracht war. Es gab fünf Gleise, die mehrfach untereinander verbunden waren. Gleis 1 war das durchgehende Streckengleis vor dem Hausbahnsteig. Gleis 2 war die direkte Fortsetzung des 1963 abgebauten zweiten Streckengleises Althengstett–Calw. Zwischen beiden Gleisen lag zumindest noch bis 1969 ein Zwischenbahnsteig.[1] Spätestens seit 1981 ist dieser jedoch nicht mehr vorhanden.[5] Gleis 3 und 4 waren Rangiergleise beziehungsweise Gleise, die zur Güterabfertigung verwendet wurden. Gleis 4 band dabei den vorhandenen Güterschuppen an und war deswegen auch mit einer Gleiswaage ausgestattet.
Gleis 5 diente lange Zeit als Entladegleis für Kesselwagen, die Fäkalien nach Althengstett transportierten. Diese Transporte kamen insbesondere aus Stuttgart, als dort noch kein Kanalisationssystem vorhanden war. Die Fäkalien wurden in Althengstett, wie auch an mehreren anderen Bahnhöfen in der Region Stuttgart, an die lokalen Bauern als Dünger verkauft. Zu diesem Zwecke befand sich nördlich unterhalb des Bahndamms ein der Stadt Stuttgart gehörendes Sammelbecken, in das die Fäkalien abgelassen werden konnten. Heute existiert noch der Einfüllstützen der Rohrleitung zum früheren Becken im Bahnhofsbereich.[6] Das Becken sowie das Gleis 5 sind heute nicht mehr vorhanden.
Am 1. Februar 2026 ging im Rahmen des Projekts Hermann-Hesse-Bahn der neue eingleisige Haltepunkt in Betrieb, der stündlich durch die Regionalbahn-Linie RB 76 bedient wird. Der neue Bahnsteig hierfür entstand westlich des ehemaligen Güterschuppens und bietet dort direkten Zugang zum Busverkehr. Außer dem durchgehenden Hauptgleis existiert eine Ausweichanschlussstelle (Awanst), das heißt ein einseitig angebundenes Nebengleis.[7] Alle anderen ehemaligen Gleise wurden 2026 nicht reaktiviert.
Weblinks
- Lage- und Gleisplan des Bahnhofs Althengstett um 1969, Deutsche Bundesbahn, um 1969.
- Fotoalbum von Werner und Hansjörg Brutzer: Bilder des Streckenabschnitts Weil der Stadt-Calw mit diversen historischen Aufnahmen vom Bahnhof Althengstett, hauptsächlich aus den 1980er Jahren.
