Bahnhof Ansbach

Haltestelle in der kreisfreien Stadt Ansbach, Mittelfranken, Deutschland From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Bahnhof Ansbach ist ein Eisenbahnknoten und der zentrale Verkehrsknotenpunkt der Stadt Ansbach. In diesem Bahnhof kreuzen sich die beiden Hauptstrecken Nürnberg–Crailsheim und Treuchtlingen–Würzburg. Der Bahnhof hat sieben Bahnsteiggleise, davon zwei Stumpfgleise.

Schnelle Fakten Ansbach, Daten ...
Ansbach
Bahnhofsvorplatz und Empfangsgebäude
Bahnhofsvorplatz und Empfangsgebäude
Bahnhofsvorplatz und Empfangsgebäude
Daten
Betriebsstellenart Bahnhof
Lage im Netz Kreuzungsbahnhof
Bauform Durchgangsbahnhof
Bahnsteiggleise 7
Abkürzung NAN
IBNR 8000009
Preisklasse 3
Eröffnung 1. Juli 1859
Profil auf bahnhof.de Ansbach
Architektonische Daten
Architekt Georg Friedrich Christian Bürklein
Lage
Stadt/Gemeinde Ansbach
Land Bayern
Staat Deutschland
Koordinaten 49° 17′ 52″ N, 10° 34′ 40″ O
Höhe (SO) 408 m
Eisenbahnstrecken Bahnstrecken bei Ansbach
Bahnhöfe in Bayern
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Geschichte

Bereits während der Planung der Ludwig-Süd-Nord-Bahn zwischen Augsburg und Nürnberg setzte sich die Stadt Ansbach für eine Führung dieser Strecke über Ansbach oder zumindest nahe der Stadt ein.[1.1]

Der Bahnhof Ansbach wurde am 1. Juli 1859 als Endbahnhof der als Pachtbahn gebauten Strecke vom Bahnhof Gunzenhausen an der Ludwig-Süd-Nord-Bahn eröffnet.[2]

Aus Sparsamkeit wurde als Empfangsgebäude provisorisch das bestehende Gebäude Turnitzstraße 38 genutzt.[3] Da die Strecke zum 1. Juli 1864 nach Würzburg verlängert[1.2] und der Bahnhof Ansbach so zum Zwischenbahnhof wurde, wurde er wesentlich erweitert.[3] Zum Knotenbahnhof wurde Ansbach mit dem Bau der kreuzenden Bahnstrecke Nürnberg–Crailsheim, die von Nürnberg am 15. Mai 1875 und am 1. Juni 1875 weiter über die Staatsgrenze zum Königreich Württemberg nach Crailsheim verlängert wurde. Währenddessen wurde am Bahnhof Ansbach ein neues Empfangsgebäude im Stil der Neorenaissance mit einer Arkadenvorhalle errichtet[3][4], dessen Entwurf vom Architekten und königlich bayerischen Baubeamten Georg Friedrich Christian Bürklein stammte.[5][6][7] Vor der Eröffnung der Strecke Nürnberg–Crailsheim wurde ein Lokomotivbahnhof errichtet.[8] Von 1901 bis 1969 bestand am östlichen Bahnhofskopf das Bahnbetriebswerk Ansbach.[8]

1905 und 1907 wurden ein Personentunnel zu den Bahnsteigen und Bahnsteigdächer errichtet.[8] Im Bahnhof wurden 1906 mechanische Stellwerke der Bauform Jüdel in Betrieb genommen.[9][10]

Bei den Luftangriffen auf Ansbach im Zweiten Weltkrieg zwischen April 1942 und Februar 1945 wurden der Bahnhof und viele Gebäude entlang der Gleisanlagen und an der Bahnhofstraße zerstört.[11] Bei der Operation Clarion am 22. und am 23. Februar 1945 war Ansbach als einer der wichtigsten Eisenbahnknoten Süddeutschlands Ziel des strategischen Luftkriegs. Dabei wurden mit fünf Personen-, fünf Güter-, fünf Abstell- und drei Ladegleisen alle damaligen Gleisanlagen, außerdem ein Stellwerk und Nebengebäude vollständig zerstört.[4] Am 23. Februar wurden auch mehrere Militär- und Güterzüge getroffen, die durch den Angriff vom Vortag im Bahnhof blockiert waren.[12] Das Empfangsgebäude wurde bis auf den östlichen Seitenflügel zerstört und später ganz abgebrochen.[4]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Baracken genutzt. Als neues Empfangsgebäude wurde ein 125 Meter langes, neun Meter hohes Gebäude mit Walmdach im Stil der Monumentalarchitektur der 1940er-Jahre errichtet und am 19. März 1954 eröffnet.[3]

1964 wurde im Bahnhof ein neuzeitlich provisorisches elektromechanisches Stellwerk der Bauform E 43 in Betrieb genommen[13], bevor dieses zusammen mit den anderen bestehenden Stellwerken[9][10][14][15] 1968 durch ein Relaisstellwerk der Bauform Sp Dr L30 ersetzt wurde.[16]

Durch das Elektrifizierungsprogramm der Deutschen Bundesbahn wurde der Bahnhof zusammen mit der Strecke Treuchtlingen–Würzburg 1965 elektrifiziert.[17]

In den 1970er Jahren wurde das Bahnbetriebswerk geschlossen. Der Lokomotivschuppen wurde an einen Schrotthändler verkauft, verfiel zunehmend und brannte am 31. Mai 2012 bis auf die Grundmauern nieder.[18]

Zur Entlastung des Knotens Fürth Hauptbahnhof gab es 2009 die Idee, den Fernverkehr zwischen Würzburg und München verstärkt über die Bahnstrecke Treuchtlingen – Würzburg abzuwickeln. Davon sollte nach dem Willen der Verantwortlichen der Deutsche Bahn AG auch der Ansbacher Bahnhof durch den Halt des Intercity-Express profitieren. Für diese Pläne wären umfangreiche Bauarbeiten an der Infrastruktur notwendig gewesen, an deren Vorplanungen sich die Stadt und der Landkreis Ansbach mit 80.000 Euro beteiligen wollten.[19]

Von 2009[20] bis 2012[21] wurde der Bahnhof im Zusammenhang mit der Einführung der S-Bahn umgebaut. Der östliche Bahnhofskopf wurde um ein Gleis erweitert und so eine zweigleisige Anbindung der für die S-Bahn vorgesehenen Gleise 1 und 25 an die Strecke von Nürnberg unabhängig von der Strecke von Treuchtlingen erreicht.[22] Dafür wurden der Bahndamm mittels einer Stützwand verbreitert[23], 15 neue Weichen eingebaut[24], Oberleitungsmasten versetzt[25] und die Leit- und Sicherungstechnik angepasst.[26] Zudem wurde der östliche, zwischen dem Gleis 1 Ost und dem Kopfgleis 25 gelegene Teil des zuvor nach unterschiedlichen Angaben durchgehend 30[27] oder 38 cm hohen Hausbahnsteigs B01 abgetragen[25] und auf 140 Metern Länge in einer Bahnsteighöhe von 76 cm neu errichtet.[28][29][30] Der Bahnsteig und die meisten weiteren Umbauten wurden bis zum Fahrplanwechsel am 12. Dezember 2010 in Betrieb genommen.[31] Gleichzeitig wurden die örtlichen Bezeichnungen der Stumpfgleise von 1a und 1b[27] in 25 und 27[32] geändert.

Bis zur Verlängerung der S-Bahn nach Dombühl 2017 wurde zur Ermöglichung von kürzeren Fahrzeiten die Leit- und Sicherungstechnik für schnellere Ausfahrten aus Gleis 1 Richtung Dombühl angepasst.[33][34]

Von August 2020 bis 2022 wurde der barrierefreie Umbau von Bahnsteigen und Unterführung durchgeführt.[35][36] Danach wurde Ansbach ICE-Halt.[37]

Elektronisches Stellwerk

Im Bahnhof entstand ein im Rahmen des Schnellläuferprogramms projektiertes, neues Elektronisches Stellwerk des Herstellers InoSig (inzwischen Alstom), das zusammen mit einem von dort fernbedienten Stellwerk in Triesdorf die Streckenabschnitte Ansbach–Triesdorf und Leutershausen-Wiedersbach–Ansbach–Wicklesgreuth steuern soll.[38][39] Nach fünf verfehlten Inbetriebnahmeterminen (2. Quartal 2022[39], September 2023, April 2025, Juli 2025, Oktober 2025) war die Inbetriebnahme für den Bereich Ansbach am 3. Februar 2026 geplant. Für den Bereich Langlau ist sie am 23. Oktober 2025 erfolgt.[40] In der vom 17. bis 26. Oktober 2025 angesetzten Vollsperrung sei das Stellwerk aufgrund von Schnittstellenproblemen zu Nachbarstellwerken nicht in Betrieb gegangen.[41] Laut einem Medienbericht hätten Abnahmeprüfer schwere Mängel gefunden.[42] Die bis zum 4. Februar 2026 geplante Sperrung wurde am 30. Januar 2026 bis 7. Februar verlängert. Grund seien „technische Neuentwicklungen, die den Abnahme- und Zulassungsprozess noch aufwendiger gestalten“.[43] Die Inbetriebnahme erfolgte am 6. Februar 2026 „nur zum Teil“. Für Prüf- und Abnahmeprozesse blieben betriebliche Einschränkungen[44] wie eine eingeschränkte Gleisverfügbarkeit[45] und 40-km/h-Langsamfahrstellen.[46] Die Auflagen seien laut DB-Angaben bis 15. Februar umgesetzt worden. Die Inbetriebnahme von Bahnübergängen zwischen Gunzenhausen und Triesdorf soll noch Wochen in Anspruch nehmen.[47]

Mit dem neuen Stellwerk wurde ein Einfahrsignal vom Gegengleis aus Crailsheim ergänzt (zuvor eine Trapeztafel) sowie drei Ausfahrsignale auf Gütergleisen Richtung Treuchtlingen (zuvor Sperrsignale mit nachfolgendem Gruppenausfahrsignal). Im Streckenabschnitt von/nach Gunzenhausen erfolgten verschiedene Blockverdichtungen.

Verkehr

Schienenverkehr

Ehemalige Fallblattanzeige des Bahnhofs Ansbach mit Hinweis auf einen Schnellzug nach Mailand samt Fern-Express-Kurswagen ins Allgäu

Die Züge der zwischen 1903 und 1966 bestehenden Bahnstrecke Leutershausen-Wiedersbach–Bechhofen wurden zumeist nach Ansbach durchgebunden.

An den Gleisen 2 und 3 bzw. Gleis 4 und 5 gibt es stündlich jeweils einen bahnsteiggleichen Richtungsanschluss: nach Osten zur Minute 10 zwischen Regional-Express oder Intercity nach Stuttgart auf Gleis 2 und RE nach Würzburg auf Gleis 3 und nach Westen zur Minute 50 zwischen RE nach Treuchtlingen auf Gleis 4 und Regional-Express sowie Intercity nach Nürnberg auf Gleis 5. Vereinzelt wenden Züge von Westen her auf Gleis 1 Ost oder 27.

Fernverkehr

Die Züge der Intercity-Linie 61 bedienen den Bahnhof Ansbach im Zweistundentakt, seit dem barrierefreien Ausbau des Bahnhofs im Dezember 2022 halten auch einzelne Züge der ICE-Linie 24 mit ICE T.[48][49][50]

Weitere Informationen Linie, Verlauf ...
Linie Verlauf Frequenz
ICE 24 (Hamburg-Altona –) Hannover Hbf Göttingen Kassel-Wilhelmshöhe Fulda Würzburg Hbf Ansbach Augsburg Hbf München Hbf (– Innsbruck Hbf) / (– Schwarzach-St. Veit) einzelne Züge
IC 61 (Leipzig Hbf Saalfeld Bamberg –) Nürnberg Hbf Ansbach Aalen Hbf Stuttgart Hbf Karlsruhe Hbf 120 min (Nürnberg–Karlsruhe)
einzelne Züge (Nürnberg–Leipzig)
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Regionalverkehr

1987 wurde der Bahnhof in den Verkehrsverbund Großraum Nürnberg integriert und die Linie Nürnberg Hauptbahnhof–Ansbach von da an als „R7“ bezeichnet. Nach der VGN-Erweiterung zum 1. Juli 1997 wurde die R7 nach Dombühl verlängert und die Strecke von Uffenheim nach Treuchtlingen als „R8“ (seit 2020 RE 80) in den Verbund aufgenommen.

Heute betreibt Arverio Bayern die Linie RE 80 mit fünfteiligen Siemens Desiro HC (Baureihe 2462) und dreiteiligen Siemens Mireo (Baureihe 2463).[51] Der RE 90 wird hingegen von Arverio Baden-Württemberg mit dreiteiligen Stadler Flirt3 XL bedient.[52]

Weitere Informationen Linie, Verlauf ...
Linie Verlauf Frequenz
RE 80 (München Hbf Augsburg Hbf Donauwörth – ) Treuchtlingen Gunzenhausen Ansbach – Würzburg Hbf 60 min Treuchtlingen–Würzburg

120 min München Hbf–Treuchtlingen

RE90 Nürnberg Hbf Ansbach Crailsheim Schwäbisch Hall-Hessental Backnang – Stuttgart Hbf 120 min
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S-Bahnverkehr

Mit Erweiterung des Netzes der S-Bahn Nürnberg zum Fahrplanjahr 2011 wurde die R7 auf dem Abschnitt Nürnberg–Ansbach durch die Linie S 4 Nürnberg–Ansbach ersetzt, die in der Regel an den Gleisen 1 West und 25 hält. Nachdem bereits zum Fahrplanjahr 2018 die S 4 nach Dombühl verlängert wurde,[53][54] fährt sie seit dem Fahrplanwechsel 2024 alle zwei Stunden weiter bis nach Crailsheim, wodurch mit dem RE 90 ein Stundentakt nun auch zwischen Dombühl und Crailsheim besteht.[55]

Die DB Regio Bayern setzt auf der S 4 elektrische Triebzüge des Typs Bombardier Talent 2 (Baureihe 442) ein.[56]

Weitere Informationen Linie, Verlauf ...
Linie Verlauf Takt
S4 Nürnberg Hbf Nürnberg-Schweinau Nürnberg-Stein Unterasbach Oberasbach Anwanden Roßtal – Roßtal Wegbrücke Raitersaich Heilsbronn Petersaurach Nord Wicklesgreuth Sachsen (b Ansbach) Ansbach Leutershausen-Wiedersbach Dombühl Schnelldorf Crailsheim
Stand: Fahrplanwechsel Dezember 2025
22/38 min
17/25 min (zur HVZ)
120 min (Ansbach–Crailsheim)
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Busverkehr

Ende der 1990er Jahre wurde der Ansbacher Bahnhofsvorplatz umgestaltet und modernisiert und bekam einen zentralen Busbahnhof. Dort halten alle Stadt- und Regionalbuslinien, die das Umland mit Ansbach verbinden.

Literatur

  • Festschrift zu den Jubiläen 125 Jahre Bahnhof Ansbach und 90 Jahre Nebenbahn Wicklesgreuth – Windsbach. Ansbacher Eisenbahnfreunde, Ansbach 1984.
  • 150 Jahre Eisenbahn in Ansbach 1859–2009. Festschrift zum Streckenjubiläum Ansbach-Gunzenhausen. Pro Bahn Mittelfranken, Ansbach 2009.
  • Erich Preuß: Ansbach. In: Oliver Strüber (Hrsg.): Das große Archiv der deutschen Bahnhöfe. (ISSN 0949-2127) 10. Ergänzungsausgabe, GeraNova Zeitschriftenverlag, München 1997. (1 Blatt mit 4 Seiten)
Commons: Bahnhof Ansbach – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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