Bahnhof Calw

ehemaliger Bahnhof der baden-württembergischen Stadt Calw From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Bahnhof Calw in der baden-württembergischen Stadt Calw befand sich an der Nagoldtalbahn Pforzheim HbfHochdorf (b Horb) sowie der Württembergischen Schwarzwaldbahn Stuttgart-Zuffenhausen–Calw und wurde 1989 im Personenverkehr durch den zentraler gelegenen Haltepunkt Calw ersetzt.

Schnelle Fakten Calw, Daten ...
Calw
Empfangsgebäude des Bahnhofs Calw, in Betrieb bis 1989
Empfangsgebäude des Bahnhofs Calw,
in Betrieb bis 1989
Empfangsgebäude des Bahnhofs Calw,
in Betrieb bis 1989
Daten
Lage im Netz ehemals Trennungsbahnhof
Bahnsteiggleise 4
Abkürzung TCWS
Eröffnung 20. Juni 1872
Schließung 28. Mai 1989 (Personenverkehr)
Lage
Stadt/Gemeinde Calw
Land Baden-Württemberg
Staat Deutschland
Koordinaten 48° 42′ 26″ N,  44′ 22″ O
Höhe (SO) 348 m ü. NN
Eisenbahnstrecken Bahnstrecken bei Calw
Bahnhöfe in Baden-Württemberg
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i16

Lage

Der ehemalige Bahnhof befindet sich rund einen Kilometer außerhalb des Zentrums am südlichen Stadtrand im Tal der Nagold, das repräsentative, in Sandstein gebaute Empfangsgebäude hat die Anschrift Bahnhofstraße 65. Zwischen dem Bahnhof und dem Fluss verläuft die Bundesstraße 463. In nordöstlicher Richtung zweigte bis 1988 die Strecke nach Stuttgart-Zuffenhausen von der Strecke nach Pforzheim ab. Beide Trassen führen weiter in Richtung Norden zunächst parallel, aber in unterschiedlicher Höhenlage durch die Stadt, bevor sich die Schwarzwaldbahn oberhalb von Hirsau nach Osten von der Nagoldtalbahn entfernt.

Die Lage deutlich entfernt vom Stadtzentrum war für den ursprünglichen Betrieb mit Dampflokomotiven und Güterzügen und der damit verbundenen Lärm-, Staub- und Rauchbelästigung in dem engen Tal der Nagold eine verständliche Entscheidung. Für den Personenverkehr war aber diese Distanz umständlich.

Geschichte

Entstehung (1865–1874)

Am 20. Juni 1872 wurde der letzte und aufwändigste Teil der Württembergischen Schwarzwaldbahn zwischen Weil der Stadt und Calw eröffnet und damit auch der Bahnhof Calw. Der heute zur Nagoldtalbahn gehörende Streckenabschnitt Calw–Nagold wurde als Teil der von Stuttgart-Zuffenhausen kommenden Hauptbahn gebaut. Gleichzeitig wurde auf dem Bahnhofsgelände auch das Bahnbetriebswerk Calw in Betrieb genommen.[1] Es hatte einen 47 Meter langen zweigleisigen beidseitig angeschlossenen Lokomotivschuppen mit vier Ständen sowie eine 16-Meter-Drehscheibe.[2]

Am 1. Juni 1874 folgte die Eröffnung des nördlichen Streckenabschnitts Brötzingen–Calw der Nagoldtalbahn, wodurch der Bahnhof Calw zum Trennungsbahnhof wurde.

Entwicklung bis zum Zweiten Weltkrieg (1874–1945)

Der Bahnhof Calw um 1900

In den Anfangsjahren der Nagoldtalbahn verkehrten zwischen Calw und Horb – von Stuttgart kommend – Fernzüge über die Württembergische Schwarzwaldbahn nach Singen am Hohentwiel und weiter bis an den Bodensee oder nach Schaffhausen. Dies währte jedoch nur bis 1879, als die Gäubahn in Betrieb ging, mit der diese Verbindung verkürzt werden konnte.

1892 wurde im Bahnbetriebswerk eine eingleisige Werkstatt mit Achssenke errichtet. Der große Lokomotivschuppen wurde 1942 um zehn Meter verlängert.[2]

Nach dem Zweiten Weltkrieg (1945–1989)

Im Jahr 1953 wurde das Bahnbetriebswerk Calw als selbständige Dienststelle aufgelöst, es war jedoch noch zwei Jahre lang Einsatzstelle für Dampflokomotiven. 1961 wurde eine Dieseltankstelle errichtet. 1973 wurden die Gebäude des Betriebswerks Calw abgebrochen. Dabei sind die Gleise des Betriebswerks, die Fundamente der Gebäude und die Reste der Drehscheibe erhalten geblieben.

Am 29. Mai 1983 wurde der Personenverkehr zwischen Weil der Stadt und Calw eingestellt. Dadurch verlor der Bahnhof Calw seine Funktion als Umstiegsbahnhof zwischen Nagoldtal- und Schwarzwaldbahn. Am 29. Februar 1988 endete auch der Güterverkehr zwischen Weil der Stadt und Calw.[3]

Ersatz durch neuen Haltepunkt (seit 1989)

Haltepunkt Calw, oberhalb davon der Bahnhof Calw HHB (2026)

Mit Beginn des Sommerfahrplans am 28. Mai 1989 wurde auf der Nagoldtalbahn der Signalisierte Zugleitbetrieb (SZB) eingeführt. Mittels dieses Systems erfolgt unter anderem die Stellung von Weichen, Signalen und Schranken von zentraler Stelle. Zeitgleich mit der Inbetriebnahme des SZB ging der neue zentrumsnahe Haltepunkt Calw in Betrieb. Dieser liegt unmittelbar neben dem Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) der Stadt. Der Bahnsteig, zur Abgrenzung von der Hermann-Hesse-Bahn seit 2026 als Gleis 1 bezeichnet, ist über ein turmartiges Zugangsbauwerk mit Aufzug zu erreichen. Mit Eröffnung des Haltepunktes entfielen die Reisezughalte im alten Bahnhof Calw. Später wurde dieser auch im Güterverkehr aufgegeben. Zuletzt war er nur eine Ausweichanschlussstelle mit der Bezeichnung Calw Süd. Nach dem Ausbau der Weichen etwa um die Jahrtausendwende gibt es auch diese Betriebsstelle nicht mehr.

Bahnhof Calw HHB an der Schwarzwaldbahn

Bahnhof Calw HHB (2026)

Im Rahmen der Reaktivierung des Abschnitts Weil der Stadt–Calw der Schwarzwaldbahn im Zuge des Projekts Hermann-Hesse-Bahn (HHB) entstand einige Meter oberhalb der Nagoldtalbahn ein neuer Endbahnhof. Über den um elf Meter erhöhten Aufzugsturm und eine Brücke wurde die Verbindung zum bestehenden Haltepunkt an der Nagoldtalbahn und dem ZOB hergestellt.[4][5]

Der Bahnhof an der Schwarzwaldbahn hat laut Betriebsstellenverzeichnis die Abkürzung TCWB und ging am 1. Februar 2026 in Betrieb. Obwohl er keine Weiche[6] und nur ein einziges Stumpfgleis aufweist, das zur Abgrenzung von der Nagoldtalbahn als Gleis 2 bezeichnet wird, wurde er nicht als Haltepunkt klassifiziert. Jedoch befindet sich im Anschluss an den Bahnsteigbereich ein signalgedecktes Abstellgleis. Die etwa einen Kilometer lange Strecke bis zum alten Bahnhof Calw wurde nicht reaktiviert. Zudem wurde der, einstmals im Bereich einer Rampe gelegene, Bereich des heutigen Bahnhofs Calw HHB nivelliert, so dass hinter dem Prellbock ein Höhenversatz zwischen neuer und alter Infrastruktur entstand.

Gebäude

Vom Bahnhof Calw zeugt heute noch ein relativ großes und repräsentatives, unter Denkmalschutz stehendes Empfangsgebäude. Zwischen zwei dreigeschossigen Eckbauten mit Walmdach liegt ein eingeschossiger Mittelbau, dessen Mittelteil ein zweites Geschoss mit Giebeln zur Straßen- und Gleisseite hat. Das 66 Meter lange Gebäude besteht komplett aus rotem Sandstein. Das Vordach auf der Gleisseite wird durch gusseiserne Pfeiler getragen. Heute beherbergt das Empfangsgebäude verschiedene Geschäfte.

Die beiden ebenfalls mechanischen Stellwerke des Bahnhofs stehen unter Denkmalschutz. Das Stellwerk 1 wird durch den Verein Württembergische Schwarzwaldbahn Calw als Museumsstellwerk erhalten.

Im Februar 2025 wurde festgestellt, dass das Gebäude des Stellwerks 2 einsturzgefährdet ist. Da die Deutsche Bahn das Risiko sah, das Teile des Gebäudes auf das anliegende Streckengleis fallen könnten, wurde es drei Monate lang von einer Sicherheitsfirma bewacht. Im Mai 2025 wurde das Gebäude dann mit einem Kran auf einen Parkplatz neben der Strecke versetzt. Das Stellwerk 2 plant der Verein Württembergische Schwarzwaldbahn Calw ebenfalls aufzuarbeiten und museal zu erhalten.[7]

Bahnsteige und Gleise

Der Bahnhof Calw besaß zu Zeiten des Personenverkehrs vier Bahnsteiggleise und ein weiteres Gleis zur Umfahrung der Bahnsteige für durchfahrende Züge. Gleis 1 lag am Hausbahnsteig, die Gleise 2, 3 und 4 an einem Mittelbahnsteig. Gleis 2 und 4 waren Durchgangsgleise zu beiden Seiten des Bahnsteiges. Gleis 3 war ein Stumpfgleis, das im nördlichen Ende des Mittelbahnsteiges endete, indem es den Bahnsteig für einige Meter mittig durchfuhr und ihn so in zwei schmale Teile aufspaltete. Heute ist nur noch das Gleis 1 als Streckengleis der Nagoldtalbahn in Betrieb. Alle Weichenverbindungen zwischen Gleis 1 und anderen Gleisen wurden entfernt. Jedoch sind mit Ausnahme von Gleis 2, das teilweise abgebaut wurde, alle Bahnhofsgleise, die beiden Bahnsteige und die Gleisanlagen des ehemaligen Bahnbetriebswerkes noch vorhanden (Stand 2024). Die Bahnsteige sind durch einen Zaun nicht mehr zugänglich. Auf Gleis 3 und auf mehreren Gleisen des Bahnbetriebswerkes sind Fahrzeuge des Vereins Württembergische Schwarzwaldbahn Calw–Weil der Stadt (WSB) abgestellt (Stand 2024).

Ereignisse

Am 19. Januar 2026 kam es am südlichen Ende des Bahnhofs Calw zu einem Felssturz. Ein Zug der Baureihe 650, auf dem Weg nach Eutingen im Gäu, prallte gegen einen mittig auf den Schienen liegenden, zwei mal drei Meter großen Felsblock. Der Zug wurde dabei schwer beschädigt, entgleiste aber nicht. Die fünf Fahrgäste und der Triebfahrzeugführer blieben unverletzt. Anschließend fanden umfangreiche Prüfungen der Stabilität der Felswände beim Bahnhof statt.[8]

Literatur

  • Eberhard Rieber (Hrsg.): Die Württembergische Schwarzwaldbahn (Stuttgart–Calw): Ein historischer, geologischer, literarischer und aktueller EisenbahnStreckenFührer. E. Rieber, 1992, ISBN 3-928980-11-4.
  • Hans-Wolfgang Scharf, Burkhard Wollny: Die Eisenbahn im Nordschwarzwald. Band 1: Historische Entwicklung und Bahnbau. Eisenbahn-Kurier, Freiburg im Breisgau 1995, ISBN 3-88255-763-X.
  • Hans-Wolfgang Scharf, Burkhard Wollny: Die Eisenbahn im Nordschwarzwald. Band 2: Ausgestaltung, Betrieb und Maschinendienst. Eisenbahn-Kurier, Freiburg im Breisgau 1995, ISBN 3-88255-764-8.
  • Erich Preuß: Calw. In: Oliver Strüber [vorm. Erich Preuß] (Hrsg.): Das große Archiv der deutschen Bahnhöfe (= 38. Ergänzungsausgabe). GeraNova Zeitschriftenverlag, München 2002, ISSN 0949-2127 (1 Bl., 4 S.).
Commons: Bahnhof Calw – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Commons: Haltepunkt Calw – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Commons: Bahnhof Calw HHB – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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