Bahnhof Elsterwerda-Biehla

Bahnhof in Elsterwerda, Landkreis Elbe-Elster, Brandenburg From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Bahnhof Elsterwerda-Biehla ist ein Bahnhof im Norden der südbrandenburgischen Stadt Elsterwerda. Der zugehörige Stadtteil Biehla befindet sich westlich der Bahnhofsanlagen.

Schnelle Fakten Elsterwerda-Biehla, Daten ...
Elsterwerda-Biehla
Empfangsgebäude, Straßenseite, 2014
Empfangsgebäude, Straßenseite, 2014
Empfangsgebäude, Straßenseite, 2014
Daten
Betriebsstellenart Bahnhof
Lage im Netz Trennungsbahnhof
Bauform Keilbahnhof
Bahnsteiggleise 2
Abkürzung BEB
IBNR 8010100
Eröffnung 1. Juni 1874
Profil auf bahnhof.de Elsterwerda-Biehla
Lage
Stadt/Gemeinde Elsterwerda
Land Brandenburg
Staat Deutschland
Koordinaten 51° 28′ 20″ N, 13° 31′ 6″ O
Eisenbahnstrecken Bahnstrecken bei Elsterwerda-Biehla
Bahnhöfe in Brandenburg
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Lage und Umfeld

Der Bahnhof liegt im gleichnamigen Stadtteil der südbrandenburgischen Kleinstadt Elsterwerda. Das im Norden der Stadt gelegene Biehla fand bereits im Jahr 1247 urkundliche Erwähnung. Die bis 1940 eigenständige Gemeinde war ursprünglich von Weinbau und Landwirtschaft geprägt und noch heute sind nahe dem historischen Wasserturm auf dem Winterberg verwilderte Terrassen als Zeugnisse dieser Epoche zu finden. Ortsbildprägende Wahrzeichen des Stadtteils sind ein nach dem Vorbild des Leipziger Völkerschlachtdenkmal erbauter historischer Wasserturm und ein Glockenturm aus dem Jahr 1862. Heutzutage bestimmen die ausgeprägte Wohnbebauung entlang der Bahnstrecke Ruhland–Falkenberg, zwei Gewerbegebiete und Baumschulfelder das Gesamtbild.

Im unmittelbaren Umfeld der Bahnhofsanlagen befindet sich das 15 Hektar umfassende Gewerbegebiet Elsterwerda-Nord in dem sich bisher vor allem mittelständische Unternehmen auf dem Handwerk und Dienstleistungsgewerbe angesiedelt haben. Südlich des Bahnhofs sind dies hauptsächlich ehemalige Flächen der Elfa, zu DDR-Zeiten eines der größten Unternehmen im damaligen Kreis Bad Liebenwerda. Nördlich lagen bis in die 1990er Jahre der 'Konsum-Großhandel, die Konsum-Großbäckerei und die Kalksandsteinwerke.[1]

Im Süden von Biehla liegt an der Bundesstraße 101 der 58 Hektar umfassende Industrie- und Gewerbepark Elsterwerda-West. Die vom Bahnhof Elsterwerda aus mit einem Anschlussgleis und einem Container-Terminal erschlossenen Flächen gehörten einst ebenfalls zur Elfa. Hier haben sich heute neben einem Biomassekraftwerk weitere mittelständische Unternehmen aus Industrie, Handel und Handwerk niedergelassen.[1]

Bahnhofsentwicklung

Industrialisierung

Mitte des neunzehnten Jahrhunderts begann in der Region die Industrialisierung, welche in der Folgezeit mit dem Aufschluss zahlreicher Braunkohlegruben einen weiteren Aufschwung erfuhr. Mit dem Bau der Oberlausitzer Eisenbahn von Kohlfurt über Biehla bis Falkenberg im Jahr 1874 und der Eröffnung der Berlin-Dresdener sowie der Elsterwerda-Riesaer Eisenbahn ein Jahr später, wurde Biehla zu einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt, denn unweit des Kreuzungsbereiches der beiden Bahnstrecken tangierte auch die Poststraße Berlin–Dresden, die spätere Fernverkehrsstraße 101, beziehungsweise Bundesstraße 101, den Ort. Hier wurde, etwa einen Kilometer östlich des Ortskerns, der Biehlaer Bahnhof angelegt. Die Eisenbahnstrecke Berlin–Dresden wurde durch eine vom Bahnhof Elsterwerda kommende 1,6 Kilometer lange Verbinderstrecke angebunden. Sie wurde so in den Biehlaer Bahnhof eingeführt, dass er die Form eines Keilbahnhofs erhielt. Unterhalb des Kreuzungsbauwerks an der Eisenbahnstrecke Berlin–Dresden befand sich ab Oktober 1885 an einem Bahnübergang am Schleinitzweg der Haltepunkt Biehla, der durch einen Fußgängerweg mit dem Bahnhof verbunden war.[2]

Die nun geschaffene gute Verkehrsanbindung des Ortes führte dazu, dass sich im Bahnhofsumfeld bald eine Reihe von Betrieben niederließ. Die im Januar 1900 gegründete Steingutfabrik, zeitweise mit etwa 400 Beschäftigten der größte Arbeitgeber in Biehla, erhielt einen eigenen Bahnanschluss mit Drehscheibe und die Wagen konnten so bis in deren Produktionshallen geschoben werden. Weitere hier sich ansiedelnde Betriebe waren unter anderem die Elsterwerdaer Fahrradfabrik (Elfa), die einen großen Teil der Flächen zwischen Bahnhof und Verbindergleis einnahm. In ihrer unmittelbaren Nachbarschaft lagen die Phönicia-Werk und nördlich des Bahnhofs die Germania-Sandwerke, die ebenfalls einen eigenen Bahnanschluss erhielten. Letztlich führte diese Entwicklung auch dazu, dass sich die Einwohnerzahl der Gemeinde erheblich vergrößerte, denn auch in der nahe gelegenen Stadt Elsterwerda siedelten sich seit dem Eisenbahnbau viele neue Betriebe an. Hatte Biehla 1875 noch fünfhundert Einwohner, so hatte sich diese Zahl 1939 mit 2568 mehr als verfünffacht.[3]

Vom Ende des Zweiten Weltkrieges bis zur Wende

Bahnhofsgebäude und -vorplatz vor der Umgestaltung
Bahnhof und Blockbohlenweg vom Kreuzungsbauwerk aus gesehen
Wasserturm
Vis-à-vis dem Bahnsteig: die einstige Konsum-Großbäckerei
Der im Jahre 2011 umgestaltete Bahnhofsvorplatz
Bauarbeiten am Kreuzungsbauwerk im Januar 2014

Dieser Entwicklung setzte der Zweite Weltkrieg ein Ende. Viele Betriebe im Land waren auf die Produktion von Rüstungsgütern umgestellt worden, so auch die im Umfeld des Biehlaer Bahnhofs. Verheerend war in den letzten Tagen des Krieges am 19. April 1945 ein Großangriff von amerikanischen B-17-Bombern auf die Bahnanlagen der Stadt Elsterwerda.[4] Durch den Angriff wurden die meisten Industrieanlagen in Elsterwerda zerstört, da sie sich meist in unmittelbarer Nähe der Gleisanlagen befanden. Die zwischen der Bahnstrecke Falkenberg–Ruhland und dem Verbindergleis gelegenen Betriebsgelände der Elfa und der Phönicia-Werke wurden an diesem Tag vollständig zerbombt. Drei Tage später rückte die Rote Armee im Ort ein.

Der Ort erholte sich zunächst nur langsam davon, denn die Anlagen der etwas abseits gelegenen und deshalb von Zerstörungen weitgehend verschont gebliebenen Steingutfabrik wurden auf Befehl der Besatzungsmacht demontiert und 1946 als Reparationsleistung mit zwei Güterzügen in die Sowjetunion abtransportiert.[5]

Der an der Berlin–Dresdener Strecke gelegene Haltepunkt wurde 1962 stillgelegt. Im Zuge mit Elektrifizierungsarbeiten einhergehenden Gleisarbeiten folgte 1981 dann auch die Schließung des sich hier befindlichen Bahnübergangs zur Siedlung Schleinitzweg. Für den Fußgängerverkehr wurde als Ersatz ein Blockbohlenweg über das Kreuzungsbauwerk geschaffen.[2]

Mit dem in nach der Wendezeit einhergehenden Niedergang zahlreicher Großbetriebe in der Region wurde der Betrieb des Empfangsgebäudes eingestellt. Die Bahnhofsgaststätte schloss und auch die Zugaufsicht verschwand. Fahrkarten gibt seither nur noch am Automaten.[6]

Gegenwart und Zukunft

Im Zuge der Bahnhofsumgestaltung in den Jahren 2010 und 2011 wurde der Bahnhof für 1,1 Millionen Euro komplett umgestaltet. Nebengebäude, wie Bahnhofsaufsicht, Verwaltung und Fahrradschuppen, wurden abgerissen und an deren Stelle unter anderem eine Buswendeschleife und neue Fahrradunterstell­möglichkeiten geschaffen. Der Bahnhofsvorplatz sowie die an den Gleisen bis zum Bahnübergang an der Berliner Straße entlangführende Ladestraße, heute die einzige Zufahrt zum Biehlaer Bahnhof, wurden von Grund auf erneuert und die Straße Am Nordbahnhof ab dem angrenzenden Gewerbegebiet zur Fußgängerzone umgestaltet. Weiterhin entstanden eine moderne Bushaltestelle, ein Taxistand und 43 Parkplätze. Das Bahnhofsgebäude selbst steht weiterhin leer.[7][8]

Im September 2013 begannen Bauarbeiten zur Erneuerung des aus vier Brückenelementen bestehenden Kreuzungsbauwerks. Dabei wurden die Gleise der Strecke Berlin–Dresden in einen Trogbau abgesenkt, um auch die Oberleitung unter der aus drei Elementen bestehende Konstruktion durchzuführen zu können[9] Im Zuge der Bauarbeiten wurden weitgehend brach liegende Gärten an der Siedlung Schleinitzweg beseitigt und die als Zufahrt zur Baustelle dienenden Straßen Schleinitzweg und Kiesgrubenweg bekamen eine Bitumenschicht.[10] Im Dezember 2014 ging das 29 Millionen Euro teure Kreuzungsbauwerk zwischen der Berlin-Dresdner Bahn und der Strecke Richtung Horka in Betrieb. Die zulässige Geschwindigkeit konnte nun von 140 km/h (1990er Jahre) auf 160 km/h angehoben werden, den Biehlaer Bahnhof passieren die Züge mit etwa 100 km/h.[11]

Im Januar 2019 genehmigte das Eisenbahn-Bundesamt die Errichtung eines elektronischen Stellwerks (ESTW-A) beim Streckenkilometer 125,0 der Strecke 6207. In diesem Rahmen werden zwei Bestandsstellwerke (B1, W2) und eine Weiche zurückgebaut.[12]

Anlagen und Bauten

Der Bahnhof Elsterwerda-Biehla vor den Umbaumaßnahmen aus der Luft gesehen
Die ebenfalls unter Denkmalschutz stehende einstige Güterabfertigung und der Wasserturm
Reisezug der Linie S 4 nach Hoyerswerda am Gleis 1
Reisezug der Linie RB 31 nach Dresden am Gleis 2

Das heutige Bahnhofsgebäude mit der angrenzenden Güterabfertigung entstand 1874 mit der Inbetriebnahme der Eisenbahnstrecke Ruhland–Falkenberg. Der in Elsterwerda ansässige renommierte Baumeister Friedrich Jage entwarf dieses bis in die Gegenwart erhalten gebliebene Gebäude-Ensemble aus schlesischem Klinkermauerwerk. Etwas später erhielt der Bahnhof seine mit gusseisernen Säulen versehene Bahnsteigüberdachung. Zum Bahnhofskomplex gehört ferner auch ein Wasserturm, der ein Fassungsvermögen von 50 m³ besitzt und ebenfalls zu dieser Zeit entstand.[13][14][15][16]

Zunächst trug der Bahnhof den Namen Elsterwerda Oberlausitzer Bahnhof, da er ursprünglich von der Oberlausitzer Eisenbahn-Gesellschaft betrieben wurde.[6] Diese Bezeichnung hielt sich auch nach der Verstaatlichung der Bahngesellschaft. Erst nach dem Ersten Weltkrieg wurde er in Elsterwerda-Biehla umbenannt. Anfang der 1950er Jahre sollte er den Namen Elsterwerda-Nordbahnhof bekommen, was aber letztlich nicht umgesetzt wurde. Lediglich die Straße Am Nordbahnhof, heute Fußgänger- und Radweg, erinnert noch daran.[17]

Das Bahnhofsgebäude befindet sich seit 2011 in Privatbesitz. Es war von der Deutschen Bahn versteigert worden und ist gegenwärtig stark sanierungsbedürftig.[18] Seit 2012 stehen das Gebäude mit der Bahnsteigüberdachung, der Güterabfertigung, dem Wasserturm und dem Karbidlampenbunker unter Denkmalschutz.[19]

Verkehrsanbindung

Weitere Informationen Linie, Linienverlauf ...
Linie Linienverlauf Takt (min) EVU
RE 11 Leipzig HbfEilenburgFalkenberg (Elster)Elsterwerda-BiehlaRuhlandHoyerswerda 120 DB Regio Nordost
RE 13 ElsterwerdaElsterwerda-Biehla – Ruhland – SenftenbergCottbus Hbf 120
(Mo–Fr)
RB 31 Elsterwerda-Biehla – Elsterwerda – Großenhain Cottb BfCoswig (b Dresden)Dresden Hbf 120 DB Regio Südost
RB 49 Falkenberg (Elster) – Elsterwerda-Biehla – Ruhland – Senftenberg – Cottbus Hbf 120 DB Regio Nordost
Kursiv = außerhalb Brandenburgs Stand: 15. Dezember 2024
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Die Buslinie 587 der Verkehrsmanagement Elbe-Elster bedient montags bis freitags den Bahnhof Biehla.

Literatur

  • Horst Krampe: Vor 125 Jahren wurde die Eisenbahn Berlin–Elsterwerda–Dresden eröffnet. In: Arbeitsgemeinschaft für Heimatkunde e. V. Bad Liebenwerda (Hrsg.): Heimatkalender für das Land zwischen Elbe und Elster. Nr. 53, Gräser, Großenhain 2000, ISBN 3-932913-16-7, S. 262–280.
  • Stadtverwaltung Elsterwerda (Hrsg.): Elsterwerda. Historisches unserer Stadt. „Bahnhof Elsterwerda“. 2006.
  • Erich Preuß: Elsterwerda-Biehla. In: Oliver Strüber [vorm. Erich Preuß] (Hrsg.): Das große Archiv der deutschen Bahnhöfe (= 80. Ergänzungsausgabe). GeraMond Verlag, München 2008, ISSN 0949-2127 (1 Bl., 4 S.).
Commons: Bahnhof Elsterwerda-Biehla – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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