Bahnhof Friedrichsruh
ehemaliger Bahnhof in Friedrichsruh, Schleswig-Holstein, Deutschland
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Der Bahnhof Friedrichsruh ist ein ehemaliger Bahnhof an der Bahnstrecke Berlin–Hamburg im Ortsteil Friedrichsruh der schleswig-holsteinischen Gemeinde Aumühle im Kreis Herzogtum Lauenburg. Er wurde 1846 zusammen mit der Strecke eröffnet und war zuletzt ein Haltepunkt der aber 2022 stillgelegt wurde.
| Friedrichsruh | |
|---|---|
Empfangsgebäude und Hausbahnsteig (2011) | |
| Daten | |
| Betriebsstellenart | Bahnhof (bis ca. 1981) Haltepunkt mit Blockstelle (ca. 1981–1995) Haltepunkt (ab 1995) |
| Lage im Netz | Zwischenbahnhof |
| Bauform | Durchgangsbahnhof |
| Bahnsteiggleise | 2 |
| Abkürzung | AFRD |
| PLC | DE13464 |
| IBNR | 8002113 |
| Preisklasse | 7 |
| Eröffnung | 15. Oktober 1846 |
| Schließung | 31. Januar 2022 |
| Webadresse | bahnhof.de ( vom 14. Februar 2019 im Internet Archive) |
| Architektonische Daten | |
| Baustil | Spätklassizismus |
| Lage | |
| Stadt/Gemeinde | Aumühle |
| Ort/Ortsteil | Friedrichsruh |
| Land | Schleswig-Holstein |
| Staat | Deutschland |
| Koordinaten | 53° 31′ 40″ N, 10° 20′ 28″ O |
| Eisenbahnstrecken | |
| |
| Bahnhöfe in Schleswig-Holstein | |
Das Mitte des 19. Jahrhunderts errichtete, denkmalgeschützte Empfangsgebäude ist eines der ältesten erhaltenen Bahnhofsgebäude Deutschlands[1] und das einzige an der Strecke auf dem Gebiet des Bundeslandes, das noch aus der Bauzeit der Bahnstrecke stammt.[2] In ihm hat seit dem Jahr 2000 die Otto-von-Bismarck-Stiftung ihren Sitz.
Lage
Der Bahnhof lag am Streckenkilometer 259,57 der Bahnstrecke Berlin–Hamburg.[3] Der Ort Friedrichsruh befindet sich im Sachsenwald und war früher ein beliebter Ausflugsort der Einwohner der nahen Stadt Hamburg. Die beiden Seitenbahnsteige liegen versetzt zueinander. Reisende gelangten durch eine Unterführung auf die jeweils andere Gleisseite. Östlich des Haltepunktes überführte die Landesstraße 208 die Bahnstrecke.
Geschichte


Der Bahnhof wurde von der Berlin-Hamburger Eisenbahn-Gesellschaft zusammen mit der Bahnstrecke Berlin–Hamburg errichtet und als Teil des Abschnitts am 15. Oktober 1846 dem Betrieb übergeben. Dabei wurde in Friedrichsruh das bis heute erhaltene Empfangsgebäude errichtet.[4] Wie fast alle Bauten der Berlin-Hamburger Bahn wurde es im spätklassizistischen Stil erbaut.[5] So bestehen unter anderem Ähnlichkeiten zu den Gebäuden in Friesack in Brandenburg und Ludwigslust in Mecklenburg-Vorpommern, beide genannten erhielten jedoch später Anbauten.
1912 wurde im östlichen Bahnhofskopf, am nördlichen Gleisbogen kurz vor Höhe der Ausfahrsignale, das mechanisches Stellwerk Fo der Bauform Jüdel in Betrieb genommen.[6] Im Westkopf, an der Südseite des Bahnübergangs stand ein weiteres mechanisches Stellwerk Fw. Dieses wurde um 1933, vermutlich mit dem Ausbau des Hamburger Vorortbahnnetzes im Zusammenhang mit der Inbetriebnahme von Stellwerk Frd 1933, außer Betrieb genommen. Das Stellwerksgebäude von Fw wurde noch jahrzehntelang als Posten 133 genutzt. Das Fahrdienstleiterstellwerk Frd stand als markantes Brückenstellwerk aus Blech in km 259,4 mit Zugang von Bahnsteig 2 und war in der 1-Reihen-Bauform von Orenstein & Koppel ausgeführt.[7][8]
1938 war Friedrichsruh als Bahnhof der Klasse III eingestuft.[9]
Laut Gleisplan der Deutschen Reichsbahn vom August 1945 verfügte der Bahnhof zu der Zeit über sieben Gleise und 17 Weichen. Zum Teil waren es Ladegleise, die vom Sägewerk der Familie Bismarck genutzt wurden. Für die Versorgung von Dampflokomotiven stand östlich vom Empfangsgebäude ein Wasserturm, in dem sich auch ein Aufenthaltsraum befand. Eine aktualisierte Gleisplanfassung vom Mai 1976 zeigt, dass zwischenzeitlich fünf Weichen und einige Gleise entfernt wurden, darunter auch das südlichste Gleis, das in den 1960er Jahren zum Abstellen zahlreicher ausgemusterter Dampflokomotiven genutzt wurde.
Circa 1981 wurde der Bahnhof zum Haltepunkt mit Blockstelle zurückgebaut und damit das Stellwerk Fo außer Betrieb genommen.[6]
Bis in die 1970er Jahre befand sich im Bahnhofsgebäude das Restaurant Historischer Bahnhof. Danach stand es leer. Anfang der 1980er Jahre nutzte der RAF-Terrorist Christian Klar den Keller als Versteck. Er wurde 1982 bei Friedrichsruh festgenommen. Zwischenzeitlich war im Bahnhofsgebäude eine Asylbewerberunterkunft. Bis Ende der 1990er Jahre war es dem Verfall preisgegeben. Nach der Sanierung bezog die Otto-von-Bismarck-Stiftung im Jahr 2000 das ehemalige Empfangsgebäude und unterhält dort neben den Forschungseinrichtungen auch ein Museum mit einer Dauerausstellung zur deutschen Geschichte des 19. Jahrhunderts.[4][10]
Im Rahmen des Ausbaus der Bahnstrecke Berlin–Hamburg wurden am 5. Februar 1995 das Brückenstellwerk Frd außer Betrieb genommen und die Blockstelle durch einen selbsttätigen Streckenblock ersetzt und in den 1990er Jahren der Bahnübergang der Landesstraße 208 stillgelegt und durch eine Straßenüberführung ca. 30 Meter östlich des im September 1996 abgebrochenen Stellwerksgebäudes ersetzt.[8]
Zum Fahrplanwechsel am 15. Dezember 2019 endete die Bedienung der Station. Am 31. Januar 2022 wurde der Haltepunkt stillgelegt.[11] Bei der Generalsanierung der Bahnstrecke Berlin–Hamburg 2025/2026 wurde die noch bestehende Bahnsteigausstattung entfernt und die Kante des nördlichen Bahnsteigs zurückgebaut.[12][13]
Personenverkehr
In Friedrichsruh waren von Beginn an reguläre Halte der fünf bis sechs täglichen zwischen Hamburg und Berlin durchgehenden Zugpaare. Der Sachsenwald war schon damals von Hamburg aus ein beliebtes Ausflugsziel.[4]
Der Bahnhof erlangte dadurch Bedeutung, dass Reichskanzler Otto von Bismarck von Kaiser Wilhelm I. den Sachsenwald 1871 geschenkt bekam und Bismarck wegen der guten Verkehrsanbindung nach Berlin ab 1874 mehrere Monate pro Jahr und von 1890 bis zu seinem Tod dauerhaft in Friedrichsruh wohnte.[14] Sein Anwesen lag nahe den Gleisen am Bahnhof. Bismarck fuhr stets mit dem Zug nach Berlin. Er erwirkte für sich und seine Staatsgäste Ausnahmegenehmigungen zum Halt der Züge an seinem Grundstück, etwa 200 Meter neben dem Empfangsgebäude. Für Bismarcks Post wurden in den 1880er-Jahren von Zügen, die ohne Halt zwischen Hamburg und Berlin verkehrten, Postsäcke bei der langsamen Durchfahrt durch den Bahnhof Friedrichsruh abgeworfen oder aufgenommen.[4]

Aufgrund des Personenkults um Bismarck ab 1890 reisten noch zu seinen Lebzeiten an seinen Geburtstagen und nationalen Feiertagen tausende Verehrer mit der Bahn nach Friedrichsruh.[14] Dafür wurden auch Sonderzüge eingesetzt. Außerdem erhielt Bismarck erhebliche Mengen an Post.[15] Nach seinem Tod 1898 besuchten bis zu 100.000 Menschen jährlich den Ort. Zumeist reisten sie per Bahn an.[4]
Nachdem Friedrichsruh in den Jahren zuvor alle Halte unter der Woche verloren hatte, wurde Friedrichsruh mehrere Jahre lang nur noch an den Wochenenden drei- bis viermal täglich von Regionalbahn-Zügen der Linie RB 11 (Aumühle–Büchen) bedient. Zum Fahrplanwechsel am 11. Dezember 2017 wurde diese Linie komplett eingestellt. Stattdessen wurden für Friedrichsruh sonn- und feiertags Halte der Regional-Express-Züge der Linie RE 1 im Zweistunden-Takt eingeführt.[16] Mit dem Fahrplanwechsel am 15. Dezember 2019 entfielen alle Halte in Friedrichsruh.[17]
Literatur
- Benno Wiesmüller: Friedrichsruh. In: Oliver Strüber [vorm. Erich Preuß] (Hrsg.): Das große Archiv der deutschen Bahnhöfe (= 62. Ergänzungsausgabe). GeraMond Verlag, 2006, ISSN 0949-2127, DNB 954035348.
