Bahnhof Simmern
Bahnhof in Deutschland
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Der Bahnhof Simmern ist ein Bahnhof am Streckenkilometer 37,7 der Hunsrückquerbahn Langenlonsheim–Hermeskeil und war Ausgangspunkt der abgebauten Bahnstrecke Simmern–Gemünden sowie ehemaliger Endpunkt der Hunsrückbahn Simmern–Boppard. Zusätzlich zu seiner Funktion als Eisenbahnknoten besaß der Bahnhof auch Lokbehandlungsanlagen, die zeitweise als Bahnbetriebswerk Simmern eine eigenständige Dienststelle bildeten.
| Simmern | |
|---|---|
Empfangsgebäude, Straßenseite (2017) | |
| Daten | |
| Betriebsstellenart | Bahnhof |
| Lage im Netz | ehem. Trennungsbahnhof |
| Bauform | Durchgangsbahnhof |
| Bahnsteiggleise | 3 |
| Abkürzung | SSIM |
| Eröffnung | 7. Oktober 1889 |
| Lage | |
| Stadt/Gemeinde | Simmern/Hunsrück |
| Land | Rheinland-Pfalz |
| Staat | Deutschland |
| Koordinaten | 49° 58′ 55″ N, 7° 31′ 34″ O |
| Höhe (SO) | 351,2 m ü. NHN |
| Eisenbahnstrecken | |
| |
| Bahnhöfe in Rheinland-Pfalz | |
Der Bahnhof liegt in der Innenstadt der knapp 8000-Einwohner-Stadt Simmern im Hunsrück. Der Bahnhofsvorplatz dient als Busbahnhof/ZOB des ÖPNV.
Geschichte
Entwicklung zum Eisenbahnknoten
Die Konzession für eine Stichstrecke von Langenlonsheim nach Simmern wurde 1884 erteilt. Der Bahnhof Simmern wurde am 7. Oktober 1889 zusammen mit der damals noch „Hunsrückbahn“ genannten Strecke Langenlonsheim–Simmern in Betrieb genommen. Die Gebäude waren weitestgehend baugleich zu denen des Bahnhofs Hermeskeil. Der Endbahnhof Simmern besaß bereits zu dieser Zeit eine Lokstation mit Lokschuppen. Zwei weitere, von Simmern ausgehende Stichbahnen wurde 1896 genehmigt, so sollte die bestehende Strecke bis Kirchberg (Hunsrück) verlängert sowie eine neue Strecke nach Kastellaun gebaut werden. Die Verlängerung nach Kirchberg wurde am 15. Juli 1901 in Betrieb genommen, die Strecke nach Kastellaun folgte am 28. Oktober 1901. In den folgenden Jahren wurden beide Stichstrecken schrittweise noch bis Hermeskeil (eröffnet 1903) bzw. Boppard (eröffnet 1908) verlängert.[1.1] Simmern wurde damit zum lokalen Eisenbahnknoten.[2]

Bis 1901 war bereits eine Güterabfertigung sowie ein Rangierbahnhof mit Ablaufberg – direkt westlich des Bahnhofsgebäudes – errichtet worden. Dazu kamen im Laufe der Jahre vor dem Ersten Weltkrieg Betriebsanlagen wie Schlosserei und Schreinerei. Der Ausbau des Bahnhofs und des neuen Betriebswerkes Simmern war bis dahin größtenteils abgeschlossen.
Entwicklung seit dem Ersten Weltkrieg
Trotz schwieriger wirtschaftlicher Verhältnisse in der Weimarer Republik wurde nach dem Krieg das Netz um die Strecke Simmern–Gemünden erweitert, die 1921/22 eröffnet wurde.[2][3.1]
Vom Regiebetrieb 1923/24 war der Bahnhof Simmern und die angrenzenden Strecken anfänglich nicht betroffen, noch vor Sommer 1923 übernahmen aber dann doch französische Eisenbahner den Bahnverkehr.[4]
Nach 1933 wurde die Verkehrsinfrastruktur des Hunsrücks verbessert – der Hunsrück war Aufmarschgebiet gegen Frankreich. Die Hunsrückhöhenstraße entstand und der Bahnhof Simmern erhielt kleinere Verbesserungen.[2]
Erst gegen Ende des Zweiten Weltkrieges – ab Juli 1944 – wurden die Gleisanlagen in und um Simmern bombardiert und beschädigt. Insbesondere das Gleisdreieck nach Hermeskeil war das Ziel der Angriffe. Das Bahnhofsgebäude in Simmern brannte aus und der Lokschuppen wurde beschädigt.[5] Die Wehrmacht sprengte außerdem beim Rückzug zahlreiche Brücken in der Umgebung.[1.2]
Geschichte nach 1950
In den 1950er und 1960er Jahren wurde der Bahnhof Simmern wieder militärisch durch die NATO-Verbündeten genutzt. Die Industrie hatte Bedarf an Güterverkehr. In derselben Zeit wurden die Stecken Simmern–Boppard und Langenlonsheim–Hermeskeil auf Zugleitbetrieb umgestellt. 1963 wurde die Strecke Simmern–Gemünden mangels Wirtschaftlichkeit eingestellt und bis 1965 abgebaut.[6]
Als nächster Abschnitt verlor Simmern–Hermeskeil 1976 den Personenverkehr, zwischen Simmern und Emmelshausen wurde er wenige Jahre später, am 29. Mai 1983 eingestellt. Eine kurze Renaissance im Personenverkehr erlebte der Abschnitt Simmern–Kastellaun noch einmal am 11. Oktober 1986 anlässlich der Großdemonstration gegen die unweit von Kastellaun in der Raketenstation Pydna vorgesehene Stationierung von Cruise-Missiles eine Reihe von Sonderzügen diesen Abschnitt befuhren.
Der Güterverkehr wurde zuerst am 27. Mai 1983 zwischen Emmelshausen und Pfalzfeld eingestellt. Er ging zwischen Kastellaun und Pfalzfeld noch bis zum 31. Dezember 1994 und zwischen Simmern und Kastellaun bis zum 1. Juni 1995. Am 1. März 1996 wurde der Abschnitt Simmern–Pfalzfeld stillgelegt. In den Jahren ab 1988 wurde der Abschnitt Emmelshausen–Simmern schrittweise abgebaut und auf der ehemaligen Trasse der Schinderhannes-Radweg angelegt.[7][8]
Der Bahnhof Simmern wurde damit wieder zum Durchgangsbahnhof. Gleichzeitig mit der Stilllegung des Personenverkehrs Simmern–Emmelshausen begann der Rückbau des Passagierbereiches des Bahnhofs. Der damalige Knotenbahnhof Simmern wurde bis Herbst 1983 auf den heutigen Zustand zurückgebaut. Dabei wurden Teile der Bahnsteige abgerissen.[7]
Einstellung des Verkehrs
Am 1. Juni 1984 folgte die Einstellung des Personenverkehrs Langenlonsheim–Simmern, damit endete der Personenschienenverkehr auf dem Hunsrück, von der so bezeichneten nur 14,7 km langen Hunsrückbahn Boppard–Emmelshausen abgesehen. Das Betriebswerk Simmern wurde 1982/1983 aufgelöst. Bis zum 1. Juni 1993 war im Bahnhofsgebäude selbst eine Fahrkartenausgabe eingerichtet. Die Güterabfertigung wurde 1998 abgerissen.[8]


Auf der Strecke Langenlonsheim–Hermeskeil wurde bis Mitte der 1990er Jahre noch reger Güterverkehr sowie Nostalgiefahrten durchgeführt. Im Juni 1996 übernahm die Bahngesellschaft Waldhof zunächst den Güterverkehr auf der Strecke, im September 1998 die Betriebsführung. Am 11. Juli 1998 wurde die Strecke Morbach–Hermeskeil endgültig stillgelegt. Zwischen 1998 und 2000 fuhren auf der Reststrecke nur unregelmäßig Güterzüge.[8][9] Von 2001 bis 2009 wurde die Strecke betrieblich gesperrt, bis sie – nach Klage des Landes Rheinland-Pfalz – 2010 von der Deutschen Bahn AG wieder freigegeben werden musste.[10]
Bis auf das Betriebswerk befinden sich Gelände und Gebäude nach wie vor im Besitz der Deutschen Bahn, nachdem ein Verkauf an die Kommunen scheiterte. Seitdem wurde der Rückbau des Geländes vorangetrieben, es steht nur noch das Bahnhofsgebäude mit Verwaltungstrakt, Garagen und Bahnsteig sowie das Stellwerk.[9]
Das Gelände südwestlich des Bahnhofsgebäudes wurde von DB AG-Tochter Rhein-Mosel Verkehrsgesellschaft mit einem Stütz- und Knotenpunkt für den Buslinienbetrieb im Rhein-Hunsrück-Kreis neu bebaut.
Reaktivierungspläne
siehe hierzu:
Bahnbetriebswerk Simmern
Das Bahnbetriebswerk Simmern (kurz Bw Simmern) entwickelte sich aus einer Lokstation in Simmern. Diese wurde zusammen mit der Strecke Langenlonsheim–Simmern im Jahre 1889 eröffnet. Zunächst war eine 13-m-Drehscheibe sowie ein zweigleisiger Lokschuppen gegenüber dem Empfangsgebäude vorhanden.[1.3][2]
Mit der Entwicklung zum Bahnknoten mit weiteren Streckeneröffnungen um Simmern wurde auch eine sogenannte Betriebswerkstätte eingerichtet. Sie befand sich oberhalb der Ausfahrt Richtung Hermeskeil, es wurden eine neue 16,2-m-Drehscheibe sowie ein fünfzehnständiger Ringlokschuppen errichtet.[1.4] Für die Wasserversorgung der Dampflokomotiven entstand ein Teich.[11] Zuständig war das Bahnbetriebswerk für den Fahrzeugeinsatz auf den von Simmern ausgehenden Nebenbahnen, der Bahnstrecke Trier–Türkismühle und teilweise auf dem Abschnitt Bingerbrück–Langenlonsheim der Nahetalbahn.[1.4] Zudem gehörten die Lokbahnhöfe Boppard[3.2] und Türkismühle zum Bw Simmern.[12]
Während des Zweiten Weltkriegs wurde der Lokschuppen durch Luftangriffe teilweise zerstört. Dieser wurde nach dem Krieg mit neun Ständen wieder aufgebaut.[5][1.2]
In den 1950er Jahren wurde das ehemalige Bahnbetriebswerk Hermeskeil nach dessen Auflösung als Lokbahnhof dem Bw Simmern unterstellt.[13.1]
Das Bahnbetriebswerk wurde am 1. November 1982 aufgelöst[14] und als Außenstelle dem Bahnbetriebswerk Kaiserslautern angegliedert. Damit einher ging auch eine Personalreduzierung, waren während der Zeit als selbstständiges Bahnbetriebswerk etwa 200 Personen beschäftigt, so arbeiteten in der Lokeinsatzstelle nur noch etwa 35 Personen. Die Einsatzstelle Simmern wurde am 28. Mai 1983 schließlich ganz aufgelöst.[1.5] Das ehemalige Bahnbetriebswerk hatte danach nur noch die Funktion als Lokführermeldestelle.[8]
Das Gelände des Betriebswerkes wurde an die Stadt Simmern verkauft, die nach einem Nutzungskonzept sucht. Der Lokschuppen auf dem Gelände brannte im Juni 2015 ab.[15]
Im Mai 2026 wurde Gemeinschaftsprojekt "Bw Simmern" von der Nationalparkbahn Hunsrück-Hochwald GmbH als Projektträger, dem Verein Hunsrückbahn e.V. und der Stadt Simmern präsentiert und sofort mit Arbeiten begonnen.[16]
Fahrzeugeinsatz
Hauptsächlich waren hier Dampflokomotiven der Baureihen 57.10–35, 91.3–18 und 93.5–12 stationiert.[1.6] Kurzzeitig waren auch die Baureihen 56.2–8, 93.0–4 und 94.5–17 im Einsatz.[1.7] Anfang der 1960er Jahre wurden die Dampflokomotiven z-gestellt oder andere Dienststellen abgegeben,[13.2] die letzte Dampflok wurde im Dezember 1964 eingesetzt.[3.2]
Ab 1952 wurden Schienenbusse der Baureihe VT 95 (Baureihe 795) sowie ab 1955 der Baureihe VT 98 (Baureihe 798) in Simmern stationiert, die fortan sämtlichen Personenverkehr abwickelten. Die einmotorigen Triebwagen der Baureihe 795 wurden 1976 an das Bahnbetriebswerk Trier abgegeben, die zweimotorigen Triebwagen der Baureihe 798 blieben bis 1983 in Simmern.[1.8]
Ab 1962 lösten Dieselloks der Baureihe V 100.10 und die Köf III die Dampflokomotiven ab.[1.9] Ende der 1970er Jahre war auch die letzte Kleinlokomotive Kö I der DB in Simmern im Einsatz.[17.1] Sie übernahm unter anderem die Rangieraufgaben der Schienenbusbeiwagen im Bahnbetriebswerk, da die Schienenbusgarnituren für die Drehscheibe zu lang waren und zum Erreichen der Lokschuppenstände getrennt werden mussten.