Bakuer Siegesparade von 2020

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Die Bakuer Siegesparade von 2020 (aserbaidschanisch Zəfər paradı, dt.: Siegesparade) war eine Militärparade, die am 10. Dezember 2020 auf dem Asadliq-Platz in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku stattfand. Der Umfang der Parade mit Tausenden Soldaten, moderner aserbaidschanischer Wehrtechnik und internationaler Beteiligung sollte Aserbaidschans militärischen Sieg über Armenien wirkungsvoll und die aserbaidschanisch-türkische Beziehungen getreu der Position eine Nation in zwei Staaten hervorheben.[1]

Die Siegesparade mit den paradierenden Soldaten und den Marineschiffen auf dem Kaspischen Meer
Recep Tayyip Erdoğan und Ilham Alijew (rechts) während der Parade

Hintergrund

Der Sieg Aserbaidschans im sogenannten „44-Tage-Krieg“ gegen Armenien war der zentrale Zweck der Parade. Dieser Krieg, der vom 27. September bis zum 10. November 2020 dauerte, endete (vorläufig) mit einem Waffenstillstandsabkommen unter russischer Vermittlung. Aserbaidschan eroberte bedeutende Teile der zuvor von Armenien kontrollierten Gebiete in der Region Bergkarabach, darunter die strategisch wichtige Stadt Şuşa. Die Parade markierte den Höhepunkt des Nationalstolzes und war ein Ausdruck des Triumphs über das fast drei Jahrzehnte andauernde Gefühl der Niederlage, die auf den Ersten Karabach-Krieg (1988–1994) zurückging, bei dem Aserbaidschan Gebiete an Armenien bzw. an die Bergkarabach-Armenier verloren hatte. Im Zuge dessen wurden viele Aserbaidschaner vertrieben.[1][2] Die Parade war nicht nur eine militärische Machtdemonstration, sondern auch ein pompöses politisches und nationales Ereignis.[2] Aserbaidschan nutzte die Veranstaltung, um seine nationale Einheit und den Triumph über Armenien zu zelebrieren, was tief in der Staatsideologie verwurzelt ist, die den Verlust von Bergkarabach 1994 als nationale Demütigung betrachtet.[2] Die Zurschaustellung erbeuteter Waffen und die Teilnahme Erdoğans, der Aserbaidschan während des Krieges massiv unterstützt hatte, verstärkten die anti-armenische Rhetorik, die laut Beobachtern in den Reden beider Präsidenten deutlich wurde.[1][2] Alijew bezeichnete den Sieg als historischen Wendepunkt und die Wiederherstellung der nationalen Würde, während sich Erdoğan in seiner Rede auf die geopolitischen Ansichten Enver Paschas bezog[3], der Kriegsminister des Osmanischen Reiches war und als Hauptverantwortlicher für den Völkermord an den Armeniern gilt.[4] Des Weiteren wurde im Anschluss an die Parade die Eröffnung des „Parks der Trophäen“ in Baku gefeiert, wo erbeutete armenische Militärfahrzeuge martialisch in Szene gesetzt wurden[5]. Diese Ausstellung hob laut diversen internationalen Beobachtern die Demütigung der Armenier hervor.

Parade

Mehr als 3.000 Soldaten und rund 150 Militärfahrzeuge nahmen an der Militärparade teil, während mehrere Marineschiffe der aserbaidschanischen Seestreitkräfte in der nahe gelegenen Bucht von Baku auf Reede lagen. Außerdem gab es Flugvorführungen mit Hubschraubern und Kampfflugzeugen. Neben einheimischem Militär nahmen auch türkische Soldaten der Brigade 2. Kommando Tugayı nahmen an der Parade teil.[6][7] International kontrovers wurde die Zurschaustellung von erbeutetem und teilweise zerstörtem armenischen Gerät während der Parade diskutiert.

Bedeutung

LKW mit den armenischen Kfz-Kennzeichen und dem Slogan Karabach gehört zu Aserbaidschan!

Die Siegesparade am 10. Dezember 2020 gilt als eine der größten und symbolisch wichtigsten Paraden des Landes, die trotz der COVID-19-Pandemie mit global ansteigenden Infektionszahlen durchgeführt worden ist. Alijew betonte bei der Veranstaltung die herausragende Rolle dieser Siegesparade mit den Worten Auf dem Asadliq-Platz gab es schon viele Paraden, aber diese Parade ist von besonderer Bedeutung. Es handelt sich um die Siegesparade. Spätere Paraden (z. B. 2023 in Xankəndi und 2025 in Baku zum 5. Jahrestag des Sieges) werden in aserbaidschanischen Quellen explizit als Fortsetzungen oder Jubiläumsveranstaltungen der ersten Siegesparade von 2020 beschrieben, die als Ausgangspunkt und Höhepunkt gilt.[8] Das feierliche Militärdefilee war für Aserbaidschan innenpolitisch ein Kulminationspunkt des neuen aserbaidschanischen Selbstbildes als militärisch erfolgreicher, souveräner Staat und ein gewichtiges Symbol der Wiederherstellung der territorialen Integrität.[9] International und in der Region südlich des Kaukasus war sie zugleich ein Signal für neue Machtverhältnisse sowie eine Zurschaustellung der engen sicherheitspolitischen Verbindung mit der Türkei unter Erdogan. Die politische Führung inszenierte den Krieg offiziell als sogenannten „Vaterländischen Krieg“ und die Parade als Triumph über Armenien[1], der vergleichbar sein soll mit den Siegesmythen anderer Staaten. Das Vorführen erbeuteter armenischer Militärtechnik und Kraftfahrzeugkennzeichen armenischer Fahrzeuge sollte das Narrativ eines endgültigen Sieges über Armenien unterstreichen.[9] Alijew drohte in seiner Rede deutlich, dass eine erneute „armenische Aggression“ dazu führen würde, dass die „eiserne Faust Aserbaidschans ihnen [Armenien] erneut den Rücken brechen würde“.[10]

Commons: Bakuer Siegesparade von 2020 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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