Balsamgau
mittelalterliche Gaugrafschaft
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Der Balsamgau, auch Gau Balcsem oder Balsamer Land genannt, war eine mittelalterliche Gaugrafschaft in der südöstlichen Hälfte der späteren Altmark. Er lag nördlich von Magdeburg zwischen den Flüssen Milde-Biese-Aland und Elbe. Die neuere Forschung zweifelte seine Existenz an, vielmehr wurde er im 12./13. Jahrhundert neu geschaffen.[1]
Die Halberstädter Bischofschroniken enthielten ein auf 814 datiertes Immunitätsprivileg Ludwigs des Frommen für das entsprechende Bistum. In dessen Grenzbeschreibung erschien Belkesheim. Die Forschung wertete die Urkunde als Ganzfälschung aus der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts. Die Chronik verzeichnete an einer weiteren Stelle den Balsamgau als Teil der Grenzbestätigung durch Benedikt VIII., Papst der römisch-katholischen Kirche (1012–1024). Auch dies wurde als Fälschung eingestuft. In beiden Fällen veranlasste sie vermutlich Arnulf, Bischof von Halberstadt (996–1023). Der Grund lag im Jahr 1004 – der Wiedererrichtung des Bistums Merseburg und der damit einhergehenden Bedrohung des Halberstädter Territoriums.[2] Anno 1070 tauschte Gaugraf Wiprecht von Groitzsch seine ererbte Herrschaft Balsamgau mit Markgraf Udo II. gegen die Burg Groitzsch im Osterland ein.[1]
Die meisten Archidiakonate des Bistums Halberstadt entstanden gegen Ende des 11. Jahrhunderts.[3] In der Altmark gelang die endgültige Einbindung in die kirchlichen Strukturen erst nach der Mitte des 12. Jahrhunderts.[4] So wurde der Balsambann das früheste Mal 1194 erwähnt.[3] Er füllte das Gros des dortigen Teils der Diözese aus.[5] Als Sitz diente Tangermünde. Das Recht zur Präsentation stand dem Markgrafen von Brandenburg zu.[6] Das Landbuch Kaiser Karls IV. von 1375 zeigte, von welchen weltlichen Erträgen der kirchliche Amtsträger lebte (Hebungen in Groß Ballerstedt, Klein Schwarzlosen und Miltern, 2-Hufen-Hof in letzterem Dorf).[7]
Literatur
- Michael Belitz: Die Altmark als Grenzregion der Bistümer Halberstadt und Verden. In: Dieter Fettback, Ulrich Kalmbach im Auftrag Altmärkischer Verein für vaterländische Geschichte zu Salzwedel (Hrsg.): 86. Jahresbericht des Altmärkischen Vereins für vaterländische Geschichte zu Salzwedel. Altmärkischer Verein für vaterländische Geschichte zu Salzwedel e. V., Salzwedel 2016, S. 5–50.
- Johannes Schultze (Hrsg.): Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375 (= Brandenburgische Landbücher. Band 2; Veröffentlichungen der Historischen Kommission für die Provinz Brandenburg und die Reichshauptstadt Berlin. Band VIII, 2). Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940 (Digitalisat in Universitätsbibliothek Potsdam).
- Christian Warnke: Belcsem/Belkesheim/Balsamerlande – Betrachtungen zu einem angeblichen Gaunamen im elbslawisch-deutschen Berührungsgebiet. In: Albrecht Geule, Matthias Springer (Hrsg.): Namen des Frühmittelalters als sprachliche Zeugnisse und als Geschichtsquellen (= Ergänzungsbände zum Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Band 66). De Gruyter, Berlin / New York 2009, ISBN 978-3-11-020815-3, S. 193–233.