Balthasar Raith

württemberger evangelisch-lutherischer Theologe und Rektor der Universität Tübingen From Wikipedia, the free encyclopedia

Balthasar Raith (* 8. Oktober 1616 in Schorndorf; † 5. Dezember 1683 in Tübingen) war ein württemberger evangelisch-lutherischer Theologe und Rektor der Universität Tübingen.

Balthasar Raith in der Tübinger Professorengalerie

Leben und Wirken

Balthasar Raith besuchte die Lateinschule in Schorndorf, studierte während Dreißigjährigen Krieges in der Klosterschule von Bebenhausen und im Tübinger Stift Theologie und orientalische Sprache, wurde Magister, Repetent sowie Diakonus in Tübingen, 1646 Pfarrer und Spezialsuperintendent in Derendingen, 1656 außerordentlicher Professor der Theologie und Superattendent des fürstlichen Stipendiums in Tübingen. Als Doktor der Theologie wurde er 1660 ordentlicher Professor und Stadtpfarrer, 1662 Dekan und Obersuperattendent des Collegium illustre.[1]

Er las vorzugsweise über hebräische Sprache und Exegese des Alten Testaments, hielt Disputationen und Predigtübungen und machte sich besonders verdient um die praktische Ausbildung der jungen Theologen. Er war unter anderem sechsmal Rektor der Universität Tübingen. Im Jahr 1680 trat er wegen zunehmender Altersschwäche in den Ruhestand und starb, nachdem er zuletzt Gedächtnis, Sehkraft und Sprache verloren hatte, an einem wiederholten Schlaganfall im Alter von 67 Jahren.[1]

Seine Zeitgenossen rühmen seine philologische und theologische Gelehrsamkeit, seine praktische Geschäftsgewandtheit, vor allem aber seinen Charakter, seine Frömmigkeit und Wohlthätigkeit. Er stand in freundschaftlichen Beziehungen zu verschiedenen Männern, die sich damals nach den Verwüstungen des dreißigjährigen Krieges die Erneuerung des christlichen Volks- und Gemeindelebens zur Aufgabe machten. Dazu gehören Johann Andreas Quenstedt und Philipp Jacob Spener, denen er sein bedeutendstes theologisches Werk, seine Verteidigung der lutherischen Bibelübersetzung „Vindiciae versionis s. bibliorum Germanicae D. Lutheri etc.“ (Tübingen 1676) gewidmet hat. Dieser umfangreiche Band, der sich unter anderem mit kontroverstheologischen Argumenten Robert Bellarmins auseinandersetzt, ging aus Disputationen hervor. Seine 38 schriftstellerischen Arbeiten sind besonders biblisch-theologischen, polemischen und praktisch-erbaulichen Inhalts.[1]

Literatur

Einzelnachweise

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