Baptisterium (Padua)
religiöses Gebäude in Padua, Italien
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Das Baptisterium in Padua ist die Taufkapelle der Kathedrale von Padua. Der erste Bau wurde Ende des 12. Jahrhunderts errichtet; in der heutigen Form entstand das Baptisterium von 1260 bis zur Weihe 1281. Einzigartig ist der vollständig erhaltene Freskenzyklus, den Giusto de’ Menabuoi in den 1370er Jahren schuf. Seit 2021 gehört er zum UNESCO-Weltkulturerbe der „Freskenzyklen des 14. Jahrhunderts in Padua“.


Bau
Das Baptisterium wurde in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts an der Nordostecke des romanischen Vorgängerbaus der Kathedrale auf dem Domplatz gebaut (die Apsis der Kathedrale weist nach Westen). Kuppel, Fenster und Portalbereich wurden in den 1370er Jahren nochmals verändert. Es besteht aus einem würfelförmigen Unterbau und einer aufgesetzten Rotunde mit flach ziegelgedeckter Pendentifkuppel auf einer durchfensterten Trommel. Nach Osten, zum Domplatz, ausgerichtet ist die flach geschlossene Apsis, die ihrerseits eine kleine Kuppel (ohne Trommel) trägt. Fünf Friese gedoppelter Blendbögen unter dem Gebälk, von denen Lisenen im Dreier- und Zweierrhythmus (Apsis) abgehen, gliedern die gemauerten Wandflächen; außerdem sind die Flächen zwischen den Bögen glatt verputzt und als helle Streifen zusätzlich vom Mauerwerk abgesetzt. Die Apsis wird zu beiden Seiten von Zugängen flankiert; unter einem quadratischen Joch, das von einer schmalen weißen Marmorsäule in der Südostecke zum Dom hin getragen wird, ist der Eingang mit kleinem Vestibül für die Gläubigen, was rechts für die Kleriker wiederholt wird, allerdings ohne vorgebautem Gewölbe.
Fresken
Die Fresken Menabuois stellen eines der bedeutendsten und besterhaltenen Gemäldezyklen des 14. Jahrhunderts dar. Sie wurden von Fina Buzzaccarini in Auftrag gegeben, der Frau des Signore Francesco I. Da Carrara, der von 1350 bis 1388 die Stadt regierte. Sie starb am 4. Oktober 1378 und verfügte in ihrem Testament (vom 22. September d. J.) im Baptisterium begraben zu werden. Man nahm zuvor an, dass der Auftrag an Giusto de’ Menabuoi zu ihren Lebzeiten gegeben und ausgeführt wurde. Dem widerspricht allerdings die Integration des Wandgrabes in das Bildprogramm. Bei der Eroberung der Stadt durch Venedig wurde dessen Sarkophag entwendet, so dass heute nurmehr der Überbau und das Votivbild erhalten ist. Für die Ausmalung erst nach ihrem Tod spricht auch die testamentarisch bestimmte Verwendung.
Weltliches Prestige und himmlische Gunst versprechend, erlaubte es Menabuoi, neben viel Blattgold, das teure, aber auch schwer zu behandelnde Ultramarin zu verwenden.[2] Abgesehen von einer Sockelzone und der Altarwand, bedecken die insgesamt nahezu hundert Bildfelder sämtliche Wandflächen des Hauptraums wie der Apsis und beide Kuppeln. Illustriert sind Szenen aus der Genesis des Alten Testaments (im unteren Register der großen Kuppel) und der Evangelien bis zur Offenbarung des Johannes, dem letzten Buch des Neuen Testaments, dargestellt, also ein die gesamte Bibel umfassendes Bildprogramm, wie es sonst nurmehr in San Gimignano und durch Vitale da Bologna in Pomposa vorkam.[3] Neben Szenen aus dem Leben Marias und Jesus wir auch das Leben Johannes des Täufers dargestellt, des Patrons aller Baptisterien, und durch die Verkündigungsszenen mit Jesus Leben parallel gesetzt.
Die Kuppelfresken zeigen beide in ihrem Scheitel Christus als Pantokrator, umringt von den paradiesischen Scharen der Engel und Vollendeten (Heiligen) und Maria in der Glorie, beziehungsweise, in der kleinen Apsiskuppel über dem Altar, den Zwölf Aposteln und Maria, die über gotische Ziergiebel mit Jesus verbunden sind. Die große Kuppel hat ein unteres Register, in dem sich die Szenen des Alten Testaments abspielen, von der Erschaffung der Welt zu Füssen Marias, nach rechts lesend bis zu Jakobs Traum links von ihr. Auf die Pendentifs, die in die Wände überleiten, malte Menabuoi die vier Evangelisten (über ihren Symbolen) zwischen acht der alttestamentarischen Propheten und übersetzte die architektonische Funktion damit quasi wörtlich.
Auf den Wänden folgen nun nicht (nur) je Wand, sondern wiederum ringsum zunächst im oberen Register von der linken Ecke der Südwand die Verkündigung an Zacharias, zwischen den Fenstern Johannes Geburt, daneben der Tempelgang Mariens, Maria Verkündigung, Heimsuchung und übereck mit der Geburt Jesu Christi fortschreitend bis zur Flucht nach Ägypten im kleinen Feld links oben zwischen Fenster und dem Evangelisten Johannes im Zwickel. Im mittleren Register der Westwand geht es chronologisch weiter mit dem Kindermord in Bethlehem und der Predigt des Täufers, springt dann auf die Südwand, wo die restlichen sieben Felder der beiden unteren Register zunächst von der Predigt des Täufers bis zu dessen Enthauptung führen und die beiden rechten übereinanderliegenden Felder von den Wundertaten Christi erzählen.
Im mittleren Register der Nordwand werden dann die Apostel berufen (Simon Petrus, Andreas und Matthäus), daran schließt sich die Hochzeit von Kana und übereck die Verklärung des Herrn auf der Ostwand an, und springt nach gegenüber zum unteren Register mit dem Einzug nach Jerusalem und dem Abendmahl. Von dort geht es wieder „regulär“ auf der Nordwand weiter, und führt fort mit dem linken unteren Bild auf der Ostwand, dem einzigen Wandbild mit zwei Szenen (in der Kuppel sind mehrere), und zwar Christus vor Pilatus und die Kreuztragung, das in der großen Kreuzigungsszene über dem Altarraum kulminiert. Die drei rechten Szenen auf der Ostwand folgen nun von oben nach unten mit der Höllenfahrt, den drei Marien am Grab und Christi Himmelfahrt. Das gegenüberliegende Ensemble aus zwei Bildern mit der überfangenden Bogenarchitektur, die einander ergänzen und ineinander übergehen. Unterhalb des Bogens und in seine Laibung übergehend ist ein Votivbild mit einer thronenden Madonna, der durch den Täuferjohannes die Stifterin Fina Buzzacarini empfohlen wird, die vor ihr kniet. Das Bild darunter zeigt noch einmal Johannes den Täufer, den Patron der Stifterfamilie wie der Taufkirche.[4]
- Kuppelfresken (Durch den Höhenunterschied wirken beide fast gleich groß)
- Die Verkündigung an Maria über dem Grab der Stifterin
- Blick auf Nord- und Ostwand mit Altarraum und dem Taufbecken im Zentrum
- Anbetung der Heiligen Drei Könige, zentral im oberen Register der Nordwand
- Hochzeit zu Kana, im mittleren Register der Nordwand rechts
- Der hl. Markus zwischen den Propheten Hosea und Jonas zwischen Ost- und Südwand, links Christus im Limbus, rechts Zacharias
- Südwand mit Szenen aus dem Leben Johannes des Täufers
Der Altar
Auf dem Hochaltar befindet sich ein großes Polyptychon von Giusto de’ Menabuoi, das in denselben Jahren wie die Fresken entstand. Das Werk, dem leider ein Großteil der ursprünglichen Holzumrahmung fehlt, wurde 2020/21 restauriert.[5][6] Es zeigt Maria, auf einem Thron sitzend, das Kind steht nur mit einem Schleier bekleidet auf ihrem linken Oberschenkel mit zum Segnen erhobener rechter Hand. Sie werden in zwei Reihen mit je sechs Szenen aus dem Leben Johannes des Täufers flankiert. Darüber ist die Taufe Christi sowie Figuren von Heiligen und Kirchenvätern dargestellt, von denen die inneren vier wie die Evangelisten Lukas und Johannes in den Pendentifs der Kuppel hinter fast quadratischen Rahmen gemalt sind, deren Oberkante ihnen als Schreibtisch dient. Die Predella zeigt Halbfiguren mehrerer Heiliger und Seliger aus Padua, in der Mitte eine Pietà. An den Rändern sind die Wappen der Familien da Carrara und Buzzacarini auf gestutzten Zwickeln appliziert, deren Schutzpatron Johannes war.

Welterbe
Im Jahr 2021 wurden die Fresken Menabuois in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen. Zum Dossier 1623,[7] „Freskenzyklen des 14. Jahrhunderts in Padua“, gehören in einer Pufferzone von 530 Hektar (ha) innerhalb Paduas die Fresken 1. der Scrovegni- und Eremitani-Kapelle (7,18 ha), 2. des Palazzo della Ragione, des Palazzo Carraresi, des Baptisteriums und verbundener Piazzas (7,34 ha), 3. die Fresken des Gebäudekomplexes um die Antonius-Basilika (5,19 ha) und schließlich 4. San Michele (0,25 ha). Die Freskenzyklen fallen unter das Auswahlkriterium für Kulturgüter II, das heißt, dass sie „einen wichtigen Austausch menschlicher Werte über einen bestimmten Zeitraum oder innerhalb eines Kulturraums der Welt hinweg aufzeigen, beispielsweise durch Entwicklungen in Architektur oder Technologie, monumentaler Kunst, Stadtplanung oder Landschaftsgestaltung.“[8] Giottos Freskenzyklus in der Scrovegni-Kapelle gilt als „Beginn einer revolutionären Entwicklung in der Geschichte der Wandmalerei“, die in Freskenzyklen weiterer Künstler, namentlich Guariento di Arpo, Giusto de’ Menabuoi, Altichiero da Zevio, Jacopo Avanzi und Jacopo da Verona zwischen 1302 und 1397 weitergeführt wurde. „Zusammengenommen veranschaulichen diese Freskenzyklen, wie sich die Freskokunst im Laufe eines Jahrhunderts durch neue kreative Impulse und ein vertieftes Verständnis räumlicher Darstellung weiterentwickelte.“[7]