Barbara Herman

US-amerikanische Philosophin From Wikipedia, the free encyclopedia

Barbara Herman (* 9. Mai 1945 in New York City) ist Philosophin und Griffin Professor of Philosophy and Professor of Law an der University of California, Los Angeles (UCLA). Sie gehört zu den führenden Interpreten der Ethik Immanuel Kants und hat zur Moralphilosophie und Politischen Philosophie gelehrt.[1]

Barbara Herman

Leben und Werk

Hermans Eltern arbeiteten als Gewerkschaftsfunktionär beziehungsweise als Sekretärin. Sie besuchte die Schule in Queens und die Cornell University (B.A. in Geschichte 1966). Dann wechselte sie an die Harvard University und studierte Geschichte und Philosophie bei u. a. Stanley Cavell und John Rawls, ihre Dissertation (1976) trug den Titel Morality as Rationality: A Study of Kant's Ethics.[2] Dort traf sie auch die Studentin Martha Nussbaum. 1973–80 war Herman Assistant Professor am Massachusetts Institute of Technology. Dann ging sie an die University of Southern California, wo sie vom Assistant professor über Associate professor im Jahr 1992 zum Full professor of philosophy and law aufstieg. 1994 ging sie an die UCLA, 2006 wurde sie auch zur Juristischen Fakultät zugelassen. Sie ist Mitglied der American Academy of Arts and Sciences (1995).

Barbara Hermann wendet Kants Ethik auch auf praktische Fragen an und betont, dass Pflichten den Kontext beachten müssen, also nicht rigoros zu verstehen sind. Ein moralisches Habitat (2023) bilde die Struktur für einen moralischen Lebensraum: eine Umwelt, die von und für freie und gleichberechtigt zusammenlebende Menschen geschaffen wird. Das System ist dynamisch, weil sich Aufgaben aus verschiedenen Bereichen gegenseitig prägen und beeinflussen. Kritiker wenden hier an, es gebe keinen Unterschied mehr zu einer hypothetischen Pflicht bzw. einem hypothetischen Imperativ, wovon Kant eben wegkommen wollte (Kategorischer Imperativ). Bei Kant bleibt nach Herman die Pflicht kategorisch, aber ihre Anwendung erfordert Urteilskraft, da allgemeine moralische Prinzipien immer erst auf konkrete Situationen bezogen werden müssen. Unter „moral literacy“ (2007) versteht sie die Fähigkeit, moralisch relevante Aspekte einer Situation wahrzunehmen und zu verstehen, sodass allgemeine moralische Prinzipien angemessen angewendet werden können.

Herman geht auf einige Implikationen und Anwendungen dieser moralischen Lebensraumidee ein und entwickelt die Ressourcen dieser ganzheitlichen Kantschen Sicht der Moral, indem sie darüber nachdenkt, was moralisch z. B. mit der Anerkennung eines Rechts auf Wohnen („right to housing“ 2023) verbunden wäre. Gemeint ist kein einklagbares Recht, sondern ein Teil der Bedingungen, damit Menschen überhaupt als autonome moralische Subjekte handeln können. Damit steht sie dem nichtkantianischen Ansatz von Martha Nussbaum nahe.

Sie hat ihre Kritik an der einflussreichen Ethik von Derek Parfit in der Berkeley-Tanner-Vorlesung (2002) geäußert. Neben ihr gehörten Susan Wolf, Allen W. Wood und Thomas M. Scanlon zu den ausgesuchten Kontrahenten unter den renommierten Kantforschern.[3]

Schriften

  • The Moral Habitat. Duties, Habits, and Moral Agency. Oxford University Press, Oxford 2023, ISBN 978-0-19-890622-3.
  • Kantian Commitments. Essays on Moral Theory and Practice. Oxford University Press, 2022
  • Moral Literacy. Harvard University Press, 2007
  • Andrews Reath, Christine Korsgaard, Barbara Herman (Hrsg.): Reclaiming the history of ethics: essays for John Rawls. Cambridge University Press, Cambridge, New York 1997, ISBN 978-0-521-47240-1. Darin: A Cosmopolitan Kingdom of Ends, S. 187–213. [kingdom of ends = Reich der Zwecke]
  • The Practice of Moral Judgement. Harvard University Press, 1993, ISBN 978-0674697171.
Commons: Barbara Herman – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelbelege

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