Wikiwand AI

Barbara Steiner

österreichische Kunsthistorikerin, Kuratorin, Kulturmanagerin und Museumsleiterin From Wikipedia, the free encyclopedia

Barbara Steiner (geboren 1964 in Dörfles, Niederösterreich) ist eine österreichische Kunsthistorikerin, Kuratorin, Autorin und Herausgeberin. Sie ist seit 2021 Direktorin und Vorständin der Stiftung Bauhaus Dessau. Von 2001 bis 2011 war sie Direktorin der Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig und von 2016 bis 2021 Direktorin des Kunsthauses Graz.

Barbara Steiner (2019)

Leben

Barbara Steiner wurde 1964 in Dörfles, Niederösterreich, geboren. Sie schloss 1984 die Ortweinschule in Graz ab, studierte Kunstgeschichte an der Universität Wien und absolvierte ein Postgraduiertenstudium in Museums- und Kuratorenkunde an der Niederösterreichischen Landesakademie in Krems an der Donau.

Steiner begann ihre kuratorische Tätigkeit in Deutschland und Österreich in den 1990er Jahren. Sie schrieb 1990 den ersten Text über den Künstler Erwin Wurm. Steiner organisierte 1993 gemeinsam mit Stephan Schmidt-Wulffen die Ausstellung Backstage: Topologie der Gegenwartskunst im Kunstverein in Hamburg und kuratierte 1994 Lost Paradise im Kunstraum Wien.[1] Dort wurden Werke von Jeremy Deller, Liam Gillick, Jorge Pardo, Philippe Parreno und Rirkrit Tiravanija gezeigt. Lost Paradise wurde 2008 im Solomon R. Guggenheim Museum in der Ausstellung und Publikation theanyspacewhatever wieder aufgegriffen.[2] In den späten 1990er Jahren leitete Steiner Kunstvereine in Ludwigsburg[3] und Wolfsburg und arbeitete mit Künstlern wie Angela Bulloch, Ólafur Elíasson, Liam Gillick, Karen Kilimnik und Philippe Parreno zusammen.

Von 2001 bis 2011 war Steiner Direktorin der Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig (GfZK).[4] Dort zeigte sie sowohl aufstrebende als auch etablierte Künstler, darunter Jun Yang und Deimantas Narkevičius[5] sowie Rosemarie Trockel, Sarah Morris, Ólafur Elíasson, Jorge Pardo und Neo Rauch.

Steiners kontroversestes Programm während ihrer Amtszeit an der GfZK war Carte Blanche (2008–2010). Sie lud elf Unternehmen, private Sammler und kommerzielle Galerien ein, eigene Ausstellungen im Museum zu kuratieren und zu finanzieren, und löste damit eine Debatte über die konkurrierenden Einflüsse privater Interessen und des öffentlichen Auftrags von Kunstinstitutionen aus.[6]

Im Jahr 2012 übernahm Steiner die künstlerische Leitung von Europe (to the power of) n, einem transnationalen Projekt in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut, das Ausstellungen in mehreren Städten in West- und Osteuropa, China und Taiwan realisierte.[7] Sie organisierte 2014 die Ausstellung 600 Mio. – Freunde und Komplizen im Künstlerhaus Wien[8] und 2015 im Bund Deutscher und Österreichischer Künstlerinnenvereine.

Von 2016 bis 2021 war Steiner Direktorin des Kunsthauses Graz.[9] Dort lud sie Künstler, Designer und Kollektive wie Niels Jonkhans, Oliver Klimpel, Topotek 1 und Superflex zur Zusammenarbeit ein. 2018 kuratierte sie gemeinsam mit anderen die Ausstellung Congo Stars, in der Arbeiten von 70 kongolesischen Künstlern gezeigt wurden.[10] Zu den von ihr präsentierten Künstlern gehörten außerdem Kōki Tanaka im Jahr 2017, Jun Yang 2019 sowie Haegue Yang 2017 und 2020.

Seit dem 1. September 2021 ist Steiner Direktorin und Vorständin der Stiftung Bauhaus Dessau.[11] In ihrer Vermittlung der Bauhausgeschichte wendet sie sich gegen die Vorstellung eines einheitlichen „Bauhaus-Stils“ und beschreibt das Bauhaus aufgrund der Vielfalt seiner Akteure und Positionen als heterogen und widersprüchlich.[12] Sie hebt sowohl den Anspruch hervor, die Lebensverhältnisse breiter Bevölkerungsschichten zu verbessern, als auch die problematischen Seiten des damaligen Fortschritts- und Rationalisierungsglaubens.[12] Zu dieser ambivalenten Geschichte zählt sie, dass mehr Bauhäusler als lange angenommen der SA oder der SS angehörten und dass der frühere Bauhaus-Schüler Fritz Ertl am Bau des KZ Auschwitz-Birkenau beteiligt war und dort den Hochbau leitete.[12]

Im August 2026 positionierte sich Steiner öffentlich gegen kulturpolitische Angriffe der rechtsradikalen Partei AfD in Sachsen-Anhalt, nachdem deren kulturpolitischer Sprecher Hans-Thomas Tillschneider das Bauhaus als „Irrweg der Moderne“ bezeichnet und Kürzungen seiner Förderung in Aussicht gestellt hatte.[12] Sie ordnete diese Positionen in eine längere Tradition nationalistischer Kritik an der Moderne ein, die das Bauhaus bereits in den 1930er Jahren als fremd und „undeutsch“ abgewertet hatte.[12] Dem setzt sie ein Verständnis deutscher Kultur entgegen, das deren Hybridität, Aufnahmefähigkeit und Austausch mit anderen Kulturen betont.[12] Das Konzept einer „patriotischen Kultur“ betrachtet sie als ausgrenzend und als Hemmnis für gesellschaftliche und kulturelle Entwicklungen.[12]

Werke

  • mit Martin Grabner, Dirk Raith, Steven Zultanski: Dieses Buch hat einen Billigpreis von € 9. Ausstellungskatalog. Hrsg.: Barbara Steiner. VfmK Verlag für moderne Kunst, Wien 2022, ISBN 978-3-903572-75-1 (d-nb.info).
  • mit Martin Grabner, Dirk Raith, Steven Zultanski: Dieses Buch hat einen ehrlichen Preis von € 150. Ausstellungskatalog. Hrsg.: Barbara Steiner. VfmK Verlag für moderne Kunst, Wien 2022, ISBN 978-3-903572-77-5 (d-nb.info).
  • mit Martin Grabner, Dirk Raith, Steven Zultanski: Dieses Buch hat einen Marktpreis von € 28. Ausstellungskatalog. Hrsg.: Barbara Steiner. VfmK Verlag für moderne Kunst, Wien 2022, ISBN 978-3-903572-76-8 (d-nb.info).
  • mit Grzonka, Patricia; Stange, Raimar; Wellmann, Marc; Ziaja, Luisa: Anna Meyer – Hopesters. Ausstellungskatalog. VfmK Verlag für moderne Kunst, Wien 2021, ISBN 978-3-903572-11-9 (englisch, deutsch, d-nb.info).
  • mit Daniel Farinotti, Markus Jeschaunig: Nebel, Wasser, Eis = Fog, water, ice / Markus Jeschaunig. Ausstellungskatalog. Verlag der Buchhandlung Walther und Franz König, Köln 2021, ISBN 978-3-7533-0234-8 (deutsch, englisch, d-nb.info).
  • Kunst = Handwerk: zwischen Tradition, Diskurs und Technologien. Ausstellungskatalog. Verlag für moderne Kunst GmbH, Wien 2019, ISBN 978-3-903320-30-7 (d-nb.info).
  • mit Karl Baier, Wolfgang Müller-Funk: Leo Zogmayer – Reden schweigen wovon. Ausstellungskatalog. Schlebrügge.Editor, Wien 2019, ISBN 978-3-903172-38-8 (deutsch, englisch, d-nb.info).
  • mit Ewa Majewska: Common affairs: revisiting the VIEWS award – contemporary art from Poland. Ausstellungskatalog. Hatje Cantz, Stuttgart 2016, ISBN 978-3-7757-4147-7 (d-nb.info).
  • Veronika Dirnhofer: paintings + ceramics. Bildband. Verlag für moderne Kunst GmbH, Wien 2016, ISBN 978-3-903131-56-9 (deutsch, englisch, d-nb.info).
Commons: Barbara Steiner – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

Related Articles

Timelines

Top Qs

Fact Checks