Barker Fairley
britisch-kanadischer Germanist, Literaturwissenschaftler, Maler und Schriftsteller
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Barker Fairley (* 21. Mai 1887 in Barnsley/Yorkshire; † 11. Oktober 1986 in Toronto) war ein britisch-kanadischer Germanist, Literaturwissenschaftler, Maler und Schriftsteller.[1]
Leben und Wirken
Akademischer Werdegang
Barker Fairley studierte von 1903 bis 1907 zunächst Germanistik und Romanistik an der University of Leeds und von 1907 bis 1910 Germanistik an der Universität Jena. In Leeds erwarb er 1907 einen Bachelorgrad und promovierte 1910 bei Victor Michels an der Universität Jena. Von 1907 bis 1910 war er als Lektor für Englische Sprache an der Universität Jena tätig und bis 1915 dann als Lektor für Deutsche Sprache an der University of Alberta. Bis zum Eintritt in den Ruhestand 1957 lehrte er Germanistik an der University of Toronto, zunächst als Associate Professor, seit 1936 als ordentlicher Professor, unterbrochen von einer Professur für Germanistik an der University of Manchester (1932 bis 1936).
Fairley beschäftigte sich vor allem mit der deutschen Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts, insbesondere mit Johann Wolfgang von Goethe, Heinrich Heine und Wilhelm Raabe. Er betätigte sich außerdem als Übersetzer deutscher Werke ins Englische sowie als Dichter.
Künstlerischer Werdegang

Fairley zeigte zwar früh theoretisches Interesse an der Malerei und hielt engen Kontakt zu den Landschaftsmalern der Group of Seven, die er durch Aufsätze im Canadian Forum und Illustrationsaufträge unterstützte. Er selbst war jedoch lange Zeit nicht künstlerisch tätig. 1931 versuchte er sich während eines Ausflugs mit dem ebenfalls an der University of Toronto lehrenden Dichter und Maler Robert Finch (1900–1995) erstmals an der Aquarellmalerei. Dabei entstand unter anderem die Studie Apple Orchard in Blossom, die bereits die ausgeprägten künstlerischen Fähigkeiten des Autodidakten Fairley zeigte. Danach dauerte es rund zehn Jahre, bis er weitere Bilder malte. Ab 1953 widmete er sich ernsthaft der Kunst.[2]
Fairley malte zunächst Landschaften, später auch Porträts in Öl sowie gelegentlich Stillleben. Seine Arbeiten zeigen sich durch die Werke Karl Hofers beeinflusst.[3] Seine streng aufgebauten, spartanischen Landschaftsbilder sind vorwiegend in Erdfarben gehalten und zeigen undramatische Motive wie Hügel oder Landstraßen, die von vereinzelten Bäumen rhythmisch gesäumt werden. In seinen Bildnissen strebt Fairley weniger nach absoluter Ähnlichkeit, als nach der Darstellung des Wesens der porträtierten Personen. Charakteristisch für seine Kunst ist das Betonen der Linie und Umfassen der Personen und Gegenstände mit dunklen Umrissen, während er die innere Struktur nur mäßig modelliert.[2]
Fairley hatte unter anderem katalogbegleitete Ausstellungen in der Münchener Galerie Wolfgang Gurlitt (1960),[3] dem Lyceum Club der Women's Art Association of Canada in Toronto (1972) und dem Agnes Etherington Art Centre (1980). Werke von ihm befinden sich beispielsweise in der Sammlung der Art Gallery of Ontario.[2]
Mitgliedschaften und Auszeichnungen
Fairley wurde 1947 Mitglied der Royal Society of Canada, 1957 korrespondierendes Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung Darmstadt und 1972 korrespondierendes Mitglied der British Academy. Er erhielt mehrere Ehrendoktorwürden kanadischer Universitäten. 1978 wurde er zum Officer of the Order of Canada ernannt.[4] 1984 wurde ihm das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen.
Familie
Barker Fairleys erste Ehefrau war Margaret Fairley geb. Keeling (1885–1968), eine aus England stammende Schriftstellerin, Pädagogin und politische Aktivistin (sie gehörte der Kommunistischen Partei Kanadas an). Aus der Ehe ging als jüngstes Kind Ann Schabas (1926–2023) hervor, die Professorin und Dean der Faculty of Library and Information Science an der University of Toronto wurde.[5] Zu ihren fünf Kindern gehört der Völkerrechtler William Schabas.[6]
Veröffentlichungen (Auswahl)
- Die Eneide Heinrichs von Veldeke und der Roman d’Eneas. Eine vergleichende Untersuchung. Frommann, Jena 1910 (= Dissertation Universität Jena).
- Charles M. Doughty. A critical study. Cape, London 1927.
- Goethe, as revealed in his poetry. Dent, London 1932 (deutsche Übersetzung: Goethe, dargestellt in seiner Dichtung. Insel-Verlag, Frankfurt/M. 1968).
- Goethe’s attitude to science. Manchester University Press, Manchester 1936.
- A study of Goethe. Clarendon Press, Oxford 1947 (deutsche Übersetzung von Franz Werneke: Goethe. C. H. Beck, München 1953).
- Goethe’s Faust. Six essays. Clarendon Press, Oxford 1953.
- Heinrich Heine. An interpretation. Clarendon Press, Oxford 1954 (deutsche Übersetzung von Laura Hofrichter: Heinrich Heine. Eine Interpretation. Metzler, Stuttgart 1965).
- Wilhelm Raabe. Eine Deutung seiner Romane. Übers. von Hermann Böschenstein. Beck, München 1961
- Selected essays on German literature. Ed. by Roger Symington (= Kanadische Studien zur deutschen Sprache und Literatur, Bd. 29). Lang, New York 1984, ISBN 0-8204-0107-2.
Übersetzungen
- Gottfried Keller: Der Landvogt von Greifensee. Blackwell, Oxford 1948.
- Laura Hofrichter: Heinrich Heine. Clarendon Press, Oxford 1963.
- Heinrich Heine: Atta Troll. Ein Sommernachtstraum. Deutschland, ein Wintermärchen. Oxford University Press, London 1966.
- Johann Wolfgang von Goethe: Faust. University of Toronto Press, Toronto 1985, ISBN 0-8020-1668-5.