Bart D. Ehrman

US-amerikanischer Religionswissenschaftler From Wikipedia, the free encyclopedia

Bart Denton Ehrman (* 5. Oktober 1955 in Lawrence, Kansas) ist ein US-amerikanischer Religionswissenschaftler und Bestsellerautor.[1] In Forschung und Lehre befasst er sich vorwiegend mit dem Neuen Testament, dem Frühchristentum[2] und den Kirchenvätern.[3]

Bart D. Ehrman (2012)

Leben

Bart D. Ehrman erhielt eine evangelikale Erziehung und war Mitglied in der Episkopalkirche. Mit 15 Jahren hatte er eine Wiedergeburtserfahrung und besuchte von 1973 bis 1976 das Moody Bible Institute in Chicago. Um sich noch intensiver mit dem Glauben auseinandersetzen zu können, studierte er die alten Sprachen der Bibel, Hebräisch und Griechisch.[4] Er erwarb den Bachelor 1978 am Wheaton College und den Master 1981 und den Doktor 1985 am Princeton Theological Seminary.[5] Von 1988 bis 2025 war er Professor für Religionswissenschaften an der University of North Carolina at Chapel Hill.[6]

Positionen

Je mehr er sich mit der Bibel auseinandersetzte, umso mehr gewann Ehrman die Überzeugung, dass die Bibel nicht irrtumsfrei und von Gott offenbart sei, inspiriert bis in die einzelnen Worte hinein, wie er anfangs gedacht hatte. Vielmehr sei die Bibel ein menschliches Buch, mit allen Kennzeichen eines von Menschenhand geschaffenen Werkes: Diskrepanzen, Widersprüche, Irrtümer, Fehler und unterschiedliche Perspektiven von unterschiedlichen Autoren, die zu unterschiedlichen Zeiten aus unterschiedlichen Gründen für unterschiedliche Empfänger mit unterschiedlichen Bedürfnissen geschrieben hätten.[7] Daher gäbe es auch Hunderttausende von Unterschieden und Varianten in den biblischen Texten.[8] Ehrman trennte sich von seinen evangelikalen Ansichten, blieb aber zunächst noch Christ.

Entscheidend für seinen Abschied vom christlichen Glauben wurde der frühzeitige Tod seines Vater an Krebs[9] und das Theodizeeproblem.[10] Er konnte die Lehren des Glaubens nicht mehr mit den Tatsachen des Lebens in Einklang bringen; insbesondere konnte er angesichts des Elends und des Leidens in der Welt nicht länger glauben, dass es einen guten und allmächtigen Gott gebe, der sich aktiv um diese Welt kümmere.[11] Seitdem bezeichnet sich Ehrman als Atheist und Agnostiker. Er beantwortete die Frage, ob er glaube, dass es eine höhere Macht gebe, mit: „Woher soll ich das wissen?“ und die Frage, ob er an den Gott des Christentums glaube, mit „Nein“.[12]

Ehrmann folgt der These Walter Bauers, der zufolge den später als häretisch bezeichneten Teilen des Christentums sowohl zeitlich als auch sachlich Priorität zukommt gegenüber der späteren Orthodoxie. Weiterhin arbeitet er auf dem Gebiet der Textkritik des Neuen Testaments. Dabei wendet er sich dagegen, dass Textkritik ausschließlich als Werkzeug zur Rekonstruktion eines hypothetischen „Urtextes“ der neutestamentlichen Schriften verstanden wird. Vielmehr sieht er in der Vielfalt der verschiedenen Handschriften einen Zugang zur Theologie- und Sozialgeschichte des antiken Christentums.[13]

Schriften (Auswahl)

  • Forgery and Counterforgery. The Use of Literary Deceit in Early Christian Polemics, Oxford University Press, New York 2013, ISBN 978-0-19-992803-3.
  • Jesus, Interrupted: Revealing the Hidden Contradictions in the Bible (and Why We Don’t Know About Them), HarperOne, San Francisco 2009.
  • Misquoting Jesus: The Story Behind Who Changed the Bible and Why, Harper, San Francisco 2005.[14]
    • Abgeschrieben, falsch zitiert und missverstanden: Wie die Bibel wurde, was sie ist. Übersetzt von Uta Rohrmann, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2008, ISBN 3-579-06450-9.
  • God’s Problem: How the Bible Fails to Answer Our Most Important Question – Why We Suffer, HarperOne, San Francisco 2008, ISBN 0-06-117397-5.
  • Lost Christianities: The Battles for Scripture and the Faiths We Never Knew, Oxford University Press, New York 2003.
  • The Apostolic Fathers, Greek-English edition, Loeb Classical Library, 2 Bände, Harvard University Press, Cambridge 2003.
  • Jesus: Apocalyptic Prophet of the New Millennium, 1999, ISBN 0-19-512474-X.
  • The New Testament – A Historical Introduction to the Early Christian Writings, Oxford University Press, New York 1997 und 2015, ISBN 0-19-508481-0.
  • The Orthodox Corruption of Scripture – The Effect and Early Christological Controversies on the Text of the New Testament, Oxford University Press, New York 1993, ISBN 0-19-510279-7.

Einzelnachweise

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